Mittwoch, 23. März 2016

Im Nachtcafé sind neue Teilnehmer willkommen

Musikalischer Abend mit den Rheintalmusikanten 

Das Caritas-Altenzentrum St. Martha und der Malteser Hilfsdienst bieten an jedem dritten Samstag im Monat eine Betreuung für Menschen mit Demenz an — Entlastung für Angehörige

Speyer. Pflegende Angehörige zu entlasten und pflegebedürftigen an Demenz erkrankten Senioren einen schönen Abend zu bieten — darum geht es im Nachtcafé, das an jedem dritten Samstag im Monat in den Räumen der Tagespflege des Caritas-Altenzentrums St. Martha stattfindet. Begonnen hat es vor drei Jahren, zunächst als zeitlich begrenztes Projekt. Daraus ist mehr geworden. Nun hat  das Nachtcafé am 19. März sein dreijähriges Bestehen gefeiert. Am Samstag, 16. April, haben Interessenten Gelegenheit, selbst einmal dabei zu sein.

Menschen, die an Demenz erkrankte Angehörige zu Hause pflegen, kommen meist schnell an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Belastbarkeit. Besonders anstrengend ist für sie, dass die Pflegebedürftigen vor allem in den Abendstunden und nachts sehr unruhig sind. Gerade in dieser Zeit gab es aber in Speyer keine Betreuungsangebote.

Das hat Jana Herbert, die Leiterin der sozialen Betreuung des Caritas Altenzentrums St. Martha, erkannt. Im Rahmen ihrer Weiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychologie hat sie in Zusammenarbeit mit dem Malteser Hilfsdienst das Nachtcafé ins Leben gerufen. Am 16. März 2013 öffnete es zum ersten Mal seine Türen. Seitdem findet das Nachtcafé an jedem dritten Samstag im Monat von 19 bis 23 Uhr statt. Das Caritas-Altenzentrum stellt dabei die Räumlichkeiten zur Verfügung. Der Malteser Hilfsdienst kümmert sich um den Transport der Teilnehmer, das benötigte Material und bildet die Demenzbegleiter weiter.

Eine Besonderheit des Nachtcafés ist der Betreuungsschlüssel. „Ein Demenzbegleiter kümmert sich in der Regel um einen, maximal zwei Teilnehmer“, sagt Jana Herbert, „so kann sehr gut auf die Bedürfnisse des einzelnen eingegangen werden“. Die Betreuung orientiert sich an den Ressourcen und an der Biografie des Betroffenen. Ziel ist es, die Emotionen und das noch vorhandene Wissen der Teilnehmer zu aktivieren.

Üblicherweise beginnt das Nachtcafé mit einer Begrüßungsrunde, persönlichen Gesprächen und einem Gymnastiklied zum Mitmachen. Die Teilnehmer kochen dann zusammen. „Das unterstützt die motorischen Fähigkeiten und stimuliert die Sinne“, erklärt Herbert. Anschließend gibt es Gruppenangebote. „Es gibt kein Patentrezept für die Beschäftigung von an Demenz erkrankten Personen“, betont Herbert. Doch die geschulten Demenzbegleiter haben viele Ideen.

So wird zum Beispiel gemeinsam über bestimmte Themen geredet. Oft sind es Dinge,  an die sich die Senioren noch gut erinnern: die Schulzeit, Leben auf dem Bauernhof, Sprichwörter oder Gedichte. Bewegungsgeschichten kommen gut an und gesungen wird immer gerne. „Singen ist der Königsweg für Menschen mit Demenz“, weiß Herbert. Genauso gut kann es aber auch sein, dass die Betreuer mit den Senioren einen Abend lang spielen oder Kreuzworträtsel lösen, wenn das gewünscht wird. Außerdem werden immer wieder gemeinsame Ausflüge unternommen. Da geht es dann zum Brezelfest, in die Eisdiele oder auf den Weihnachtsmarkt. Es kommen auch mal Musik- und Tanzgruppen oder Zauberer zu Besuch oder einer der Betreuer bringt sein Haustier mit.

Bereits in den Anfangszeiten wurde das Nachtcafé sehr gut angenommen: Acht Senioren kamen regelmäßig, einige erkrankten oder verstarben in der Folgezeit. Inzwischen kommen fünf Personen regelmäßig, zwei weitere waren mit ihrem Angehörigen zu einem Schnupperbesuch da und möchten ebenfalls wieder kommen. Maximal zehn  Personen können im Nachtcafé betreut werden, so dass es noch Plätze für weitere Teilnehmer gibt. Im Moment findet das Betreuungsangebot einmal im Monat statt, bei Bedarf kann es auch ausgeweitet werden.

Für Fahrdienst, Verpflegung und Betreuung zahlen die Teilnehmer 14 Euro pro Stunde. Von den Einnahmen finden unter anderem Fortbildungen für die Demenzbegleiter statt. „Wir haben schon einen hohen Anspruch an unseren Dienst“, versichert Bianca Knerr-Müller vom Malteser Hilfsdienst. Die Demenzbegleiter bekommen eine Aufwandsentschädigung. Die Betreuungskosten können über die Pflegeversicherung auf verschiedene Weise abgerechnet werden.

Nun gelte es, den Bekanntheitsgrad des Nachtcafés zu erhöhen, und insbesondere bei den Angehörigen die Hemmschwellen zu senken, das Angebot zu nutzen. Denn die Angehörigen würden sich meist  sehr stark zur Pflege verpflichtet fühlen und seien oft zu erschöpft, sich um Betreuung zu kümmern. Dabei hat Jana Herbert die Erfahrung gemacht, dass das Nachtcafé für die pflegenden Angehörigen eine große Entlastung bedeute. Regelmäßig einen Abend für sich haben, sei es um etwas zu unternehmen oder einfach mal in Ruhe entspannen zu können, sei für die pflegenden Angehörigen ein Gewinn für sie selbst.

Weitere Informationen oder Anmeldung für das nächste Nachtcafé am Samstag, 16. April, bei Bianca Knerr-Müller, Malteser Hilfsdienst, Telefon 06232 6778-20 oder Jana Herbert, Caritas Altenzentrum St. Martha, Telefon 06232 135-1501.

Text: Caritasverband / Foto: Klaus Venus