Dienstag, 05. November 2019

"Wir unterstützen den Synodalen Weg mit Nachdruck"

Generalvikar Andreas Sturm 

Generalvikare aus zehn Bistümern werben im Blick auf den Synodalen Weg für einen offenen und ehrlichen Dialog – "Im Weiter-so-Modus werden wir unserem Auftrag nicht mehr gerecht"

Trier. Die Generalvikare aus zehn Bistümern haben in einem Brief an Kardinal Reinhard Marx, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, und an Prof. Thomas Sternberg, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ihre Unterstützung für den bevorstehenden Synodalen Weg der Kirche in Deutschland zum Ausdruck gebracht. Zugleich appellieren sie an alle Beteiligten, einander zu vertrauen und jedem eine lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehört auch der Speyerer Generalvikar Andreas Sturm. Außerdem tragen die Generalvikare der Bistümer Trier, Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster und Osnabrück das Schreiben mit. Sie sind über eine Gruppe der kollegialen Beratung schon seit längerem verbunden. „Unser vertrauensvoller, ehrlicher und offener Austausch in dieser Zeit der Auseinandersetzungen um den synodalen Weg hat uns zu gemeinsamen Einsichten und Überzeugungen geführt, die wir Ihnen gerne mitteilen möchten“, bringen sie die Absicht zum Ausdruck, die dem Schreiben zugrunde liegt.

„Wir unterstützen ausdrücklich die Haltung unserer Bischöfe, die sich aus Überzeugung für den Synodalen Weg ausgesprochen haben“, erklären die Generalvikare. Sie stellen fest, dass die Kirche „durch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen“ zunehmend ins Abseits gerät, aber auch „durch vielfaches, eigenes Verschulden“ an Glaubwürdigkeit verliert. Die Folgen sind aus ihrer Sicht dramatisch: „Eine steigende Zahl von Gläubigen, die aus der Kirche austreten, eine innere Zerstrittenheit unter Bischöfen, Priestern und Gläubigen, eine zurückgehende Zahl von jungen Menschen, die bereit sind, sich in den Dienst der Kirche zu stellen, schwindende Ressourcen auch im Bereich der Finanzen.“ All das löst bei den Generalvikaren eine „große Betroffenheit und Ratlosigkeit aus, weil wir sehen, welche gravierenden und für unsere Diözesen bedrohlichen Auswirkungen diese Entwicklungen in den kommenden Jahren noch mit sich bringen können.“

Die Krise der Kirche bewerten sie als ein „Zeichen der Zeit und eine Herausforderung, vor die Gott selbst uns stellt“. Im „Weiter so-Modus“ werde die Kirche ihrem Auftrag nicht mehr gerecht. Gleichzeitig sind die Generalvikare überzeugt, dass „uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt“. Sie begrüßen und unterstützen daher den Synodalen Weg, seine Themen und seine Zielsetzungen mit Nachdruck. „Wir halten das damit verknüpfte Anliegen einer grundlegenden Reform der Kirche in Deutschland für dringend notwendig, ja für existentiell.“

Gottes Geist sei „größer und weiter ist als das je eigene Denken und die je eigene Perspektive“. Darum appellieren sie an alle Mitwirkenden und Beteiligten des Synodalen Weges, aber auch an alle verantwortlichen und engagierten Gläubigen in der Kirche, das Wirken des Geistes nicht voreilig einzugrenzen. Ganz besonders bitten sie darum, auf gegenseitige Unterstellungen oder gar den Vorwurf mangelnder „Rechtgläubigkeit“ zu verzichten. „Wir hoffen auf einen ehrlichen und offenen Dialog, der von gegenseitigem Vertrauen und Respekt sowie der Bereitschaft zu einem gegenseitigen Verstehen geprägt ist.“ Die Haltung, voneinander und miteinander zu lernen, weil Gottes Geist sich im je anderen zeigt, könne eine große Hilfe sein, um zu angemessenen Schritten der Erneuerung zu kommen.

Die Generalvikare setzen beim Synodalen Weg bewusst auf Offenheit und Vielfalt. „In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst und gleichzeitig von wachsender Vielfalt und Freiheit bestimmt ist, wünschen wir uns eine Kirche, in der Pluralität und Diversität gewünscht und erlaubt sind.“ Nur eine offene und Vielfalt zulassende Kirche habe eine Chance, in der Gesellschaft wirksam präsent bleiben zu können.

Auch die Bereitschaft zur eigenen Veränderung bringen die Generalvikare klar zum Ausdruck: „Als Priester und Generalvikare ist uns bewusst, dass auch wir Macht ausüben und uns selbst mit unserer Aufgabe, unsere Rolle und unser Handeln zu hinterfragen haben.“ Sie gehen davon aus, dass die Ergebnisse des Synodalen Weges auch ihre eigene Praxis wesentlich verändern wird. „Wir wollen das und sind offen für solche Veränderungen.“

Das Schreiben der Generalvikare im Wortlaut