Donnerstag, 24. Oktober 2019

Divine Renovation – wenn Gott sein Haus saniert

Die Speyerer Teilnehmer an der Konferenz. 

Ein Erfahrungsbericht über die Divine Renovation Konferenz in Fulda von Sandra Petrollo Shahtout, Referentin an der Stabsstelle Berufungspastoral im Bistum Speyer

Fulda/Speyer. „Was muss passieren, damit Kirche erneuert wird und sich wieder von einer bewahrenden hin zu einer missionarischen Kirche wandelt, wie es Papst Franziskus fordert? Um sich mit dieser Frage intensiv auseinander zu setzen, lud Father James Mallon, Katholischer Priester aus Halifax in Kanada und Leiter des Divine Renovation Ministry zusammen mit Alpha Deutschland vom 07.-08. Oktober nach Fulda ein.

Sechshundertfünfzig vorwiegend katholische Christen, Haupt- und Ehrenamtliche aus ganz Deutschland und darüber hinaus, ja ganze Pastoralteams waren dieser Einladung gefolgt. Father James Mallon und sein Team nahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter auch ein gutes Dutzend Interessierte aus der Diözese Speyer, auf eine spannende Reise mit.

Erneuerung von Kirche und Pfarrei
In mehreren Vorträgen und Workshops verschiedenster Referentinnen und Refererenten stand das Thema der Erneuerung von Kirche und Pfarrei und die Frage nach einer kompetenten und fruchtbringenden Leitung im Vordergrund. Father Mallon betonte, dass wir uns als Kirche weder als kleine Herde einigeln noch den Schatz, den wir von Christus in Schrift und Tradition empfangen haben, einfach aufgeben dürfen. Vielmehr gehe es darum, als Kirche einen Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen zu finden, um Menschen in der Sprache der heutigen Zeit mit der Botschaft und Person Christi in Berührung zu bringen.

Aufbruch mit Divine Renovation Konzept
Father Mallon und sein Team haben in Halifax dazu das Divine Renovation Konzept entwickelt, welches in ihrer Pfarrei zu einem neuen Aufbruch geführt hat. In Halifax ließen sich Menschen neu von Jesus begeistern, es kam zu mehr als einer Verdoppelung der Zahl der Gottesdienstbesucher und auch der diakonische Dienst wurde mit neuem Leben gefüllt.

Wenn Father James Mallon und sein Team erzählten, wie sich die Gemeinde in Halifax in den vergangenen Jahren verändert hat, konnte man versucht sein zu glauben, dass dies kaum woanders funktionieren könne und ein singuläres Phänomen ist. Doch wurde das „Divine Renovation Konzept“ mittlerweile in vielen Teilen der Welt, u. a. in Amerika, England und Indien [usw.], angewendet, Teams darin geschult und mit praktischen Hilfestellungen ausgerüstet. Der sichtbare Erfolg des Konzeptes auch dort zeigt, dass Halifax keine Insel der Glückseligen ist, sondern dass durch diesen pastoralen Ansatz an vielen Orten ein Aufbruch möglich ist. Father Mallon und sein Team strahlten eine Begeisterung und Zuversicht aus, die sichtbar auf die Teilnehmer übergeschwappte. Für uns Zuhörer wurde deutlich: Kirche und Pfarrei sind nicht notwendigerweise ein Auslaufmodell und auf Abstiegskurs, sondern ein neuer Aufbruch ist möglich!

Primat der Evangelisierung
Damit aber Gott sein Haus sanieren kann und Pfarrei und Kirche neu beginnen können zu pulsieren, benennt Father James Mallon drei entscheidende Schlüssel: den Primat der Evangelisierung, die Bedeutung von guter Leitung/Leiterschaft und die Kraft des Heiligen Geistes.

Evangelisierung heißt für Mallon, in den Menschen einen Hunger nach einer persönlichen Begegnung mit dem Auferstandenen zu wecken. Dafür benötigt es persönliche Erfahrungsräume, die eine Gottesbegegnung ermöglicht, wie es u. a. auch Papst Franziskus immer wieder betont (vgl. Nachsynodales Schreiben „Christus vivit“ vom 25.03.19). Daran anknüpfend, betonen James Mallon und sein Team, dass dafür missionarische Jünger befähigt und ausgebildet werden müssen, die Menschen für Jüngerschaft begeistern, ja sie zu Jüngern machen (vgl. Mt 28,19.20). Denn Begeisterung braucht es auch, um die ersten Schritte von einer bewahrenden zu einer missionarischen Kirche gehen zu können.

