Sonntag, 17. April 2016

Bundesweite Renovabis-Pfingstaktion in Speyer eröffnet

Einheit und Solidarität in Europa waren zentrale Themen des Eröffnungsgottesdienstes im Speyerer Dom. 

Perspektiven für Jugendliche in Osteuropa notwendig - Justizminister Robbers dankt für breit gefächertes Engagement der katholischen Kirche

Speyer. Mit einem feierlichen Pontifikalamt im Speyerer Dom wurde heute die 24. Renovabis-Pfingstaktion bundesweit eröffnet. Sie steht unter dem Leitwort „Jung, dynamisch, chancenlos?“ und richtet den Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene in den Ländern Mittel- und Osteuropas.

„Die Schatten der Vergangenheit sind noch lange nicht abgeschüttelt. Viele junge Menschen in Mittel- und Osteuropa haben den Eindruck, dass man an ihnen gar nicht interessiert ist“, sagte der Speyerer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann im Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit, die in manchen Ländern Osteuropas bei rund 60 Prozent liegt. „Das muss uns alarmieren“, forderte er eine visionäre Veränderung. „Echte Vision hat immer den Bezug zur Wirklichkeit, aber sie sieht in der Wirklichkeit noch etwas, das sonst nicht wahrgenommen wird: die Chance zur Wandlung.“ Der Glaube bedeute vielen jungen Menschen in Osteuropa sehr viel. „Er ist mitten in Enttäuschungen und Hoffnungslosigkeiten die entscheidende Kraft, nicht an der Wirklichkeit zu verzweifeln, sondern den Mut zu finden, an einer besseren Zukunft mitzubauen.“ Es müsse „höchste politische und gesellschaftliche Priorität“ haben, dass es „keine verlorenen Generationen gibt und geben darf“. Das Hilfswerk Renovabis sei 1993 von den deutschen Katholiken im Bewusstsein gegründet worden, „wie vielen wir unsere neue Chance nach dem Desaster des Zweiten Weltkriegs verdanken.“ Auch persönlich sei ihm erst nach und nach aufgegangen, „mit welch positivem Startkapital meine Generation, die Nachkriegsgeneration, ins Leben getreten ist und es entfalten konnte.“ Die junge Generation in Osteuropa brauche „Visionen, die die Wirklichkeit verändern, und die Erfahrung von Menschen, die Leuchttürme hoffnungsvoller Perspektiven errichten.“

Bischof Wiesemann zelebrierte den vom Domradio aus Köln übertragenen Gottesdienst gemeinsam mit Erzbischof Duro Hranić (Dakovo), Weihbischof Pero Sudar (Sarajevo) und Weihbischof Otto Georgens, der für die Kontakte des Bistums Speyer in die Weltkirche hinein verantwortlich ist. Das Thema Osteuropa wurde im Gottesdienst auf verschiedene Weise aufgegriffen. Zum Beispiel wurde die zweite Lesung in litauischer Sprache vorgetragen. Die Kollekte war für das Projekt „Ältere Schwester – älterer Bruder“ des Vereins „Narko Ne“ (Nein zu Drogen) aus Bosnien und Herzegowina bestimmt. Eine Band mit Roma-Jugendlichen aus Ardud in Rumänien knüpfte eine musikalische Verbindung und ergänzte die Dommusik, die zusammen mit dem Orchester der städtischen Musikschule eine Messe von Leo Delibes aufführte. Beim anschließenden Empfang im Haus Trinitatis erläuterten die Renovabis-Gäste in kurzen Interviews ihre Arbeit. Der rheinland-pfälzische Justizminister Gerhard Robbers dankte der katholischen Kirche und ihrem Hilfswerk Renovabis für ihr breit gefächertes Engagement in den Ländern Mittel- und Osteuropas.

Predigt von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Livestream des Gottesdienstes von Domradio Köln 

Text und Foto: is