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Freitag, 13. Oktober 2017

"Menschen sind keine Handelsware"

Schwester Yvonne Clémence Bambara aus Burkina Faso zu Gast im Bistum Speyer - Veranstaltungen in Homburg, Schifferstadt, Neustadt, Mutterstadt und Contwig

Im lebhaften Austausch über die Entwicklung in Burkina Faso: Regina Schackert (Freundeskreis Burkina Faso), Schwester Yvonne Clémence Bambara, Christoph Fuhrbach (Bistum Speyer) und Gabi Riefling-Repp (Weltladen Schifferstadt). 

Schifferstadt. Der Oktober ist traditionell der „Monat der Weltmission“. In diesem Jahr steht das westafrikanische Land Burkina Faso im Mittelpunkt der Aktion. Aus diesem Anlass besucht Schwester Yvonne Clémence Bambara von den „Schwestern vom Guten Hirten“ vom 13. bis 19. Oktober das Bistum Speyer. Sie ist Projektpartnerin des katholischen Hilfswerkes missio München, das sie zusammen mit weiteren Gästen zum „Monat der Weltmission“ nach Deutschland eingeladen hat. Bei einem Pressegespräch im Weltladen Schifferstadt berichtete sie aus ihrem Heimatland und dem Einsatz der „Schwestern vom Guten Hirten“ für Mädchen und junge Frauen in Not.

Burkina Faso, eine ehemals französische Kolonie, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Rund die Hälfte der rund 20 Millionen Einwohner lebt unter der Armutsschwelle. Rund ein Drittel der Kinder sind unterernährt. Zwei Drittel der Menschen können weder lesen noch schreiben. „Ein großes Problem ist der Menschenhandel. Mädchen und junge Frauen werden mit falschen Versprechungen nach Burkina Faso gelockt, wo sie dann als Sex-Sklavinnen verkauft oder zur Prostitution gezwungen werden“, berichtet Schwester Yvonne Clémence Bambara. Sie hat im Senegal und in Kanada soziale Arbeit studiert hat und arbeitet in Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt in Burkina Faso, in einem Zentrum ihres Ordens für Mädchen und junge Frauen. „Manche der Mädchen können fliehen. Wir bieten ihnen einen Zufluchtsort und helfen ihnen dabei, in ihre Heimatländer zurückzukehren“, erzählt die couragierte Ordensfrau, die zusammen mit ihren vier Mitschwestern und zehn weltlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch schon gefährliche Situationen bewältigen musste.

Die Ordensschwestern helfen den Frauen, eine selbständige Existenz aufzubauen

Viele minderjährige Mädchen werden in Burkina Faso gegen ihren Willen verheiratet. Die Männer könnten vom Alter her ihre Väter oder Großväter sein. „Diese Zwangsverheiratungen haben häufig finanzielle Gründe. Manche Mädchen brechen unter diesem Druck aus, fliehen von zuhause und treiben sich auf der Straße rum“, so Schwester Yvonne. „Wir nehmen diese Mädchen auf, helfen ihnen beim Gespräch mit der Familie und suchen mit ihnen nach einem Ausweg.“ Immer wieder komme es vor, dass junge Frauen sexuell missbraucht oder unverheiratet schwanger würden. „In der Tradition unseres Landes bedeutet das den Bruch mit der Familie. Die Frauen werden von ihren Familien regelrecht verstoßen.“ Manche versuchen, das werdende Kind abzutreiben, was auch für sie selbst ein großes Gesundheitsrisiko bedeutet. „Wir bieten den Frauen psychologische Betreuung an und sorgen dafür, dass sie sich eine eigenständige Existenz aufbauen können, zum Beispiel durch eine Ausbildung zur Köchin oder Näherin.“ Auch bei der Versöhnung mit der Familie sowie beim Kontakt zum Vater des Kindes stehen die Schwestern den Frauen zur Seite. Die meisten bleiben etwa ein Jahr in dem Aufnahmezentrum, manche auch länger, wenn sie noch die Schule absolvieren oder eine Berufsausbildung machen wollen. Das Kind wird in dieser Zeit im Kindergarten des Aufnahmezentrums betreut.

Aktuell kümmern sich die Schwestern und ihr Team um zwölf junge Frauen. Das jüngste Mädchen ist gerade einmal elf Jahre alt. „Menschen dürfen keine Handelsware sein. Wir wollen Leben retten, deshalb haben wir keine andere Wahl“, sagt Schwester Yvonne auf die Frage nach ihrer Motivation. Vom dem seit 1960 unabhängigen Staat erfahren die Ordensschwestern keinerlei Hilfe. Umso wichtiger ist für sie die Unterstützung durch das katholische Hilfswerk missio und private Spender.

