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Freitag, 06. Oktober 2017

Der Dom zu Lund und das „Speyer-Gefühl“

Wissenschaftliches Forum des Dombauvereins mit Prof. Dr. Christofer Herrmann

 

Speyer. Der große Speyerer Dom hat eine kleine Schwester: die Domkirche in Lund (Schweden) ähnelt in Teilen dem Speyerer Dom so auffällig, dass hier von einer Nachfolge gesprochen werden kann. In seinem Vortrag im Rahmen des Wissenschaftlichen Forums des Speyerer Dombauvereins nahm Professor Dr. Christofer Herrmann, der an der Universität von Danzig lehrt, ---- eine interessierte Zuhörerschaft mit auf einen „virtuellen Rundgang“ durch die skandinavische Kathedrale und verdeutlichte eindrucksvoll die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede ---- zwischen den Domen in Speyer und Lund. Die gut besuchte Veranstaltung fand traditionsgemäß im Vortragssaal der Volksbank Kur- und Rheinpfalz Speyer statt.

Seinen Vortrag begann Kunsthistoriker Hermann mit einer nützlichen methodischen Betrachtung kunsthistorischer Vergleiche. Anhand von Beispielen zeigte er, wann von einer bloßen Ähnlichkeit, wann von einer Nachahmung und wann gar von einer Kopie gesprochen werden kann.

Ausgangspunkt für die konkrete Betrachtung war der älteste Bauteil der Kirche von Lund: die Krypta. Die Ähnlichkeit zu Speyer sei hier so augenfällig, so Herrmann, dass einen „sofort das Speyer-Gefühl“ befalle, wenn man sie beträte. Die Grundanlage und das Stützensystem sind beinahe mit dem von Speyer identisch. Geringe Modifikationen ergeben sich allein dadurch, dass die Krypta in Lund um etwa ein Drittel kleiner ist wie die im  Speyerer Dom.
Die sichelförmigen Gurtbögen mit dem markanten Farbwechsel aus der Speyerer Krypta finden sich auch in Lund, wenn auch der Farbwechsel auf Grund des unterschiedlichen Materials hier weniger deutlich ist. Auch die Gestaltung der Säulen mit attischer Basis, Schaftring und Würfelkapitel sowie profiliertem Kämpfer wurde in Lund exakt kopiert. Allein einige Schäfte wiesen figürliche und ornamentale Verzierungen auf, „gewisse Eigenarten, die sich gegen den Kopierwillen durchsetzten“ und vielleicht der Mitwirkung englischer Bauleute geschuldet seien.
Um zu verdeutlichen, warum in Lund von einer Kopie und nicht von einer bloßen Ähnlichkeit gesprochen werden kann, lenkte Herrmann den Blick nach Köln. Die Krypta der Kirche St. Maria im Kapitol zeigt ebenfalls Ähnlichkeiten mit Speyer, unterscheidet sich aber in der Grundanlage und bei in der Gestaltung der Stützen doch entscheidend.

Zurück in Lund, widmete sich Hermann bei seiner Betrachtung nun der Gesamtanlage der Kirche. Diese besitzt als dreischiffige Basilika den gleichen Grundtypus wie Speyer, hat jedoch nicht die gleiche turmreiche Gestaltung. Im Innern unterscheidet sich die Wandordnung deutlich von Speyer. Es finden sich jedoch einige Architekturzitate aus Speyer, so dass sich ein Vorbildcharakter auch für das aufgehende Mauerwerk attestieren lässt.
Die Apsis der Kirche in Lund besitzt außen den gleichen Aufbau wie die Apsis in Speyer. Über einer Sockelzone gibt es eine Blendengliederung und darüber eine Zwerggalerie. Dass die Blendengliederung in Lund zweizonig ist, könnte auf den Einfluss niederrheinischer Kirchen zurückzuführen sein.
Wie in Speyer lassen sich auch in Lund im Querhaus Apsiden mit vorgeblendeten Ädikulen finden. Hier gibt es jedoch in Lund leichte Abwandlungen. Die figürliche Verzierung mit Fabelwesen weist wiederum eine erstaunliche Ähnlichkeit auf. Von einer exakten Kopie lässt sich bei der Gestaltung der korinthischen Kapitelle sprechen.

Anlass für den Dombau zu Lund war wohl die Lösung des Bistums Lund  aus der Abhängigkeit des Bremer Erzbistums im Jahr 1103. Als eigenständige Erzdiözese bildete Lund das kirchliche Zentrum Skandinaviens und war über einige Zeit hinweg die größte Diözese der Christenheit. Infolge dieser Rangerhöhung ließ Erzbischof Asker ab 1104 einen neuen, seiner Stellung würdigen Dom errichten. Wahrscheinlich suchte er auf Reisen nach Vorbildern für diesen neuen Kirchenbau. Am Oberrhein könnte er auch deshalb fündig geworden sein, weil mit dem Tod Heinrichs IV. 1106 die Bautätigkeit am Speyerer Dom quasi erlosch und nur noch notdürftig zu Ende gebracht wurde. Die teuren, hochspezialisierten Fachleute aus Italien, die hier tätig gewesen waren, konnten daher leicht abgeworben werden. Einzelne junge und fähige Steinmetze oder gelehrige Schüler vom Rhein traten wohl die Reise nach Lund an, wie die frappierenden Übereinstimmungen an Bauformen und Bauskulptur dort zeigen. Lund ist allerdings keine exakte Kopie von Speyer, sondern verfügt in Grundriss und Skulptur über gewisse Eigenheiten, die dafür sprechen, dass neben den lombardischen ‚Spitzenkräften‘ aus dem Rheinland auch regionale, möglicherweise auch englische Steinmetze in Lund beschäftigt waren.

Zuletzt betrachtete Professor Herrmann die jüngere Geschichte des Doms zu Lund. Das Gebäude, das durch die in der Gotik aufgesetzten Gewölbe an statischen Problemen litt und schwere Schäden aufwies, wurde im 19. Jahrhundert umfassend restauriert. Wie damals üblich, ging es dabei jedoch nicht nur um eine Erhaltung der historischen Bausubstanz sondern um deren „Verbesserung“. So plante der zuständige Architekt Zettervall eine Ergänzung des Baus durch eine Turmgruppe. Dass er sich dabei wiederum an Speyer orientierte, ist angesichts eines Planungsmodells ganz offensichtlich.

Dass der Dom von Lund wiederum Vorbild für Kirchenbauten war, zeigte Herrmann an Beispiel der Dome in Ribe und Viborg.  So ermöglichte diese umfassende Betrachtung nicht nur eine Einordnung des Doms zu Lund in den europäischen Kontext der romanischen Architektur, sondern warf auch ein erhellendes Licht auf die Architekturrezeption und Bautradition, die vom Speyerer Dom Richtung Norden ausging.

Text / Fotos: Friederike Walter

 

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