Montag, 18. Januar 2016

„Religionsfreiheit ist ein universales Menschrecht“

Astrid Waller (Katholikenrat), Synodalpräsident Hermann Lorenz, Argirios Giannios (Orthodoxe Kirchen), Pastorin Birgit Foth (Mennoniten), Pastor Jochen Wagner (ACK), Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Kirchenpräsident Christian Schad, Dekan Markus Jäckle, Dompfarrer Matthias Bender und Presbyterin Angela Magin (v.li.) gestalteten den Gottesdienst. 

Einheit der Christen: In ökumenischem Gottesdienst für Frieden und Gerechtigkeit gebetet

Speyer. Mit Gebeten für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit haben die Evangelische Kirche der Pfalz und das Bistum Speyer sowie die weiteren in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) – Region Südwest zusammengeschlossenen Kirchen in Speyer die Woche für die Einheit der Christen eröffnet. In einem ökumenischen Gottesdienst in der Gedächtniskirche forderten Kirchenpräsident Christian Schad und Bischof Karl-Heinz Wiesemann die Konfessionen auf, einander mit offenen Herzen und Armen zu begegnen. „Wir gewinnen geistlich hinzu, wenn wir die Gaben, die für uns jeweils typisch sind, nicht für uns behalten, sondern sie miteinander teilen“, sagte Kirchenpräsident Schad. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen steht in diesem Jahr unter dem Thema „Berufen, die großen Taten des Herrn zu verkünden“ (1. Petrus 2, 9).

Bischof Karl-Heinz Wiesemann forderte die Christen aller Konfessionen auf, das Wort Gottes zu leben und in die Herzen der Menschen zu pflanzen. Die Verkündigung sei nicht nur eine Aufgabe der Priester oder Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern aller Getauften und geschehe nicht nur durch das Wort, sondern sei „eine Sache des Herzens und der Hände“. Dies zeige in besonderem Maße der Einsatz für die Würde des Menschen, wie er im ökumenischen Engagement in der Arbeit für Flüchtlinge und im Protest gegen dumpfe Parolen zum Ausdruck komme. Sich den Schutz und Hilfe Suchenden zuzuwenden, sei wahre Zeugenschaft und gelebte Toleranz. Im Blick auf die Ökumene sei gerade das Gebet „keine fromme Zutat“. Die Ökumene lebe vielmehr von der Kraft des Wortes Gottes und vom Gebet, sagte Wiesemann.

Mitgestaltet wurde der Gottesdienst von Argirios Giannios als Vertreter der orthodoxen Kirchen, Pastor Jochen Wagner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) – Region Südwest, Pastorin Birgit Foth von der Mennonitengemeinde Ludwigshafen, Astrid Waller als Vertreterin des Katholikenrates, Synodalpräsident Hermann Lorenz, Dekan Markus Jäckle, Dompfarrer Matthias Bender und Presbyterin Angela Magin. Sie wandten sich in ihren Fürbitten gegen eine Spaltung der Gesellschaft durch den Missbrauch von Macht und Geld und beteten für Versöhnung über alle Grenzen von Kulturen und Sprachen, Nationen und Religionen hinweg.

Christen seien die weltweit am stärksten verfolgte religiöse Gruppe, führte Kirchenpräsident Christian Schad aus. „Wir stehen als Kirchen zur positiven Religionsfreiheit. Deshalb bejahen wir auch die freie Religionsausübung von Muslimen in unserem Land. Auch machen wir diese Haltung nicht davon abhängig, ob islamisch dominierte Länder den dort lebenden Christen ihrerseits Religionsfreiheit gewähren“, sagte Schad. Religionsfreiheit sei jedoch ein universales Menschrecht. „Wir finden uns nicht damit ab, dass es insbesondere Christen sind, die unter Einschränkungen und Verletzung dieses Menschenrechts zu leiden haben“, betonte der Kirchenpräsident.

Der Kammerchor der Diözese Speyer unter der Leitung von Diözesankirchenmusikdirektor Markus Eichenlaub, das Pfälzische Blechbläserensemble unter der Leitung von Landesposaunenwart Christian Syperek sowie Landeskirchenmusikdirektor Jochen Steuerwald an der Orgel gestalteten den Gottesdienst in der Speyerer Gedächtniskirche musikalisch. Die Texte und die Liturgie zum Thema der Gebetswoche für die Einheit der Christen wurden in diesem Jahr von Christinnen und Christen aus Lettland erstellt. Seit 2009 findet ein zentraler ökumenischer Gottesdienst in Speyer statt, bei dem abwechselnd die Landeskirche und das Bistum Gastgeber sind. Daran beteiligt ist außerdem die ACK in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Text: lk/is/Foto: Landry