Sonntag, 06. März 2016

"Die Wirklichkeit in Barmherzigkeit zusammenhalten"

Papst Franzikus 

Bischof Wiesemann feiert Gottesdienst zum Papstsonntag und würdigt Haltung des Papstes als Seelsorger

Speyer. Mit einem Pontifikalamt im Speyerer Dom erinnerte das Bistum Speyer an die Amtseinführung von Papst Franziskus im März 2013. Zugleich wurde der Gottesdienst zum Gedenken an die Einführung von Dr. Karl-Heinz Wiesemann in sein Amt als Bischof von Speyer am 2. März 2008 gefeiert.

In seiner Predigt ging Bischof Wiesemann auf das Gleichnis vom barmherzigen Vater ein und lenkte den Blick auf die Situation, in der Jesus, der selbst mitten unter den Menschen lebte, das Gleichnis erzählt. Einige Schriftgelehrte und Pharisäer empören sich und erwarten von ihm, dass er sich klar von den Sündern distanziert. In Gestalt der beiden Brüder zeigt Jesus nach den Worten des Bischofs zweierlei: die Begrenztheit eines Weges, der sich zu einer Freiheit ohne Grenzen legitimiert sieht, wie auch des anderen Weges, der andere öffentlich ausgrenzt und denunziert. „An dem Punkt, wo sein Leben in den Strudel und den Abgrund gezogen wird, erfährt der jüngere Sohn: Ohne Moral und Verantwortungsbewusstsein geht es nicht.“ Der ältere Sohn offenbare, indem er auf den anderen zeigt, eine „unerträgliche Kleinkariertheit“. Was sich wie eine große Blase der Empörung aufbaue, zerplatze mit einem Nadelstich und erweise sich als der einfache Wunsch, etwas Beachtung zu finden.

Der Vater im Gleichnis steht aus Sicht des Bischofs für eine Haltung, die nicht trennt und das „Tischtuch nicht zerschneidet“, sondern „die Wirklichkeit in Barmherzigkeit zusammenhält und im Herzen wieder zusammenführt, ohne dabei Gut und Böse zu verwischen.“ An dem Gleichnis zeige sich, dass Barmherzigkeit kein „billiger Begriff“ sei, sondern in der Achtung der Freiheit der Söhne und dem Verzicht auf Zwang teilweise auch erlitten werde. Der Vater verkörpere die Haltung des Seelsorgers, wie sie Papst Franziskus vorlebt. Er enttäusche die Erwartungen, alles zu legitimieren oder – umgekehrt gewendet – die Welt in Schwarz und Weiß einzuteilen und sich öffentlich zu empören. Stattdessen suche er in klarer Unterscheidung von Wahr und Falsch „Wege der Liebe, die uns verbindet, ohne das Tischtuch zu zerschneiden.“

Für die musikalische Gestaltung sorgte der Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori mit der Messe „St. Crucis“ und dem „Ave regina caelorum“ von Joseph G. Rheinberger und dem Werk von Franz Commer „Jerusalem, Freude ward dir verheißen“. Die Domorgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub.

Text: is, Foto: Vatikan