Montag, 30. Januar 2017

Kitaprojekt: „Gott und die Welt“

 

Religionspädagogische Fortbildung in Kindertagesstätten in Ludwigshafen

Ludwigshafen. Religionspädagogik in Kindertagesstätten früher: Je nach Jahreszeit gab es thematische Angebote und Veranstaltungen, man ging mit den Kindern in die Kirche, hangelte sich von einem kirchlichen Fest zum nächsten. „Aber Religionspädagogik ist viel mehr!“, betont Herbert Adam, Referent für Seelsorge in Kindertageseinrichtungen im Bistum Speyer. Gemeinsam mit den pastoralen Begleiterinnen Ulla Janson und Angelika Büttler-Noby hat er jetzt in Ludwigshafen eine zweitägige Fortbildung angeboten zum Thema „Gott und die Welt in der Kita“. Mit dabei waren unter anderem Erzieherinnen der Kitas St. Dreifaltigkeit und Christ König. In Kürze wird es einen Reflexionstag geben; die Fortbildung wird außerdem noch weitere zwei Mal an anderen Orten des Bistums angeboten.

Zwei Projektwochen
Und so sieht es in der Praxis aus: In der Kita St. Dreifaltigkeit wird über zwei Projektwochen hinweg das Thema „Feuerwehr“ behandelt. Der vierjährige Jaden zählt konzentriert die Kreise, die auf einer Styroporplatte vorgemalt sind: Drei sind es, fehlt noch ein vierter. Denn ein Feuerwehrauto hat vier Räder. Jaden gehört zur Bärengruppe, und die bastelt ein riesiges Feuerwehrauto – mit Leiter, Löschwasser, Fenster und Sirene, zählen die Kinder begeistert auf. In anderen Gruppen entstehen andere Bastelarbeiten, es wird viel gesprochen, gesungen, Bilderbücher betrachtet und Geschichten erzählt. 

„Die Feuerwehr hilft den Menschen, sie kümmert sich um Menschen bei Nöten und Sorgen, sie setzt sogar ihr Leben aufs Spiel“, sagt Erzieherin Martina Baader. Und mit diesen Aufgaben und Eigenschaften, ist sie überzeugt, kann man das Thema Nächstenliebe und die christliche Grundhaltung von Hilfsbereitschaft sehr gut darstellen. Auch der Schutzpatron der Feuerwehrleute, der Heilige Florian, wird eine Rolle spielen.

Glaube spielt eine große Rolle
„Das ist im Prinzip Religionspädagogik“, ist sich Martina Baader mit Kitaleiterin Miriam Groß einig. In der dreigruppigen Einrichtung für 75 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren spielt der Glaube eine große Rolle, „und das betonen wir auch bei Aufnahmegesprächen“, sagen die beiden Erzieherinnen. Deshalb wird im Tagesverlauf gebetet, christliche Feiertage werden thematisiert, es gibt Kirchenbesuche, gemeinsame Gottesdienste und weitere Berührungspunkte mit der Pfarrei. „Wir missionieren nicht“, stellen Baader und Groß klar – und sie akzeptieren selbstverständlich auch eine andere Religionszugehörigkeit.

„Viele Eltern melden ihre Kinder bei uns an, gerade weil sie eine christliche Erziehung erhoffen“, wissen die Erzieherinnen. Eine bestimmte Grundhaltung prägt den Kitaalltag in St. Dreifaltigkeit, denken sie. „Das beginnt schon bei der Begrüßung“, erzählt Monika Baader – wenn sie ein Kind in den Arm nimmt, oder wenn sie vor Begeisterung „fast umgerannt“ wird, sobald sie den Gruppenraum betritt: „Unbewusst zeigen wir den Kindern immer unsere Wertschätzung, und dass sie für uns etwas Besonderes sind“, denkt sie. So verhält es sich auch mit Lob und Anerkennung, wenn ein Kind sich auf etwas konzentriert und etwas Besonderes gebastelt hat: „Das ist Alltag, und da passiert viel mehr im Hinblick auf religiöse Erziehung als in großen geplanten Aktionen“, sagt auch Leiterin Groß.