Aus Begegnung wurde Freundschaft

Die Menschen in Burkina Faso haben in Schifferstadt viele Unterstützer. Seit eine Gruppe von 15 Jugendlichen und zwei Priestern im Jahr 2005 anlässlich des Weltjugendtages in Köln in Schifferstadt mehrere „Tage der Begegnung“ verbrachte, besteht „nicht nur Kontakt, sondern eine wirkliche Freundschaft zu den Menschen dort“, berichten Regina und Gerhard Schackert. Rund 320 Unterstützer hat der Freundeskreis Burkina Faso inzwischen gewonnen. Sie helfen mit Patenschaften und Projekte. So wurden mittlerweile vier Brunnen gebohrt, eine Schule mit sechs Klassen steht gerade vor der Vollendung. Als nächstes Projekt soll eine Geburts- und Krankenstation eingerichtet werden. „Ernährung, Bildung und medizinische Versorgung sind für die Entwicklung des Landes und der Menschen die entscheidenden Ansatzpunkte“, unterstreichen Regina und Gerhard Schackert.

Weltladen bietet fair gehandelte Produkte unter anderem aus Burkina Faso an

Burkina Faso ist auch im Sortiment des Weltladens Schifferstadt eine wichtige Säule. Vor rund einem Jahr haben die rein ehrenamtlich engagierten Helferinnen den Weltladen in der Schifferstadter Lillengasse aus der Taufe gehoben. „Schifferstadt wurde vor vier Jahren zur ‚Fairen Stadt‘. Da gehört ein Weltladen einfach dazu“, betont Gabi Riefling-Repp vom Steuerungskreis. Etwa 50 Mitglieder zählt der Verein „FAIReint Schifferstadt“, von denen etwa die Hälfte auch im Weltladen kräftig mit anpackt. Angeboten werden fair gehandelte Lebensmittel, Kunsthandwerk und Upcycling-Produkte. Viele stammen aus afrikanischen Ländern und aus Projekten, die sich die Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen und Kinder zum Ziel gesetzt haben. „Wir haben inzwischen einen festen Kundenstamm, aber natürlich dürfen es gern noch mehr werden. Wir freuen uns auch noch über neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter“, erklären die engagierten Frauen vom Schifferstadter Weltladen.

 

Veranstaltungen mit Schwester Yvonne Clémence Bambara im Bistum Speyer:

  • Samstag, 14.10. ,14 - 18 Uhr, Homburg/Saar, Kardinal-Wendel-Haus, Kardinal-Wendel-Straße 10, Begegnungs- und Studiennachmittag „Furchtlos für Frauen in Burkina Faso“; Veranstalter: Katholische Frauengemeinschaft Deutschland (kfd), Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB), Frauenseelsorge im Bistum Speyer
  • Sonntag, 15.10., 10.30 Uhr, Schifferstadt, Kirche St. Jakobus, Gottesdienst und anschl. Vortrag von Sr. Bambara im Pfarrzentrum
  • Dienstag, 17.10., 10-14 Uhr, Neustadt, Kurfürst Ruprecht Gymnasium, Unterrichtsbesuche von Sr. Bambara in verschiedenen Klassen
  • 19.30 Uhr, Mutterstadt, Pfarrzentrum, Speyererstr. 53, Vortrag/Abendveranstaltung mit Sr. Bambara
  • Mittwoch, 18. 10., 19 Uhr, Contwig, Kirche St. Laurentius, Gottesdienst mit Ansprache, anschl. Vortrag „Furchtlos – für starke Frauen“ mit Sr. Bambara;
  • Donnerstag, 19.10., 9.45 bis 11.10 Uhr, Contwig, Integrierte Gesamtschule, Unterrichtsbesuche in den 10. Klassen von Sr. Bambara

 

Sonntag der Weltmission

Höhepunkt des Monats der Weltmission ist der Sonntag der Weltmission, der in diesem Jahr am 22. Oktober gefeiert wird. Er wurde 1926 von Papst Pius XI. eingeführt und ist eine der großen Solidaritätsaktionen der katholischen Kirche weltweit. Die Kollekte kommt den Kirchen in aller Welt zugute. Gleichzeitig beten die Gläubigen weltweit füreinander. Sie setzen damit ein Zeichen, dass Kirche nicht allein die Kirche in der eigenen Stadt oder dem eigenen Dorf meint, sondern eine weltweite Gemeinschaft ist. Der Sonntag der Weltmission steht in diesem Jahr unter dem Leitwort "Du führst mich hinaus ins Weite" (Psalm 18).

 

Weiter Informationen zum katholischen Hilfswerk missio:

www.missio.com

 

Weitere Informationen zum Freundeskreis Burkina Faso Schifferstadt:

https://burkinafasoreise.wordpress.com/

 

Kontakt zum Weltladen Schifferstadt:

Weltladen Schifferstadt, Lillengasse 8, Öffnungszeiten: MO, DI, DO, FR 10 bis 12.30 Uhr und 15.30 bis 18.30 Uhr, MI 10 bis 12.30 Uhr, SA 10 bis 13 Uhr, Telefon 0176-42048227

 

 Text und Foto: is 

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