Dienstag, 12. Juli 2016

“Am Ende zählt der Mensch“

Gäste und Gottesdienstbesucher 

Ökumenische Hospizhilfe Pfalz-Saarpfalz begleitet seit 25 Jahren sterbende Menschen – Staatssekretär Langner bringt Glückwünsche der Ministerpräsidentin mit

Speyer. Sterben gehört zum Leben, auch wenn wir das heute bei bester medizinischer Rundumversorgung oft vergessen. Jeden Menschen trifft es einmal. Um ihn dabei nicht allein zu lassen, haben der Caritasverband für die Diözese Speyer und das Diakonische Werk Pfalz gegen so manchen Vorbehalt vor 25 Jahren die Ökumenische Hospizhilfe Pfalz/Saarpfalz (ÖHH) gegründet. Diese feierte ihren 25. Geburtstag am Samstag bei einem Sommerfest.

Beim Eröffnungsgottesdienst, den Domkapitular und ÖHH-Vorsitzender Karl-Ludwig Hundemer gemeinsam mit seinem Stellvertreter und Landespfarrer für Diakonie, Albrecht Bär, sowie Sabine Jung (Abteilungsleiterin Diakonisches Profil und Pflege) gestaltete, wurde die Hospizkerze mit starkem Symbolwert entzündet. Es handelte sich dabei um die Replik jener Kerzen, die der Hospizbegleiter Eugen Kocher vor 25 Jahren als Aufbruchslicht zur ÖHH-Gründung schuf. Schon das Eingangslied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ verriet, dass der Schwerpunkt der Veranstaltung nicht auf der Reflektion von Trauer und Todesnähe liegen würde. Stattdessen ging es um das intensive und sinnliche Wahrnehmen der schönen Dinge - „des großen Gottes großes Tuns“– die uns umgeben.

Domkapitular Hundemer griff diese Stimmung in seiner Predigt auf. „Der mit sich selbst und Gott hadernde Prophet Elia, der sich vom Tod bedroht in eine einsame Höhle verkriecht, findet den Herrn weder im Sturm, noch im Erdbeben noch im Feuer – sondern in einem schwachen Lufthauch.“ Die schwere und doch auch beglückende Aufgabe der Hospizhelfer sei es, in dieser Situation den leisen Windhauch und damit die Nähe Gottes spürbar zu machen. Auch, wenn sie manchmal selbst, dem Elia gleich, mit den Hindernissen haderten, die ihrer Arbeit entgegengestellt würde.

Womit das Thema der Anerkennung und Wertschätzung ehrenamtlicher Hospizarbeit speziell im Verhältnis zum neuen Palliativgesetz angeschnitten war. Niemand in der großen Runde der ehrenamtlichen Hospizler bestreite die Notwendigkeit der professionellen Hilfe. Aber sie könne den begleitenden Dienst für den sterbenden Menschen und seine Familie nicht in seiner Unmittelbarkeit und Tiefenwirkung ersetzen. Staatssekretär David Langner vom Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, der Glückwünsche von Ministerpräsidentin Malu Dreyer überbrachte, sagte: „Als der Hospizverein seine Arbeit aufnahm, stellten die Themen Sterben, Tod und Trauer noch ein Tabu in der Gesellschaft dar. Heute setzen sich immer mehr Menschen mit der Frage auseinander, wie sie ihre letzte Lebensphase gestalten wollen.“ Vielen von ihnen sei eine umfängliche Sterbebegleitung sehr wichtig. Hospizvereine seien dabei eine tragende Säule. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen die Würde des Menschen am Lebensende und die Beachtung seiner Selbstbestimmung in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. Ich gratuliere dem Hospizverein zum 25-jährigen Bestehen und danke allen für die engagierte und beeindruckende Arbeit“, betonte der rheinland-pfälzische Gesundheitsstaatssekretär David Langner.

Auch Gisela Textor, die Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbandes Rheinland-Pfalz weiß um den Segen der ehrenamtlichen Arbeit. Sie meint zur ÖHH Pfalz/Saarland: „Da gibt es die hohe Kompetenz und überzeugende Haltung von Annette Nicola-Imhoff von der ÖHH-Geschäftsstelle in Speyer. Da gibt es einen anderen Geist. Da ist etwas Gemeinsames, das mich trägt.“ So sei es wichtig, dass sich „Ehrenamt und Professionalisierung auf Augenhöhe begegnen. Gisela Textor meint sogar: „Die meisten Menschen brauchen keine ,Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV)‘, denn am Ende ist der Mensch, der bei den Sterbenden ist, das Wesentliche. Das ist es, was Hospizarbeit im Grunde ihres Wesens ausmacht.“

So ist auch das Leitmotiv des Sommerfestes zu verstehen, das Theresia Riedmaier, Landrätin des Kreises Südliche Weinstraße, beim ersten Lesen, wie sie in ihrem Grußwort gestand, provozierte. Da heißt es: „Am Ende zählt der Mensch“. Aber zähle der Mensch denn nicht immer, von Kindesbeinen an? Habe die Politik nicht auch die Aufgabe, Kindertagesstätten und Schulen, Jugendeinrichtungen und Seniorenheime zu bauen? „Ich danke ihnen für diese Provokation“, meinte Riedmaier, „denn ich habe verstanden, dass dieses Zählen anders – nämlich ohne Zahlen zu zählen - zu werten ist. Uneigennützig, aus der Kraft des Herzens.“ Auch sie wolle dazu einen Beitrag leisten und darauf drängen, dass in der Altenpflegeschule des Landkreises „die Ethik in der Pflege ein besonderer Schwerpunkt sein soll.“

Am Ende des Tages empfand die Leiterin der Geschäftsstelle der ÖHH, Annette Nicola-Imhoff, den Ausklang als emotionalsten Höhepunkt: „Wir haben die Vertreter aller elf Hospizgruppen des großen Pfalz/Saarpfalzverbundes in einer musikalisch feierlich umrahmten Zeremonie einzeln vorgestellt und mit einer Hospizkerze beschenkt., damit sie die monatlichen Gruppentreffen meditativ begleiten.“

Ein besonderer Dank ging an:

Anne Bilian und Gertrud Hamburger, die Leiterinnen der Hospizgruppe Kandel, die kürzlich aufgelöst wurde, deren Arbeit aber im „Trauercafé“ fortgeführt wird.

Helga Fuchs-Entzminger, hauptamtliche ÖHH, die Ende des Jahres in Ruhestand geht.

Geehrt wurden Christa Reck und Christa Reiner (ÖHH Schifferstadt) sowie Margitta  Schomodji und Margarethe Zech-Messer (ÖHH Neustadt/Haßloch), die von der Geburtsstunde der Hospizhilfe an dabei waren, für 25 Jahre ehrenamtliches Engagement.

Text / Foto: Brigitte Schmalenberger