Dienstag, 01. März 2016

Beziehung leben heute - Dialog zur kirchlichen Ehe- und Familienpastoral

Christine Lormes, Gisela Rink, Domkapitular Franz Vogelgesang, Barbara Aßmann, Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Rita Höfer (v.l.n.r.) 

Fachtagung befasst sich mit Konsequenzen aus den Weltbischofssynoden über Ehe und Familie

Kaiserslautern. Große Änderungen oder kleine Schritte – welche Ergebnisse haben die Weltbischofssynoden über Ehe und Familie in den Jahren 2014 und 2015 gebracht? Mit dem Reformwillen der katholischen Kirche beschäftigte sich die Fachtagung zum Thema "Beziehung leben heute - Dialog zur kirchlichen Ehe- und Familienpastoral" am 27. Februar im Bistumshaus Kaiserslautern.

„Bei beiden Familiensynoden wurden Türen aufgestoßen“, eröffnete Dr. Thomas Kiefer, Leiter der Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen im Bistum Speyer, die Veranstaltung. Wenn der Spalt auch noch klein sei, so habe sich eine Diskussionskultur offenbart, die zu neuen pastoralen Überlegungen im Zusammenhang mit der Gesellschaft führe. Dem schloss sich Prof. Dr. Holger Dörnemann, Leiter der Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Köln und seit 2012 Berater der Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, an. In seinem Vortrag „Weltbischofssynode zu Ehe und Familie – Synode ohne oder mit Ergebnis?“ verdeutlichte er die Entwicklung hin zu mehr Offenheit anhand der veränderten Begrifflichkeiten in den vergangenen Jahrzehnten. „Sexualität wird mittlerweile beim Namen genannt, vor- und nichteheliche Partnerschaft nicht mehr verurteilt, sondern mit wertschätzenden Worten bedacht.“ Wiederverheiratet Geschiedene im Einzelfall zur Kommunion zuzulassen, sei ebenfalls ein Schritt nach vorne. Annett Zelder von der Familien-, Ehe- und Lebensberatung der Caritas-Zentrale Germersheim gab Einblick in ihre tägliche Praxis. „Zu uns kommen ratsuchende Eltern, aber auch Paare, die Hilfe in der Krise suchen. Die meisten bringen eine große Bereitschaft mit, um ihre Ehe zu kämpfen. Entsprechend groß ist die Angst zu scheitern.“ Umso wichtiger sei es, die Menschen in ihrer jeweiligen Situation anzunehmen, sagte Dekan Michael Janson, Bad Dürkheim. „Außerdem bedarf es einer nicht abgehobenen Spiritualität, damit die Menschen mit der Kirche in Kontakt bleiben.“

Diesen Punkt griff Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in der anschließenden Talkrunde auf. „Die Synode hat gezeigt, dass ein Perspektivenwechsel in guten Ansätzen stattgefunden hat.“ So werde die Familie nicht mehr als Objekt, sondern als Subjekt gesehen. Bei Krisen liege der Fokus weniger auf dem Scheitern, und der seelsorgerischen Begleitung komme eine stärkere Bedeutung zu. Gisela Rink vom Familienbund der Katholiken betonte, dass die Kirche gerade von den vielfältigen familiären Erfahrungen lernen könne. „Niemals verurteilen, sondern die Pastoral mit dem Blick der Barmherzigkeit auf die Menschen lenken, auch auf gescheiterte lenken.“ Mit diesen Worten beschrieb Domkapitular Franz Vogelsang den möglichen Weg im Bistum. „Dazu neue Methoden und frische Ideen, um die Menschen zu erreichen.“ Die Kirche müsse sichtbarer und verständlicher werden und intensivere Austauschmöglichkeiten auf allen Ebenen bieten, waren sich Rita Höfer, zuständige Referentin im Bereich Ehe und Familie in der Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen, und die Jugendreferentin in der katholischen Jugendzentrale Germersheim, Christine Lormes, einig. Für ein achtsames Miteinander trat Barbara Aßmann ein. „Unsere Aufgabe ist es, die Nöte in der Gesellschaft wahrzunehmen“, so die Leiterin der Sparte Caritas-Zentren im Caritasverband des Bistums Speyer.  

Die Wünsche aus dem Plenum, den frischen Wind aus Rom so wehen zu lassen, dass er in die Gesellschaft hineinwirkt, versprach Bischof Wiesemann mit auf den Weg zu nehmen. „Es gibt keine neue Lehre, aber eine neue Standortbeschreibung und einen neuen Blick auf die unmittelbare Lebenssituation von Menschen.“ Beides umzusetzen, sei eine Herausforderung, der sich das Bistum stelle.

Text / Foto: Friederike Jung