Dienstag, 23. Februar 2016

Strategien gegen Stammtischparolen

Inhaltliche Auseinandersetzung mit Stammtischparolen, die Referenten Hans-Jürgen Ladinek (stehend) und Andrea Barie (dritte von links) im Gespräch mit Teilnehmern des Argumentationstrainings und Mitarbeitern des Caritas-Zentrums Speyer 

Ehrenamtliche Mitarbeiter aus der Flüchtlingsarbeit im Dekanat Speyer nahmen an einem Argumentationstraining gegen Vorurteile und Rassismus teil

Speyer. Minderheiten sind in unserer Gesellschaft immer wieder Vorurteilen ausgesetzt. Stammtischparolen begegnen uns im Alltag häufig – am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, im Bekannten-  und auch im Freundeskreis. Auch ehrenamtlich Aktive, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, erleben zunehmend rassistische, fremdenfeindliche Äußerungen. Wie soll man damit umgehen, was soll man entgegnen – diese Fragen beschäftigten die 17 Teilnehmer aus dem Dekanat Speyer, die am Samstag, 20. Februar, am Argumentationstraining gegen Vorurteile und Rassismus des Caritas-Zentrums Speyer teilnahmen.

Das Caritas-Zentrum hatte aufgrund des verstärkten Interesses aus den Reihen der ehrenamtlichen Mitarbeiter das Argumentationstraining im Pfarrzentrum St. Michael in Dannstadt angeboten und als Referenten Hans-Jürgen Ladinek und Andrea Barie, beide Argumentationstrainer, eingeladen. Ladinek arbeitet seit 15 Jahren nach der Methode des Wissenschaftlers Klaus-Peter Hufer. Der Professor für Geistes- und Sozialwissenschaften  hatte das Argumentationstraining gegen Stammtischparolen im Jahr 2000 entwickelt und veröffentlicht. Inzwischen ist Ladinek im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung als Koordinator des Argumentationstrainings in Rheinland-Pfalz tätig. Drei Teams mit jeweils sechs Trainer sind als Referenten auf Einladung von Veranstaltern wie Schulen, Volkshochschulen oder Gewerkschaften tätig, berichtet Hans-Jürgen Ladinek.

Gemeinsam mit Co-Trainerin Andrea Barie führte er am Samstag die Mitarbeiter ins Thema ein. Zunächst sammelten die Teilnehmer Stammtischparolen, die es zu vielen Bereichen unserer Gesellschaft gibt, ob Religionszugehörigkeit oder Geschlecht. Insbesondere fremdenfeindliche, rassistische und rechtspopulistische Parolen machen den Teilnehmern in ihrem Alltag zu schaffen. Im nächsten Schritt führten die Referenten in das Argumentationstraining ein, zu dem auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Äußerungen zählte: „Es geht darum die Hintergründe der Parolen zu erfragen und zu erkennen“, sagte Ladinek.  Darauf aufbauend lernten die Teilnehmer, Strategien dagegen zu entwickeln, die in Rollenspielen erprobt und umgesetzt wurden. „Das Argumentationstraining ist als Denk-Werkstatt konzipiert“, betont Ladinek. „Es kann als „Labor“ genutzt werden, in dem Argumente und Gegenstrategien entworfen werden“, schilderte Ladinek und hob den aktiven Part der Teilnehmer hervor:  „Wir produzieren keine Siegertypen, wir sagen den Teilnehmern nicht, wo es lang geht, sondern geben ihnen Tipps, die sie sicherer machen – ich denke, das ist uns in Ansätzen gelungen, wie die Rückmeldungen gezeigt haben.“  

Für die Teilnehmer war es ein anstrengender Tag mit einer Fülle an Erfahrungen: So erlebte Sonja Rung-Laux, die eine Flüchtlingsfamilie ehrenamtlich betreut, den Tag als „befreiend“ -  – vor allem auch, weil sie, die sich sonst als Einzelkämpferin erlebte, Ehrenamtliche traf, mit denen sie gemeinsame Erfahrungen verband. Die Eindrücke und Informationen des Trainings seien allerdings so vielfältig gewesen, „dass sich das Ganze erst einmal setzen muss.“ Auch Maria Held-Gerold, die in ihrer Gemeinde in der Flüchtlingsarbeit tätig ist, hat von dem Tag „eine Hilfestellung für schwierige Situation“  mitgenommen: „Ich habe gelernt, mich besser positionieren und Stammtischparolen entgegnen zu können.“  Positiv fiel auch das Fazit der Veranstalter aus. Leiter Pascal Thümling vom Caritas-Zentrum Speyer als Veranstalter wertete das Training als „wichtiges Signal“.

Text / Foto: Caritasverband