Donnerstag, 28. September 2017

Zugang zu Bildung ist Voraussetzung für Integration

Die rund 70 Teilnehmer kamen bundesweit aus Behörden, Ministerien, aus der Rechtsberatung und aus dem Ehrenamt 

Der Caritasverband für die Diözese Speyer nahm an den ersten Migrationsrechtstagen der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer unter dem Thema „Folgerungen aus der Flüchtlingskrise“ teil - Wertvoller und kontroverser Austausch von Vertretern aus Gesetzgebung, Verwaltung, Gerichten und Wohlfahrtsverbänden

Speyer. Eine positive Bilanz zog der Caritasverband für die Diözese Speyer (DiCV Speyer) als Teilnehmer der ersten Migrationsrechtstage der deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Neben der Caritas nahmen weitere  Wohlfahrtsorganisationen,  Vertreter von Behörden  und Ministerien sowie Aktive aus der Rechtsberatung für Migranten  und Ehrenamtliche teil. „Eine gelungene Veranstaltung mit sehr gut ausgewählten Experten“, sagte Caritas-Mitarbeiterin Gisela Fixemer-Reiland, die als Referentin für Migration und Integration des Caritasverbandes für die Diözese Speyer einen Vortrag über den Zugang von Flüchtlingskindern zu Bildungsangeboten hielt.

Ziel der Veranstaltung war eine Bestandsaufnahme der  bestehenden Rechtsänderungen im Hinblick auf die Unterbringung, Existenzsicherung, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Angesprochen wurde unter dem Fokus auf die Frage „Kurzfristige Krisenbewältigung statt nachhaltiger Konzepte?“, vor welche Herausforderungen Behörden und Verwaltung durch die Flüchtlingskrise ab dem Sommer 2015 gestellt wurden.

Das Vortragsprogramm von Montag, 18., bis Mittwoch, 20. September, enthielt eine breite Themenpalette. Über den Zugang zu Bildungseinrichtungen für geflüchtete Kinder sprach Gisela Fixemer-Reiland. Sie ist Referentin für Migration und Integration beim DiCV Speyer. Zunächst verdeutlichte die Referentin mit Zahlen die Bedeutung des Themas für die Flüchtlingsarbeit: In den vergangenen beiden Jahren 2015 und 2016 kamen rund 1,2 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland.

Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind mehr als die Hälfte der Schutzsuchenden im bildungsrelevanten Alter von 0 bis 25 Jahren. Diese große Zahl stellt Migrationsstellen, Kinder- und Jugendhilfe, Schulen und Ausbildungsstellen vor eine große Herausforderung. Denn: Der Zugang zu frühkindlichen, schulischen sowie beruflichen Bildungsangeboten stellt eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche und gelingende Integration dar, verdeutlichte die Referentin.

In ihrem Referat zeigte die Caritas-Fachfrau zum einen die rechtlichen Grundvoraussetzungen auf und stellte ihnen die tatsächliche Situation gegenüber. Die rechtlichen Voraussetzungen sind tatsächlich so, dass in Deutschland Flüchtlingskinder wie alle Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf Bildung, Erziehung und Betreuung in einer Kita oder in einer Kindertagespflege haben.  In der Praxis vor Ort sieht es allerdings leider so aus, dass Flüchtlingskinder in Kitas deutlich unterrepräsentiert sind. Die Ursachen sind vielschichtig und reichen von fehlenden Kita-Plätzen in Wohnortnähe bis hin zu verschiedenen Wertvorstellungen und Traditionen der Eltern, die den Zugang zur Kita verhindern.

Während für Kinder und Jugendliche ohne Fluchterfahrung in der Regel die Eltern die Ansprechpartner in Kindertagesstätten und Schulen sind, trifft das nur zu auf etwa 17 Prozent der Fälle bei geflüchteten Kindern zu. „Erfahrungsgemäß sind die meisten Eltern mit unserem komplexen Bildungssystem in Deutschland überfordert und auf Unterstützung der Migrationsberatungsstellen, die Kinder- und Jugendhilfe oder Ehrenamtliche bei der Suche und der bei der Vorsprache in Kitas und Schulen angewiesen“, betonte Gisela Fixemer-Reiland.

Zum Abschluss ihres Referats wies die Referentin darauf hin, dass alle Bundesländer, Kommunen und Schulen derzeit unter erheblichem Handlungsdruck stehen, den Kita- und Schulbesuch von Flüchtlingskindern im Sinne der chancengleichen Teilhabe zu organisieren und damit das völker- und grundrechtlich verankerte Recht auf Bildung zu gewährleisten. Die praktische Umsetzung des Rechts stehe zurzeit auf dem Prüfstand.

In ihrem Ausblick nannte sie als vordringliche Aufgabe, frühzeitig ansetzende Integrationsangebote wie Sprachförderung und die Entwicklung integrativer Modelle für die Aufnahme von Flüchtlingen in Kitas, Schulen und Berufsausbildung zu schaffen. Denn dadurch würden wichtige Entwicklungsperspektiven und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe für die jungen Asylsuchenden gewährleistet. „Die Förderung von Bildung, Ausbildung und Spracherwerb ist Voraussetzung für eine spätere erfolgreiche Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt“, betonte die Referentin in ihrem Schlusswort.

Die rund 70 Teilnehmer der Migrationsrechtstage nutzten die dreitägige Veranstaltung für einen, teilweise auch kontroversen Austausch, bei dem auch praktische Fälle zur Sprache kamen. Die wichtige Rolle der ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit wurde mehrfach gewürdigt.

Insgesamt sei die Veranstaltung sehr gut verlaufen, zog die wissenschaftliche Leiterin, Professorin Dr. Constanze Janda, eine positive Bilanz:  „Wir konnten eine Vielzahl von Themen besprechen und offen diskutieren und dies aus sehr unterschiedlichen Perspektiven, weil in den Vorträgen sowohl Vertreter der Behörden als auch Richter, Anwälte, Wissenschaftler und die Wohlfahrtsorganisationen zu Wort gekommen sind.“ Aufgrund der guten Resonanz und des hohen Interesses werde  es im September 2018 eine Fortsetzung der Migrationsrechtstage geben.

Text / Foto: Caritasverband für die Diözese Speyer