Donnerstag, 28. September 2017

Wie „ticken“ unsere Schülerinnen und Schüler?

"Wie ticken unsere Schülerinnen und Schüler?"- mit dieser spannenden Frage beschäftigten sich Religionslehrerinnen und - lehrer aus dem Bistum Speyer zwei Tage lang in Ludwigshafen. 

Jahrestagung der Religionslehrerinnen und Religionslehrer in Ludwigshafen

Ludwigshafen. Was bewegt Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 17 Jahren in ihrem Innersten? Um das zu diskutieren, fand diese Woche die zweitägige Jahrestagung der Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Heinrich Pesch Haus (HPH)  in Ludwigshafen statt. Die Veranstaltung, zu der die Schulabteilung im Bistum Speyer eingeladen hatte, richtete sich an Lehrende aus Gymnasium, Integrierten Gesamtschulen und Gemeinschaftsschulen.

Die Österreicherin Prof. Dr. Helga Kohler-Spiegel von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg eröffnete das Vortragsprogramm. Ihr Thema war „Verwirrend vielfältig. Wie „ticken“ unsere Schülerinnen und Schüler?“. Dabei verknüpfte sie geschickt ihre persönlichen Erfahrungen als Psychologin und Lehrerin mit Studien wie dem Sinus-Lebensweltenmodell. Die Klasse muss ihrer Ansicht nach ein „sicherer Ort“ sein, denn nur in einer positiven Atmosphäre sei das Lernen wirklich effektiv. Die Beziehung der Lehrenden zu ihren Schützlingen ist daher ein zentraler Aspekt, wenn es um das Vermitteln von Glaube, Religion und Kirche gehe. Das Anknüpfen an die unterschiedlichen Lebensrealitäten, die häufig in einem Klassenraum anzutreffen sind, ist ein weiterer wichtiger Baustein. Dass es dabei häufig einen langen Atem brauche, um sich das nötige Vertrauen zu erarbeiten, auch im Kollegium, sei ihr bewusst. Als Rat dazu gab sie der anwesenden Lehrerschaft abschließend augenzwinkernd den Rat, zum Ausgleich „gut zu essen, viel zu feiern und wütend zu putzen!“.

Innerhalb kurzer Zeit wurden alle Regeln über Bord geworfen
Jan Kuhn, M.A. vom Zentrum für angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität Bochum, widmete sich in seinem Vortrag den Onlinevideos: Jugendwelten – Was wir über YouTube und Co. über unsere Schüler und ihren Glauben erfahren. Er stellte pointiert dar, wie innerhalb kürzester Zeit das Smartphone alte Regeln über Bord warf. Ein gewisses Technikunternehmen hatte zugehört, was die Nutzer wollten. Ähnlich machen es auch die YouTube-Stars, die im engen Wechselspiel mit ihrer Community arbeiten und so Millionen von Abonnenten erzielt haben. Welche unterschiedlichen Botschaften die YouTuber anzubieten haben, welche Chance die katholische Kirche in diesem Zusammenhang hat, war weiterer Bestandteil seines Vortrages. 

An das Vortragsprogramm schloss sich die Eucharistiefeier in der Kapelle des HPH an. In der entspannen Atmosphäre der Lounge ging es dann mit Domkapitular Franz Vogelgesang um Fragen der Lehrenden, die beispielsweise im Zuge des Gemeindepastoral 2015 aufkamen.

Arbeitskreise zu verschiedenen Themenwelten
In fünf Arbeitskreisen beschäftigten sich die Pädagoginnen und Pädagogen am zweiten Tag gemeinsam mit den Referenten in kleineren Gruppen mit spezielleren Aspekten der Schulrealität: Wie gelingt eine gute Kooperation miteinander? Welche Gefahren gibt es? Welche Projekte funktionieren? Was wird geglaubt? Wie sieht die soziale Interaktion im Netz aus? Die erzielten Ergebnisse reichten von allgemeinen Informationen und Impulsen bis hin zu konkreten Lösungsvorschlägen. 

Zum Ende der beiden Tage dankte Organisatorin Dr. Irina Kreusch, Leiterin des Referates für Religionsunterricht an Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen und Gesamtschulen, den rund 80 anwesenden Lehrerinnen und Lehrer für ihre rege Teilnahme. Die nächste Jahrestagung folgt im September 2018, das Thema wird noch bekannt gegeben.

Text/Foto: Felix Scherer