Donnerstag, 14. April 2016

"Jung, dynamisch, chancenlos?"

Das Ensemble "Big-Band" aus Rumänien - die Jugendlichen der Roma-Minderheit in Ardud umrahmten die Pressekonferenz musikalisch. 

Eröffnung der Renovabis-Pfingstaktion im Bistum Speyer

Freising/Speyer. Sie sind jung, motiviert, oft aber auch ziemlich ratlos, was ihre Zukunft angeht, denn ihre Heimatländer bieten ihnen kaum Perspektiven. Viele Jugendliche und junge Erwachsene im Osten Europas kehren ihrem Land deshalb den Rücken. Korruption, Arbeitslosigkeit, Armut und die damit einhergehende Chancenlosigkeit sind nur einige der Gründe dafür. Unter dem Leitwort „Jung, dynamisch, chancenlos? Jugendliche im Osten Europas brauchen Perspektiven“ greift die katholische Solidaritätsaktion Renovabis dieses Thema im Rahmen ihrer bundesweiten Pfingstaktion auf. Zum Auftakt der Kampagne vom 14. bis 17. April ist das Hilfswerk mit zahlreichen Gästen aus Osteuropa im Bistum Speyer in Schulen, Bildungshäusern und Pfarreien zu Gast. Die feierliche Eröffnung der Pfingstaktion findet im Rahmen eines Gottesdienstes am Sonntag, 17. April, im Speyerer Kaiserdom statt.

Die Jugend als „Wächter auf den Morgen“

Der gastgebende Bischof von Speyer, Dr. Karl-Heinz Wiesemann, wies in der Pressekonferenz zur Aktionseröffnung auf ein Wort des Hl. Papstes Johannes Paul II. hin. Dieser habe den jungen Menschen in Kirche und Gesellschaft eine prophetische Aufgabe zugeschrieben. Sie seien „die Wächter auf den Morgen“, auf eine neue, humane Zivilisation nach den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. Der Glaube, so Bischof Wiesemann, sei für viele Jugendliche auch in Osteuropa eine wichtige Kraft, um sich trotz täglicher Erfahrungen von Armut, Korruption und Arbeitslosigkeit für eine Veränderung einzusetzen und Perspektiven zu schaffen.

Angesichts aktueller Zahlen, z. B. aus Litauen oder Bosnien und Herzegowina scheinen solche Veränderungen auch dringend nötig zu sein. Die litauische Sozialarbeiterin Roberta Daubaraitė-Randė berichtete aus ihrer Heimat, dass rund 60 Prozent der Jugendlichen vom Auswandern träumten. In Bosnien seien es sogar 70 Prozent, sagte Weihbischof Pero Sudar, der in Bosnien die multi-ethnischen Europa-Schulen initiiert hat. Beide sind im Rahmen der Renovabis-Pfingstaktion in Speyer zu Gast und berichten bei zahlreichen Veranstaltungen über die Situation in ihren Heimatländern.

Die Abwanderung ist eine echte Bedrohung für die osteuropäischen Staaten

„Die aktuelle Entwicklung ist eine große Herausforderung“, betont auch der Geschäftsführer von Renovabis, Dr. Gerhard Albert. Es sei wichtig, die zuständigen Regierungen und Politiker nicht aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Nicht nur für die Jugendlichen sei die Situation oft dramatisch, so Albert, „denn die anhaltende Abwanderung junger Leute stellt auch für die Entwicklung der osteuropäischen Staaten eine echte Bedrohung dar“. Für Renovabis gehe es im Rahmen der diesjährigen Pfingstaktion darum, auf diese Situation aufmerksam zu machen und um Solidarität mit jungen Menschen im Osten Europas zu werben.

Weitere Informationen: www.renovabis.de

Faltblatt zur Renovabis-Pfingstaktion

Text / Foto: is