Donnerstag, 21. Januar 2016

Nächstes Bauprojekt am Dom gestartet

Nordwestturm des Speyerer Domes 

Nordwestturm der Kathedrale wird saniert

Speyer. Das nächste große Bauprojekt am Speyerer Dom wurde begonnen. Vor drei Jahren war sein „Zwilling“ im Süden dran, jetzt werden am Nordwestturm Gerüste aufgebaut. Obwohl der Turm im Vergleich zu anderen Teilen des Doms mit seinen 160 Jahren ein Jungspund ist, steht nun eine komplette Innen- und Außensanierung an. 10 bis 15 Arbeiter werden in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten durchgängig verschiedene Maßnahmen an dem 65 Meter hohen Flankenturm durchführen. Sofern alles nach Plan verläuft, werden die Gerüste dann vor dem nächsten Weihnachtsfest wieder abgebaut sein. Rund ein Jahr wird die Überprüfung, Sanierung und Reinigung der Innen- und Außenflächen dauern.

„Die Turmwände bestehen aus einem dreischaligen Mauerwerk, was bedeutet, dass sich zwischen den äußeren und inneren Sandsteinflächen eine Füllschicht befindet. Da fortwährend Wasser außen ein- und mit einiger zeitlicher Verzögerung innen wieder austritt, verliert der Turm fortlaufend an Masse“, erklärt Dombaumeister Mario Colletto. „Diese wird jetzt in Form von hydraulischem Kalkmörtel nachverfüllt.“ Um künftig das Ausmaß an Schäden zu reduzieren, werden kontrollierte Wasserführungsebenen hergestellt. Dies geschieht unter anderem über eine Nachverfugung der Wandflächen.

Die Stützen in den Biforien und Triforien wurden bei der Erbauung des Turms im 19. Jahrhundert mit Eisen verklammert. Mit Ultraschall werden diese auf Korrosion untersucht. Ist eine starke Schädigung zu erkennen, werden sie durch Edelstahlanker ersetzt. Die Fensterbänke werden überarbeitet und gegebenenfalls mit Sandsteinvierungen ergänzt. Die Fugen in den Fensterbrüstungen werden ausgebleit. Diese historische Bautechnik wird wie früher vollkommen in Handarbeit ausgeführt. Die Arbeiten werden von Firmen durchgeführt, die auf historische Gebäude spezialisiert sind.

Zu den substanzerhaltenden Maßnahmen gehören weiter: eine Kontrolle des Turmhelms und eine Erneuerung des Taubenschutzes. Im Turminnern wird die Elektrik erneuert. Die Holztreppe wird überprüft und soweit überarbeitet, dass sie den aktuellen Sicherheitsbestimmungen genügt. Diese dient allerdings ausschließlich Revisionszwecken, betont Dombaumeister Colletto. Die Treppe im gegenüberliegenden Südwestturm, die für den Besucherbetrieb eingerichtet wurde, musste weitaus höheren Sicherheitsanforderungen genügen. Während die Sanierung des Südwestturms zur Hälfte mit Mitteln des Bundes aus dem Konjunkturpaket II für UNESCO-Welterbestätten finanziert wurde, wird die aktuelle Baumaßnahme wie folgt geschultert: 40 Prozent steuert das Land Rheinland-Pfalz bei, der Rest wird aus Mitteln des Domkapitels finanziert. Unterstützung bekommt das Domkapitel vom Dombauverein, der den Domerhalt jährlich mit 100.000 bis 200.000 Euro unterstützt. Für die Sanierung des Nordwestturms sind 900.000 Euro veranschlagt.