Vermittlung einer Haltung
In der Fortbildung „Gott und die Welt in der Kita“ machen die Seminarleiter den Erzieherinnen ebenfalls deutlich, dass dies keine Werkstatt  werden würde, aus der sie am Ende einen „Ideenkoffer“ mitnehmen könnten. Vielmehr geht es ihnen um eine bestimmte Haltung, und sie versuchen, drei Elemente ausgewogen zu bedienen: Ideen, Reflexion darüber und spirituelle Elemente.

„Die Rahmenbedingungen in den Kitas haben sich verändert“, weiß Ulla Janson, pastorale Begleiterin für die katholischen Kitas in Ludwigshafen. Oft kommen nur noch wenige Kinder aus katholischen Familien, hinzu kommen Herausforderungen wie Personalmangel, Krankenstand, „schwierigere“ Kinder mit problematischem Hintergrund. „Dann ist es auch wichtig, dass die Erzieherinnen ihre Ressourcen schützen und pflegen“, fügt Kollegin Büttler-Noby hinzu.

Immer wieder erleben die teilnehmenden Erzieherinnen „Aha-Momente“: Immer dann, wenn sie hören und spüren, dass sie vieles von dem, was Religionspädagogik bedeutet, im Alltag schon machen – etwa, wenn sie biblische Grundhaltungen reflektieren und deren Umsetzung im Alltag überdenken. Beispiel Zachäus, der Zöllner, der exklusiv die Aufmerksamkeit von Jesus erfährt. Diesen Moment gibt es auch im Kitaalltag, machen sich die Erzieherinnen deutlich, etwa, wenn sie ein Kind wickeln und ihm in dieser Tätigkeit ausschließlich ihre Aufmerksamkeit schenken. „Das ist unsere besondere Haltung, die aus unserem christlichen Menschenbild kommt“, verdeutlicht Adam.

Martina Baader, Erzieherin in der Kita St. Dreifaltigkeit, kennt ähnliche Situationen – etwa einen kleinen Jungen, der hoch konzentriert mit Legosteinen baut und sein Ergebnis stolz präsentiert: „Dann lobe ich ihn, spreche mit ihm über sein Werk und bringe ihm viel Wertschätzung entgegen.“ Baader ist froh, dass sie selbst Wertschätzung durch die Fortbildung erfährt – und dass sie sich über das Thema Religionspädagogik mit Kolleginnen austauschen kann und mit ihnen einig ist: „Das Alltägliche ist viel wichtiger als einzelne Aktionen.“

Kita ist ein Ort der Kirche
„Kita ist ein Ort von Kirche“ – mit dieser These startet der  zweite Fortbildungstag. Als Bestandteil von Pastoral 2015  muss auch eine Kita „Gesicht von Kirche“ sein, fordert Herbert Adam, denn in ihnen sollen Kinder und Eltern die Möglichkeit haben, die Welt zu entdecken, Sinn zu erfahren und Glauben zu leben. Welche wechselseitige Verantwortung gibt es hier?, fragen sich die Teilnehmerinnen. In der Kita St. Dreifaltigkeit gibt es viele Verbindungen – seien es die christlichen Feste mit Nikolaus- oder Osterfeiern, gemeinsame Gottesdienste, die die Kitateams St. Dreifaltigkeit und Heilig Kreuz vorbereiten, oder die Ehrenamtliche aus der Gemeinde, die als Lesepatin regelmäßig kommt. Auch Pfarrer Dr. Udo Stenz besucht regelmäßig die Kinder und feiert auch in der Kita Gottesdienste, denn „Kirche ist nicht an einen Raum gebunden“, so Baader.


Text: Brigitte Deiters/Foto: Horst Heib