Alphakurse als bewährtes Instrument der Evangelisierung

In Halifax und darüber hinaus haben sich Alphakurse als ein bewährtes Instrument der Evangelisierung erwiesen, so der kanadische Priester. Ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden nach einem Kurs selbst zu Kleingruppenleitern und so werden sie Schritt für Schritt befähigt, selbst im Kleinen und Großen Leitungsverantwortung zu übernehmen. Gute, charismenorientierte Leiterschaft sei der zweite zentrale Schlüssel für die Erneuerung. Diese setzt sich dann fort in verschiedenen Diensten innerhalb der Pfarrgemeinde. Zum Beispiel finden sich allein in der Pfarrei in Halifax über achtzig verschiedene Dienste. Dazu gehören der Begrüßungsdienst vor dem Gottesdienst, das Kirchenkaffee, die Armenspeisung, das Team für die Kinder- und Jugendgruppe, die Lobpreisband, der Besuchsdienst und vieles mehr.

Gebet und Vertrauen in die Kraft des Heiligen Geistes
Der dritte Schlüssel für die „Divine Renovation“ ist das Gebet und das Vertrauen in die Kraft des Heiligen Geistes, denn er ist der Ursprung und Motor für all unser pastorales Handeln. Auf eindrückliche Weise wurde dieser Punkt auch praktisch in die Tat umgesetzt. Das Team von Father James Mallon und die Teilnehmer der Konferenz beteten gemeinsam um die Erfüllung durch den heiligen Geist, besonders beeindruckend war der Moment, als sich die einzelnen Teams zusammenstellten und für ihre Pfarrei, ihre Teams und auch besonders für den Pfarrer als Leiter beteten.

Was die drei Schlüssel Evangelisierung, Leiterschaft und das Gebet um den Heiligen Geist wie einen Schlüsselring zusammenhält, ist für Mallon die Eucharistie. Sie sei nicht selbst ein Werkzeug der Evangelisierung, sondern letztlich die Quelle aus der heraus sich Jüngerschaft speist und Kraft schöpft, betont Mallon.

Nach zwei intensiven Konferenztagen teilten sich die Teilnehmer am dritten Konferenztag in zwei Gruppen auf. Father Mallon bot für die über 120 katholischen Priester einen eigenen Priestertag an. Durch die Schilderungen seiner eigenen Höhen und Tiefen und die Auseinandersetzung mit dem Thema Leiterschaft konnte er die anwesenden Priester in ihrem priesterlichen Dienst stärken, wie mir viele meiner Kollegen im Anschluss erzählten.

Die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie viele Ehrenamtliche, nahmen parallel an einem Alpha-Schulungstag teil. In der anglikanischen Kirche entstanden, gibt es auch viele katholische Pfarreien die mit Alpha arbeiten und die Kurse zum Teil in die Sakramentenkatechese integrieren. Hier konnten die Teilnehmer von praktischen Erfahrungen anderer profitieren und das Konzept von Alpha genauer kennenlernen.  
Ich gehe ermutigt aus diesen drei Tagen heraus. Neben all den vielen inhaltlichen Tipps und guten Vorträgen, hat es mich beeindruckt, welche Zuversicht und Hoffnung im Raum stand und welch ein Potential im Divine Renovation Konzept auch für uns liegen könnte. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, betonte hierzu der katholische Theologe Dr. Johannes Hartl am Dienstag in seinem Vortrag. Ich durfte auf der Konferenz erfahren, dass wie ich viele nach einer Erneuerung brennen und die Menschen mit der besten Botschaft der Welt in Kontakt bringen möchten. Ich freue mich darauf, dass der Heilige Geist auch ein Feuer in unserer Diözese entfachen wird.“

Nähere Info zum Ansatz:
https://bit.ly/2qHlicR
Divine Renovation Ministry:
https://divinerenovation.net/dr20

Text: Sandra Petrollo Shahtout/ Foto: Ralf Feix