Freitag, 14. Februar 2020

„Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht.“

Maria von Welser 

Dr. h.c. Maria von Welser am 9. März zu Gast im HPH - Interview mit der „Mona Lisa“-Gründerin über ihr Leben mit dem Tumor

Ludwigshafen. Die Diagnose trifft Maria von Welser mitten in ihrem so geordneten, aktiven Leben: ein Gehirntumor. Doch Aufgeben ist für Maria von Welser keine Alternative. Sie beschließt, dass es ihr „nur noch gut geht“. Die Publizistin und TV-Journalistin  ist entschlossen, den Kampf nicht aufzugeben: weder gegen den Feind in ihrem Kopf noch den gegen Egoismus und Unmenschlichkeit in unserer Gesellschaft. So hält die „Mona Lisa“-Gründerin wieder bundesweit Vorträge zu Ihren Themen: Frauen, Krieg, Gewalt, Flüchtlinge.

Am Montag, 9. März, ist die Publizistin und TV-Journalistin Im Heinrich Pesch Haus zu Gast. Ihr Vortrag  zum Thema „Leben mit dem Tumor“ beginnt um 18 Uhr. Der Vortrag ist eine Kooperationsveranstaltung des Heinrich Pesch Hauses mit den Gleichstellungsstellen der Stadt Ludwigshafen am Rhein und des Rhein-Pfalz-Kreises, der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Ludwigshafen, und der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz.

Wir erbitten Ihre Anmeldung aus organisatorischen Gründen unter: Tel. 0621 5999-162, E-Mail: anmeldung@hph.kirche.org oder online. Der Eintritt ist frei.

Im Vorfeld haben wir mit Maria von Welser über ihren Vortrag im HPH gesprochen.

Frau Dr. von Welser, Ihr neues Buch heißt „Ich habe beschlossen, dass es mir nur noch gut geht“. – Ein sehr optimistischer Titel. Gelingt es Ihnen, diesen immer in die Tat umzusetzen?

Von Welser: (lacht) Nein, das kann man sich noch so viel vornehmen, dass geht nicht. Aber unter dem Strich ist das Glas immer halb voll - was anderes hat ja auch keinen Sinn.

Sehen Sie sich als Mutmacherin?

Von Welser: Das war die Intention, dieses Buch überhaupt zu schreiben, um anderen Menschen Mut zu machen. Sonst hätte ich nicht so gerne über mich selbst geschrieben.

Das ist meine nächste Frage: Als Journalistin schreibt man ja eigentlich über andere, nicht über sich selbst …

Von Welser: Immer lieber über andere, genau. Ich frage immer lieber andere Leute aus.

Wie war es für Sie, über sich selbst zu schreiben? Es geht ja um sehr persönliche Angelegenheiten.

Von Welser: Das Buch ist mir eigentlich ganz gut aus der Feder geflossen, ich habe mich nicht anstrengen müssen. Ich habe aber auch zwischendurch ganz bewusst immer wieder den Stopp von drinnen nach draußen gemacht, habe geschaut, was in dieser Zeit draußen lost ist, als ich dieses Buch geschrieben habe: die Situation der Geflüchteten, der Brexit und was sonst alles so los war. Diese politische Beschreibung der Situation war mir ein Anliegen.

Sie beschreiben in Ihrem Buch die belastenden Zeiten des Wartens auf Diagnosen, die Zeiten der Ungewissheit. Wie sind Sie damit umgegangen?

Von Welser: Ich bin ein Weltmeister im Verdrängen. Ich schieb es einfach weg.

Und das klappt?

Von Welser: Das klappt, das kann ich wohl ganz gut. Mein Kopf sagt mir, ich kann es eh nicht ändern.

Wie gehen Sie mit der Angst um, dass der Tumor wächst oder wiederkommt?

Von Welser: Er ist wiedergekommen. Ich weiß seit Oktober, dass ich einen neuen, dritten Tumor habe, der wächst. Die anderen beiden sind durch Bestrahlungen gestoppt worden. Ich habe letztes Jahr 32 Bestrahlungen bekommen, damit endet ja das Buch. Und dann haben wir im Oktober festgestellt, dass es einen dritten neuen Tumor gibt. Ja, so ist es. Jetzt schauen wir mal im März, wie es sich entwickelt. Vielleicht stoppt er ja, vielleicht will er ja auch gar nicht wachsen, ich weiß es nicht.

Sie versuchen, das Beste aus der Situation zu machen?

Von Welser: Ja, ich mache meine Arbeit, es hilft ja nichts. Ich bin am Sonntag wieder in Paderborn und halt eine Woche lang Vorlesungen für meine Studenten, über Frauen, Krieg, Gewalt. Dieses Mal über die Opferseite. Im ersten Teil des Semesters waren es die Täterinnen, die Frauen, die Krieg führen. Es geht um die mediale Darstellung des Themas. Dann gehe ich ein paar Tage Skifahren mit meinem großen Sohn, denn beim Skifahren ist es mir nicht schwindelig, was keiner erklären kann. Denn ich haben immer noch einen permanenten Gangschwindel. Es scheint durch die Fußsohlen im Gehirn anzukommen. Ich habe wohl eine sehr gerade Wirbelsäule, die das nicht stoppt.

Denken Sie über eine Fortsetzung Ihres Buchs nach?

Von Welser: Nein, im Moment nicht. Ich denke über andere Themen nach. Ich denke über Frauen nach, die Krieg führen, über Frauen, die Opfer sind, über die Situation der geflüchteten Frauen. Das sind so die Themen, die mich bewegen.

Worauf können sich die Teilnehmenden bei Ihrem Vortrag am 9. März freuen?

Von Welser: Ich werde erzählen, was passiert ist, werde ein bisschen aus dem Buch vorlesen. Und dann werde ich gerne mit den Gästen und Gästinnen diskutieren.

Interview: Anette Konrad / Foto: HPH