Mittwoch, 24. Februar 2016

Dringend nötig: Deutschkurse und Winterkleidung

Teilnahme am Deutschkurs 

In Queidersbach arbeiten Ortsgemeinde und die Katholische Kirchengemeinde in der Flüchtlingshilfe zusammen

Queidersbach. In Queidersbach üben die katholische Kirche und die Ortsgemeinde den Schulterschluss und engagieren sich gemeinsam in der Flüchtlingshilfe. Eine Kleiderkammer und Deutschkurse sollen Menschen beim Start in ein neues Leben unterstützen.

In der Kleiderkammer herrscht Hochbetrieb - und das jeden zweiten Donnerstagnachmittag, wenn für zwei Stunden geöffnet ist.  Auf den Kleiderstangen  reihen sich Mäntel, Jacken, Hosen, Hemden und Pullover für Frauen, Männer und Kinder dicht an dicht aneinander. In Kisten finden sich Mützen, Schals, Socken und Strampler für die Kleinsten. Daneben stehen Schuhe und Stiefel Spalier. An einer Wand stapeln sich bereits Kartons mit Sommersachen. Das Angebot ist umfassend und wird auch dringend von Familien aus Syrien und Afghanistan, aus Armenien und dem Iran gebraucht.  „Die meisten Flüchtlinge treffen mit kleinem Gepäck ein. Manche haben nur das, was sie am Leib tragen“, erklärt Pastoralreferentin Ute Garth aus  der Projektpfarrei Heiliger Franz von Assisi in Queidersbach. „Entsprechend groß ist der Andrang, wir zählen meistens 30 bis 40 Kunden. Zurzeit ist besonders warme Winterkleidung gefragt, aber auch Bettwäsche, Kinderwagen, Spielsachen und Geschirr.“ Dass der Nachschub nicht ausgeht, ist der ungebrochenen Spendenbereitschaft der Bevölkerung und dem Engagement der ehrenamtlichen Helfer zu verdanken. Die haben alle Hände voll zu tun. „Wir sichten die Spenden und sortieren sie, helfen den Kunden, wenn sie etwas Spezielles suchen“, sagt Ute Petry und ist dankbar, dass sie an diesem Tag spontane Unterstützung von zwei syrischen Flüchtlingsfrauen bekommt, die sich freuen, etwas tun zu können und sich für die Hilfe revanchieren wollen.

Das hat die katholische Kirchengemeinde in Kooperation mit der Ortsgemeinde ins Leben gerufen. „Nachdem die ersten Flüchtlinge eingetroffen waren, haben wir schnell gemerkt, dass der Unterstützungsbedarf groß ist“, sagt Impulsgeberin Ute Garth.  Und der Queidersbacher Ortsbürgermeister Ralf Simbgen ergänzt: „Am dringlichsten erschien es uns, sie mit Kleidung zu versorgen und Deutschkurse anzubieten. Denn je eher sie die Sprache beherrschen, desto besser gelingt die Integration.“

Das Vorhaben stieß auf große Resonanz: 16 Ehrenamtliche erklärten sich sofort zur Mithilfe bereit und sind seither im Einsatz. Im Sommer 2015 wurden zwei Kleiderfundgruben eröffnet, eine in der Realschule plus in Queidersbach und eine weitere im Hort von Neumühle. Schon zuvor starteten die ersten Deutschkurse, deren Angebot sich stetig erweitert. „Mittlerweile bieten wir mit vier Nachbargemeinden insgesamt neun Deutschkurse an“, gibt die Pastoralreferentin einen Überblick.

Organisiert und durchgeführt werden die Kurse ausschließlich von Ehrenamtlichen. Im Queidersbacher Pfarrheim schlüpfen drei Schülerinnen jede Woche für ein paar Stunden in die Rolle der Lehrerin. „Für einen allein wäre das Unterrichten schwierig. Denn das Sprachniveau der Flüchtlinge ist sehr unterschiedlich“, erklärt Johanna Stark. Zudem könnten einige der Teilnehmer nicht lesen und schreiben. „Deshalb teilen wir uns auf und kümmern uns um die einzelnen Gruppen“, betont die Mitarbeiterin.

Die Kommunikation ist nicht immer einfach. „Aber meist findet sich jemand, der übersetzt“, weiß die 17Jährige. So wie Said aus Afghanistan. Er ist einer von den rund 80 Flüchtlingen im Ort. Seit einem Jahr lebt er hier und spricht schon recht gut Deutsch, weil er möglichst keine Unterrichtsstunde versäumt. Das tun nicht alle. „Mal kommen 20, mal nur fünf.“ Doch Said will die Chance nutzen. Auch wenn er immer noch nicht weiß, ob er bleiben kann.

Text: Caritasverband / Foto: Friederike Jung