Montag, 27. Januar 2020

Katholische Jugendverbände fordern Veränderungen

Der BDKJ-Diözesanvorstand (v.l.n.r.): René Martin (Geschäftsführung), Lena Schmidt, Thomas Heitz. 

Stellungnahme des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Speyer zum Synodalen Weg

Speyer. Im Vorfeld der ersten Synodalversammlung des Dialogprozesses „Synodaler Weg“, die vom 30.1. bis 1.2.2020 in Frankfurt/Main tagen wird, hat der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Speyer sich klar für Veränderungen in der katholischen Kirche positioniert.

Mehr Gleichberechtigung
Der Jugenddachverband fordert eine deutliche Veränderung der Zugangsvoraussetzungen für das Priesteramt. Thomas Heitz, BDKJ-Diözesanvorsitzender, erhofft sich vom Synodalen Weg konkrete Vorschläge für mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche: „Seit 1918 gibt es ein Wahlrecht für Frauen  in Deutschland. Seit 1949 gibt es eine formale Gleichstellung von Männern und Frauen im Grundrecht und erst seit 1977 dürfen Frauen ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten. Noch immer haben wir in Deutschland in vielen Bereichen keine Gleichberechtigung von Frau und Mann erreicht. Wir als katholische Kirche unterstützen diese Ungleichheit in unseren eigenen Strukturen. Es wird Zeit, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen um Mädchen und Frauen in der Kirche gleichzustellen und weltweit für die Gleichberechtigung eintreten.“

Sexualmoral der katholischen Kirche
Nicht nur im Hinblick auf die Stellung der Frau in der Kirche sieht der BDKJ Speyer Handlungsbedarf. Auch die Sexualmoral der katholischen Kirche müsse neu ausgerichtet werden und den aktuellen humanwissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung tragen. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum mit dem heutigen Wissenstand die Liebe von homosexuellen Paaren in der Kirche nicht genauso wertgeschätzt wird, wie die heterosexueller Paare“, sagt Lena Schmidt, BDKJ-Diözesanvorsitzende, und fordert deshalb konkret die Möglichkeit einer Segnung für gleichgeschlechtliche Paare in der katholischen Kirche.

Macht und Gewaltenteilung
Der BDKJ Speyer verbindet mit dem Synodalen Weg auch Forderungen nach mehr Partizipation und Leitung im Team und eine Überarbeitung der Priesterausbildung. Andreas Rubel ist Diözesanpräses des BDKJ im Bistum Speyer. Er erklärt: „Für mich ist es eine riesige Bereicherung, im Team Leitung wahr zu nehmen. Manche Entscheidungsfindung dauert länger. Aber lieber diskutiere ich vor der Entscheidung auch zeitlich intensiver, als die Folgekosten nach einsamen Entscheidungen zu tragen und die Scherben zusammen kehren zu müssen. Deshalb wünsche ich es der Kirche insgesamt, synodal in die Zukunft zu gehen, und den Leitungen der Kirche wünsche ich, im Team die Macht zu teilen und Verantwortung gemeinsam zu tragen. Und ich stelle mir vor, wie der Heilige Geist in Synoden und Teams sein Wirken für eine lebendige Kirche entfaltet“.

Priesterausbildung und Zölibat
Rubel ist selbst Priester und äußert sich kritisch im Hinblick auf die aktuellen Rahmenbedingungen der Priesterausbildung: „Vom Priester wird soziale Kompetenz und Teamfähigkeit erwartet. Unsere Gesellschaft ist vielfältig: Sie besteht aus Menschen verschiedenen Geschlechts und vielfältiger Spiritualität. Im Priesterseminar ist die Wohn- und manche Ausbildungssituation aber anders. Im engsten sozialen Kontext während der Ausbildung sind die angehenden Priester unter sich, in einer Männergesellschaft. Das kann Nährboden sein für eine exklusive Gruppenbildung. Die Ausbildung der Priester soll die gesellschaftliche Vielfalt abbilden.“ Auch an die Lebensform eines verpflichtenden Zölibats für Männer im Priesteramt hat Rubel im Hinblick auf die Ausbildung Anfragen: „Die Vorstellung, dass es künftig Priester oder Priesterinnen ohne verpflichtenden Zölibat gibt, die zusammen arbeiten, wäre schon vom ersten Tag der Ausbildung eine großartige Bereicherung.“

Text/Foto: BDKJ