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Freitag, 02. Juni 2017

Kirche fand im 19. Jahrhundert die Kraft zur Selbstmodernisierung

Kirchenhistoriker Professor Klaus Unterburger beschreibt in Speyerer Festakademie das kirchenpolitische Ringen zwischen Monarchie, Bürokratie und Hierarchie im 19. Jahrhundert

Professor Klaus Unterburger (Mitte) im Gespräch mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Generalvikar Dr. Franz Jung 

„200 Jahre Bistum Speyer: Restauration und Innovation“, so lautete der Titel einer Festakademie am 16. Mai im Historischen Ratssaal in Speyer. Die Veranstaltung stand im Zusammenhang mit dem 200-jährigen Jubiläum der Neugründung des Bistums Speyer, das an Pfingsten gefeiert wird. Eingeladen hatten dazu die Katholische Erwachsenenbildung und das Bistumsarchiv.

Professor Klaus Unterburger vom Lehrstuhl für mittlere und neue Kirchengeschichte an der Universität Regensburg blickte in seinem Vortrag auf die Anfänge des 1817 durch das Bayerische Konkordat neu gegründeten Bistums Speyer zurück. Die Umbruchsprozesse seit Ende des 18. Jahrhunderts, der Übergang an Frankreich und die kirchlichen Neuumschreibungen, die Migration und die Verstädterung hatten damals zu einer erheblichen Destabilisierung der traditionalen Lebenswelt geführt, legte Unterburger dar. Die Erwartungen des Staates an die Kirche und das kirchliche Selbstverständnis lagen im Konflikt miteinander. Während der bayerische Staat in der Kirche einen wichtigen Faktor für Erziehung und moralische Bewusstseinsbildung der Bevölkerung sah, wollte die Kirche ihre Angelegenheiten autonom bestimmen. „Das gesamte 19. Jahrhundert standen sich die etatistisch-liberale und die kirchlich-ultramontane Position gegenüber“, kennzeichnete Professor Klaus Unterburger zwei Hauptströmungen der Zeit.

Auseinandersetzung zwischen Liberalismus und Ultramontanismus

Ehe und Schule waren dabei heiß umkämpfte Themen. „Gegensätzliche Weltanschauungen rangen um die Seelen. Der Liberalismus wollte Religion aus dem öffentlichen Bereich drängen. Der Ultramontanismus beanspruchte umgekehrt das Recht, den öffentlichen Raum zu prägen“, stellte Unterburger fest. In diesem Ringen fand die Kirche die Kraft zur Modernisierung. „Die Bemühungen zielten darauf an, den Gläubigen die katholische Position bewusst zu machen, sie also zu immunisieren und das Glaubensleben zu intensivieren.“ So wurden die Vereine zur wichtigsten neuen Organisationsform, auch das Pressewesen erlange eine zunehmende Bedeutung. Die Ausbildung des politischen Katholizismus beschrieb Unterburger als „Frucht der kulturkämpferischen Auseinandersetzung zwischen Ultramontanismus und Liberalismus“. Durch die Professionalisierung der Verwaltung nach staatlichem Vorbild, die Neuordnung der Kirchenfinanzen und Veränderungen in der Priesterausbildung gewann das Bischöfliche Ordinariat immer mehr Einfluss auf das lokale kirchliche Leben. Noch stärker als durch die Pfarrei sei die Modernisierung und Vertiefung des Glaubens im 19. Jahrhundert über von der Pfarrei abgelöste Formen der Seelsorge erreicht worden, wie der Referent am Beispiel der zahlreichen Ordensgründungen im 19. Jahrhundert verdeutlichte.

Die Selbstmodernisierung des Katholizismus habe auch in der Pfalz ein „katholisches Milieu“ entstehen lassen. Seit die Familie in den 1960er-Jahren als Sozialisationsinstanz in Bezug auf religiöse Überzeugungen immer unbedeutender wurde, falle diese Modernisierung „wie ein Bumerang“ auf die Kirche zurück. „Was modernisierende Vereindeutigung war, wurde immer mehr zu einem durch die forcierte Beschleunigung überholten Ballast, der den Katholizismus als nicht mehr zeitgemäß und wenig hilfreich für moderne Lebensfragen erscheinen ließ“, so die Analyse Unterburgers.

Als Faktoren, die das Weiterleben des Glaubens auch in Zukunft sichern, nannte er die „spirituelle Erfahrung, das Zeugnis christlicher Selbstlosigkeit und die freie intellektuelle Reflexion. „Wenn das Bistum Speyer diese drei Dinge ermöglicht, ist es für das 21. Jahrhundert gut aufgestellt“, fand er zum Abschluss ermutigende Worte für die rund 100 Teilnehmer der Festakademie, darunter auch Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Weihbischof Otto Georgens und zahlreiche Mitglieder des Domkapitels. Den musikalischen Rahmen gestalteten Juliane Sauerbeck (Violine) und Joachim Weller (Klavier) mit einer Sonate von Ludwig van Beethoven.

Weitere Informationen zum Bistumsjubiläum:

https://www.bistum-speyer.de/bistum-speyer/bistumsjubilaeum-2017/?L=0

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