Montag, 27. Januar 2020

„Voneinander lernen – aneinander im Glauben wachsen“

 

Ökumenischer Studientag zur Spiritualität und zum Kirchenverständnis der Orthodoxie

Ludwigshafen. „Die östlichen Kirchen und die Kirchen des Westens können viel voneinander lernen und haben auch schon viel voneinander gelernt.“ Davon zeigte sich der griechisch-orthodoxe Theologe Dr. Georgios Basioudis bei einem ökumenischen Studientag überzeugt, zu dem die Referate für Ökumene sowie für pfarrliche und pfarrliche Räte im Bistum Speyer eingeladen hatten. Fast 50 Interessierte aus verschiedenen Kirchen nutzen die Möglichkeit, einen Tag lang Einblicke in die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen zu erhalten.

„Für die Orthodoxie ist die Freude die wichtigste Quelle des liturgischen Lebens und des Handelns der Kirche in der Welt“, so Basioudis. Es gelte, „den Sinn der großen Freude wiederzuentdecken, die durch die Auferstehung Jesu in die Welt gekommen ist“. Für Basioudis, Gemeindepfarrer in Mannheim und Vertreter seiner Kirche in mehreren ökumenischen Gremien, geht es in der orthodoxen Liturgie vor allem darum, Menschen einen „Zugang zum Reich Gottes“ zu schenken, das als „tiefere Schicht der Wirklichkeit schon da ist“. Für das orthodoxe Liturgieverständnis sei der Begriff „Heute“ zentral. Er mache deutlich, dass in den liturgischen Feiern „Tatsachen der Vergangenheit in Geschehnisse von ewiger Tragweite überführt“ werden. Durch sie „taucht die Kirche von Neuem in das Geschehen selbst ein“ und erhält so „Zugänge zur großen Freude des Herrn“.

Ausdrücklich begrüßte Basioudis, dass die katholische Kirche in Deutschland einen Synodalen Weg initiiert hat. Dabei sollten auch Impulse aus der Orthodoxie bedacht und integriert werden, etwa die synodale Grundstruktur seiner Kirche. Ebenso die orthodoxe Lehre von der Heilsökonomie, die davon ausgehe, dass Ehen scheitern können, so dass in den östlichen Kirchen auch eine zweite oder sogar dritte kirchliche Eheschließung möglich sei. Aber auch seine eigene Kirche stehe vor der Herausforderung, ihre Strukturen, „die aus einer ganz anderen Zeit stammen“, so weiterzuentwickeln, „dass die Kirche auch im 21. Jahrhundert glaubwürdig sein kann“. Eine zentrale Herausforderung für die orthodoxe Kirche sieht Basioudis darin, „alle Gläubigen zu ermutigen, aktiver am Leben der Kirche teilzunehmen und ihre Charismen einzubringen“.

Ökumenereferent Dr. Thomas Stubenrauch machte auf die Vielfalt östlicher Kirchen aufmerksam, von denen viele apostolischen Ursprungs sind: „Diese Vielzahl zeigt: Kirche hat es von Beginn an zugleich in der Einzahl und in der Mehrzahl gegeben; als eine Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger Jesu, die ihren Glauben in Jerusalem, Konstantinopel und Rom je anders gelebt, verkündet und gefeiert haben“. Zu Kirchenspaltungen sei es gekommen, als man sich „in der Auseinandersetzung um theologische und nichttheologische Fragen auseinandergelebt und gegenseitig das Kirche-Sein abgesprochen hat“. Manche Differenzen, die zu Kirchentrennungen geführt haben, habe man inzwischen im ökumenischen Dialog beilegen können. Auf dieser Grundlage seien in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Vereinbarungen zwischen der katholischen Kirche und einzelnen Ostkirchen über eine wechselseitige Zulassung zu den Sakramenten getroffen worden. Für Stubenrauch ein Beweis dafür, „dass der Zusammenhang von Kirchen- und Eucharistiegemeinschaft nicht so absolut gedacht werden muss, wie manche, sogar Kardinäle, behaupten“.

Der Studientag fand in Räumen der griechisch-katholischen Kirchengemeinde Ludwigshafen statt. Damit war es möglich, die Welt der Orthodoxie aus erster Hand zu erleben – mit einer Führung durch die vormals katholische Marienkirche, die seit ihrer Übergabe im Jahr 2007 mit prachtvollen Ikonenmalereien ausgestattet worden ist. Dazu feierten die Teilnehmenden ein ostkirchliches Mittagsgebet und als Abschluss eine Artoklasia, bei der fünf Brote gesegnet und als Zeichen der Stärkung und der Gemeinschaft an alle ausgeteilt wurden. In seinem Dank bezog Marius Wingerter, Referent für pfarrliche und überpfarrliche Räte im Bistum Speyer, das diesjährige Motto der Gebetswoche für die Einheit der Christen auf die griechisch-orthodoxe Gemeinde Ludwigshafen: „Ihr habt uns heute eine außergewöhnliche Gastfreundschaft erwiesen“.

Text/Bild: Bistum Speyer