Donnerstag, 14. November 2019

Helfen in der Tradition des Heiligen Martin

 

Den Martinstag hat das Caritas-Zentrum Landau zum Anlass genommen, Obdachlose in seine Räume einzuladen. Die Stadt Landau hat der Einrichtung mit der Begleitung und Betreuung von Menschen ohne Wohnung beauftragt

Landau. Das Landauer Caritas-Zentrum bietet jetzt den Passanten am Beginn der Fußgängerzone einen besonderen, stimmungsvollen Anblick ab der jetzt früh hereinbrechenden Dämmerung: Mit farbigen Papierbögen und aus Karton geschnittenen aufgeklebten Schattenrissen, die Mond, Sterne, Kerzenlichte und einige Male auch St. Martin mit Schwert hoch zu Ross abbilden, haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die knapp 30 Fenster in den oberen Etagen des Gebäudes mit farbigen Leuchtbildern gestaltet.

„Die Installation soll an eine große Laterne und damit an das Brauchtum um St. Martin und die Geschichte von der Mantelteilung erinnern“, erklärt Elisabeth Traunmüller, Leiterin des Caritas-Zentrums. Die Aktion solle die Menschen sozusagen im Vorübergehen an die Bedeutung der Mitmenschlichkeit und die Bereitschaft zum Teilen mit denen, die in Not und Bedrängnis sind, erinnern. Eine urchristliche Tugend, auf der schließlich auch die auf dem Fundament des Glaubens fußende Arbeit der Caritas aufbaue - „Caritas bedeutet ja tätige Nächstenliebe“. Und mit der Erinnerung an diese Tugend sei natürlich die Hoffnung verknüpft, die Bereitschaft der Mitmenschen zum Teilen ein wenig zu fördern beziehungsweise sie vielleicht auch neu oder wieder zu wecken.

Ein Beispiel des Teilens hat das Caritas-Zentrum Landau am Martinstag auch selbst gegeben: So lud die Einrichtung Menschen in Not zur warmen Suppe in seine Räume ein. Dabei wurden auch Schlafsäcke an Obdachlose ausgegeben, berichtet Julia Weber-Tritscher, die im Caritas-Zentrum Ansprechpartnerin für die Allgemeine Sozialberatung ist. Diese Schlafsäcke schützen bis minus 24 Grad Außentemperatur. Sie wurden mit Spendengeldern über einen Partner in der Landauer Geschäftswelt zu günstigen Preisen bezogen. Etliche wurden bereits im vergangenen Winter an Bedürftige vergeben. „Wer einen braucht, kann ihn jederzeit in der Beratung bekommen“, fügt Julia Weber-Tritscher an. Auch wenn es in der Stadt Unterkünfte für Obdachlose gebe, könnten verschiedene Umstände dazu führen, dass Menschen dennoch im Freien übernachteten, etwa weil sie in ihrer persönlichen, auch psychischen, Notsituation die Gegebenheiten in der Unterkunft davon abhielten, sie zu nutzen. „Gern schläft keiner bei Minustemperaturen draußen“, sagt Weber-Trittscher, „da sind die Schlafsäcke schon eine große Hilfe“.

Hilfe für Obdach- und Wohnungslose ist eines der angestammten Angebote des Caritas-Zentrums. Wichtig dafür sei, dass die Betroffenen um die Möglichkeiten wüssten und den Zugang fänden, so Weber-Trittscher weiter. Auch von daher seien Aktionen wie die Einladung zur Suppe am Martinstag wichtig.

Die Stadt Landau, so informiert Leiterin ElisabethTraunmüller überdies, hat im Oktober dem Caritas-Zentrum Landau einen Auftrag zur Hilfe für Menschen ohne Bleibe erteilt. Die Einrichtung, die mit den Verhältnissen vertraut ist, wird die Betreuung und Begleitung der in der Obdachlosenunterkunft am Prießnitzweg Untergebrachten übernehmen, um mit ihnen Wege aus ihrer Lage heraus zu finden. „Wir haben dafür eine Stelle ausgeschrieben, es gibt auch Bewerbungen, bald wird also die Arbeit losgehen können“, kündigt Leiterin Traunmüller an.

Text/Foto: Henning Wiechers