Mittwoch, 30. März 2016

Todkranken Menschen zur Seite stehen

Markus Arnold 

In der Ökumenischen Hospizhilfe Pfalz und Saarpfalz engagieren sich in 31 Gruppen ehrenamtlich viele Männer und Frauen. Einer von ihnen ist der 26-jährige Markus Arnold aus Altenglan im Landkreis Kusel

Speyer. Todkranken Menschen zur Seite zu stehen, sie und ihre Angehörigen zu unterstützen – für diese verantwortungsvolle Aufgabe lassen sich in der Diözese Speyer Hospizbegleiter wie Markus Arnold ausbilden. Sie unterstützen die hauptamtlichen Mitarbeiter in den Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdiensten und Hospizgruppen in der Pfalz und im Saarpfalzkreis. Was Markus Arnold von seinen ehrenamtlichen Kollegen unterscheidet, ist sein Alter:  Weshalb wird ein junger Mann von 26 Jahren Sterbebegleiter? Für den jungen Altenglaner gibt es viele gute Gründe.

Kirchliches und spirituelles Engagement ist ihm nicht fremd. Zehn Jahre lang war er Messdiener, ist Mitglied des Pfarrgemeinderates und fährt den Kirchenbus im westpfälzischen Rammelsbach. Doch mit dem Thema Sterben und Tod wurde Markus Arnold zum ersten Mal direkt konfrontiert, als sein Großvater schwer erkrankte. „ Zuerst haben wir ihn zu Hause gepflegt, dann kam er in ein Seniorenheim und eine Hospizkraft wurde miteinbezogen“, berichtet Markus Arnold. „Da konnte ich beobachten, was Sterbebegleitung bedeutet. Dass der menschliche Aspekt dabei im Vordergrund steht, hat mich stark beeindruckt und mein Interesse geweckt.“

Seit 2012 engagiert sich Arnold selbst beim ambulanten Hospiz- und Palliativdienst Westrich. „In der Hospizarbeit sehe ich die Chance, meinen ganz persönlichen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, indem ich Menschen in ihrer letzten Lebensphase Zeit und Aufmerksamkeit zu schenke.“ Dazu gehört für ihn auch, ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Patienten und ihrer Familie zu haben. „Denn nicht nur der Kranke befindet sich in einer äußerst schwierigen Ausnahmesituation, auch die Angehörigen stoßen oft an ihre Grenzen.“

Fünf Menschen hat er bereits auf ihrem letzten Weg begleitet. Kein Einsatz gleicht dem anderen. „Bei meinem ersten Einsatz war ich noch sehr unsicher und fand es beängstigend, ganz allein mit einem sterbenskranken Mann zu sein. Doch dann habe ich mich darauf besonnen, was ich in der einjährigen Ausbildung gelernt habe. Man muss sich auf die Situation einlassen“, sagt der 26-Jährige, „sich selbst zurücknehmen und versuchen, Zugang über eine gemeinsame Schnittstelle zu finden. Vor allem aber muss man sensibel für die Bedürfnisse des anderen sein.“ Nicht immer werde der Tod konkret angesprochen, sondern mittels Orten und Menschen aus der Vergangenheit.

So wie bei dem 85-Jährigen, den Markus Arnold drei Monate begleitet hat. „Wir waren gleich auf einer Wellenlänge, hatten uns viel zu erzählen, sind gemeinsam seine Lebensstationen abgegangen und haben dabei sogar viel gelacht. Es hat mich sehr berührt, wie tief er mich in sein Leben gelassen hat.“ Geprägt von Vertrauen und Wertschätzung, entwickelte sich aus der Begegnung ein freundschaftliches Verhältnis – wohl wissend, dass es auf Zeit ist. Wie geht man damit um? „Es ist wichtig, Nähe und Distanz in Balance zu halten und sich immer wieder klar zu machen, dass die Begegnung endlich ist.“

Nach seinen Besuchen legt der junge Hospizbegleiter eine Pause ein. 15 Minuten, in denen er innehält, um sich zu sortieren und das Erlebte sacken zu lassen. Berührungen, persönliche Gespräche, intime Momente. Augen, die Trauer, Ängste und Nöte verraten. All das hält er mit aus. Auch die Stille des Schweigens. „Die wortlosen Gespräche sind besonders intensiv, da wird man sich einer anderen Ebene bewusst.“ Eindrücke und Gefühle, die er mitnimmt, verarbeitet er beim Klavierspielen. „Mit den Tasten kann ich Bilder malen. Das hilft mir, meine Gefühle auszudrücken.“

Dass er als Sterbebegleiter mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert wird, schreckt Markus Arnold nicht. „Im Gegenteil, es relativiert vieles. Ich gehe aufmerksamer durchs Leben und weiß den Wert des Augenblicks zu schätzen.“ Er akzeptiert den Tod als Teil des Lebens. Nicht alle in seinem Umfeld beschäftigen sich damit. Während seine Familie ihn darin unterstützt, sich in der Hospizarbeit zu engagieren, ist für die meisten in seinem Alter das Thema zu weit weg, um von großem Interesse zu sein. Für Markus Arnold kein Problem. „Es ist eine sehr persönliche Angelegenheit und jeder geht damit anders um. Für mich hat die Sterbebegleitung eine große Bedeutung. Außerdem gebe ich nicht nur etwas, ich bekomme auch viel zurück. Und die Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen rund um das Leben und den Tod schärft den Blick fürs Wesentliche.“ Achtsamer sei er geworden, anderen und sich selbst gegenüber. Deshalb möchte er die Zeit, die ihm neben seinem Beruf als Verwaltungsfachangestellter bei der Verbandsgemeindeverwaltung Kusel und der Mitwirkung in verschiedenen politischen Gremien bleibt, intensiver nutzen. Und vielleicht sogar ehrenamtlich etwas kürzer treten. Allerdings nicht in der Hospizarbeit. „Da möchte ich mich eher noch mehr einbringen, das Thema nach außen tragen und die Menschen dafür sensibilisieren.“

Information und Kontakt:

Ökumenische Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz,
Caritasverband für die Diözese Speyer (Geschäftsstelle),
Obere Langgasse 2,
67346 Speyer
Annette Nicola-Imhoff, Telefon 06232 / 209-157, E-Mail: annette.nicola-imhoff@caritas-speyer.de,
Sonja Birkenmayer, Telefon 06232 / 209-197, E-Mail: sonja.birkenmayer@caritas-speyer.de

Text: Caritasverband / Foto: Friederike Jung