Freitag, 15. November 2019

Das Verständnis der eigenen Rolle in Bewegung bringen

Die Heilsbach in Schönau in der Westpfalz 

Pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trafen sich zu Pastoraltag in der Heilsbach in Schönau

Schönau. Der diesjährige Pastoraltag des Bistums Speyer in der Bildungs- und Freizeitstätte Heilsbach in Schönau, zu dem einmal im Jahr das gesamte pastorale Personal der Diözese Speyer zusammenkommt, nahm dieses Jahr Rollenbilder und sich verändernde Rollen der kirchlichen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Blick. Dabei stellten die Referenten Jesuitenpater Eckard Frick, Psychiater und Psychoanalytiker aus München, sowie sein Mitbruder Pater Bernhard Heindl SJ, Priesterseelsorger im Erzbistum Hamburg und Psychodramatiker, zunächst das Kulturebenen-Modell des US-amerikanischen Organisationspsychologen Edgar Schein vor, das als Modell zur Beschreibung der Organisationskultur verwendet wird. Wie eine Seerose schwimmen dabei im Bild obenauf die "Artefakte" einer Organisation wie sichtbare Verhaltensweisen und "Produkte", Gebäude und Rituale. Unterhalb der Wasseroberfläche, worauf die Seerose schwimmt, liegen die Werte und Überzeugungen einer Organisation, eines Unternehmens, die schließlich in einer dritten Ebene wurzeln: im Humusboden. Das sind die unbewussten Vorannahmen wie beispielsweise "Die Freude am Herrn ist unsere Stärke" (vgl. Neh 8,10). Nach Schein lässt sich die Kultur eines Unternehmens nicht direkt ansteuern und verändern, sondern immer nur "über Bande" wie im Billiard, indem man Strukturen beispielsweise verändert, Budgets oder Gebäude – und damit auch die Kultur. 

In psychodramatischen Rollenspielen nach Jakob L. Moreno modellierten die Teilnehmenden schließlich in Fünfergruppen fest erstarrte Rollen und stellten sie als Skulpturen dar, als Denkmäler – und wie sich diese Denkmäler dann aus ihren fest erstarrten Rollen lösen und zu einer neuen Skulptur formieren können. Danach gaben die Skulpteurinnen und Skulpteure ihren Denkmälern eigene Titel wie "Unten – oben" oder "Der Junge muss an die frische Luft". Die anschließende "Ausstellung" einiger Artefakte in diesem "Diözesanmuseum" der besonderen Art sollte dann den einen oder anderen Impuls für die "Besucher" geben, das eigene Verständnis von Rolle und das Verständnis der eigenen Rolle in Bewegung zu bringen. Schließlich ermutigten die beiden Jesuitenpatres dazu, die Unbestimmtheit der eigenen Rolle als Freiheit zu deuten – und die Freiheit der eigenen Rolle entsprechend auszuschöpfen und zu nutzen.

 

Text: Uwe Burkert