Montag, 28. Oktober 2019

Viele Meinungen zum Thema digitale Medien

 

Das Caritas-Zentrum Speyer lud unter dem Motto „Sozial braucht digital“ zum Aktionsstand in der Speyerer Fußgängerzone ein. Besucher aller Altersgruppen informierten sich über das Online-Beratungsangebot und kamen mit den Mitarbeitern ins Gespräch über ihre persönliche Nutzung von digitalen Medien

Speyer. „Sozial braucht digital“: Unter diesem Titel steht die diesjährige Kampagne der Caritas Deutschland. Damit ruft die Caritas, den digitalen Wandel mitzugestalten und verlangt von der Politik, den sinnvollen Einsatz der Digitalisierung im sozialen Bereich zu fördern. Aber wie viel Digitalisierung braucht unser Leben überhaupt? Das wollte das Caritas-Zentrum Speyer am Dienstag wissen und ging in die Fußgängerzone, um Passanten zu fragen. Nicht zuletzt machten die Caritas-Mitarbeiter auf ihre Online-Beratung aufmerksam.

Es traf sich gut, dass erst einen Tag zuvor das neue Beratungsportal der Caritas Deutschland online ging. So konnten die Speyerer Caritas-Mitarbeiter den Service direkt am Stand auf Tablets vorstellen. Sie erläuterten Interessierten, wie die Online-Beratung aufgebaut ist und wie sie funktioniert. Viele seien erstaunt, dass die Caritas solch ein kostenfreies Angebot biete, berichtet Zentrumsleiterin Marlen Bauer.

Die Menschen suchen im Internet aber nicht nur Beratung. „Ebenso wichtig ist, dass wir Informationen über die Caritas zur Verfügung stellen, zum Beispiel was wir machen“, fasst Mitarbeiterin Lisa Leininger Reaktionen von Passanten zusammen. Online, telefonisch und persönlich: Ohnehin sei die Caritas auf allen Kanälen erreichbar – das Internet sei nur einer davon, bekräftigt Zentrumsleiterin Marlen Bauer. Und das ist wichtig, denn viele Menschen besitzen keinen Internetzugang, können sich kein Tablet, Smartphone oder keinen Computer leisten. Dazu gehören nicht nur Senioren, sind sich Marlen Bauer und Lisa Leininger einig. Ihrer Erfahrung nach sind alle Altersgruppen betroffen.

Wer nicht ins Internet kommt, wird gesellschaftlich abgehängt. So ist der Online-Zugang ein Faktor, der die soziale Schere weiter auseinandergehen lässt. Auch darüber haben die Zentrumsmitarbeiter vor der Alten Münze mit Standbesuchern gesprochen. „Das war für viele interessant zu hören“, berichtet Bauer. Um Menschen zu erreichen, die ausschließlich analog leben, müsse das Caritas-Zentrum Präsenz zeigen. „Für uns war es wichtig mit einem Stand vor Ort zu sein“, sagt sie.

Von Jung bis Alt: Alle Altersgruppen kamen an den Stand. Die Besucher drehten am Glücksrad, nahmen an der Online-Umfrage teil oder versuchten sich am Bilderrätsel, bei dem Emojis Begriffe darstellten, und kamen so mit der Caritas ins Gespräch. Die Mitarbeiter wollten wissen, wie die Einzelnen das Internet nutzen. Sie fragten, inwieweit Digitalisierung in unser Leben eingreifen darf – in die Bereiche Alltag, Arbeit, Medizin und Pflege, in unsere Privatsphäre oder in Kitas.

„Jeder hat etwas zur Digitalisierung zu sagen“, erklärt Marlen Bauer. Die Menschen sehen aber nicht nur Vorteile, sondern stehen dem Thema auch kritisch gegenüber. Zum Beispiel zeigten sich Eltern am Caritas-Stand verunsichert, ab welchem Alter ihre Kinder ins Internet dürfen. Mütter und Väter könnten nicht auf Erfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit zurückgreifen, macht Marlen Bauer deutlich. Sie müssten eigene Lösungen finden.

Das Meinungsbild aus der Bevölkerung will das Caritas-Zentrum für seine eigene Arbeit nutzen. Außerdem will die Caritas die Ideen und Befürchtungen der Menschen in die Politik tragen. Für Leiterin Marlen Bauer steht fest: Die Frage nach Digitalisierung bleibt aktuell, auch wenn die Kampagne bald endet. „Das Thema ist mit diesem Jahr nicht abgeschlossen.“ 

Text/Foto: Yvette Wagner