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Montag, 13. November 2017

„Herz einer Synagoge und Kraftquelle“

Jüdische Gemeinde Kaiserslautern nimmt eine neue Thorarolle in Dienst – Bistum Speyer unterstützt die Anschaffung mit 2.500 Euro

Die jüdische Gemeinde Kaiserslautern hat eine neue Thorarolle, zu deren Finanzierung das Bistum Speyer beitrug, in Dienst genommen. 

Kaiserslautern – Mit einem feierlichen Gottesdienst hat die jüdische Gemeinde Kaiserslautern eine neue Thorarolle in Dienst genommen. Viele Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirche, darunter der Ökumenebeauftragte des Bistums Speyer Thomas Stubenrauch, waren zu diesem Anlass gekommen. In ihren Grußworten bezeichneten sie das Ereignis als Tag der Freude und als Zeichen, dass das Judentum Teil der deutschen Gesellschaft und Kultur sei. Sie fanden aber auch mahnende Worte angesichts populistischer Tendenzen und antisemitischer Strömungen.

„Heute ist ein wichtiger Tag für die jüdische Gemeinde, für die Stadt Kaiserslautern und für die ganze jüdische Gemeinschaft in Deutschland.“ Mit diesen Worten würdigte Rabbiner Yitzhak Hoenig die Entstehung der neuen Thorarolle. Dieser Tag zeige, so Hoenig, „dass das Judentum auch nach dem schwarzen Kapitel der deutschen Geschichte die Kraft hat, sich zu erneuern“. Unter einem Baldachin und begleitet von freudigem Gesang trugen er und weitere Gemeindemitglieder die reich verzierte Schriftrolle, auf denen die fünf Bücher Mose von Hand aufgeschrieben sind, in den Gebetsraum. Mit dem gesungenen Vortrag des letzten Abschnitts der Thora, in dem von der Ankunft des Volkes Israel im Gelobten Land und vom Tod des Moses berichtet wird, wurde sie eingeweiht.

„Jede jüdische Gemeinde muss ihre Thora finden“, so Rabbiner Jehuda Puschkin, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Die Thora, so Puschkin, sei ein Zeichen dafür, „dass Gott mit jeder Gemeinde seinen Bund erneuert“. Grüße der Landesregierung überbrachte Kultusminister Konrad Wolf. Er erinnerte an die „reiche jüdische Geschichte der Pfalz“, aber auch daran, dass durch das NS-Regime das jüdische Leben in Kaiserslautern fast völlig ausgelöscht worden war. Er dankte vor allem den beiden Kirchen und allen Institutionen und Einzelpersonen, die die Anschaffung der Thorarolle finanziell unterstützt und ermöglicht haben. Dadurch hätten sie ihren festen Willen zum Ausdruck gebracht, „friedlich zusammenzuleben und dem anderen mit Achtung begegnen zu wollen“. Zugleich rief er zum „entschiedenen Widerspruch“ gegen alte und neue Formen der Judenfeindlichkeit auf.

Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bezeichnete die neue Thorarolle als „Herz einer Synagogengemeinschaft“ und als „Kraftquelle in Zeiten der Unsicherheit“. Ihre Indienstnahme sei deshalb „Grund der Zuversicht und sichtbarer Ausdruck, dass sich das Judentum in Kaiserslautern zuhause fühlt“. In Erinnerung an den „Zivilisationsbruch der Shoa“ und angesichts aktueller Herausforderungen sei die gesamte Gesellschaft gefordert, „aktiv daran zu arbeiten, dass diese Zuversicht berechtigt bleibt“. Durch entschiedenen Widerstand „gegen Hetze und Ausgrenzung und gegen jede Form einer Relativierung der Vergangenheit“ gelte es deutlich zu machen: „Wir lassen uns nicht nehmen, was wir gemeinsam erreicht haben.“ 

Oberbürgermeister Klaus Weichel zeigte sich „froh über die Präsenz der jüdischen Gemeinde in Kaiserslautern, durch die das kulturelle Leben bereichert wird“. Ihm sei daran gelegen, dass Kaiserslautern auch weiterhin eine „weltoffene Stadt“ bleibe, in der „Bürger aus 145 Ländern, aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen friedlich zusammenleben“. Am Ende dankte der Vorsitzende der Jüdischen Kulturgemeinde der Rheinpfalz Israel Epstein allen Spenderinnen und Spendern und überreichte ihnen Dankesurkunden, darunter auch Ökumenereferent Thomas Stubenrauch. Das Bistum Speyer hatte sich mit 2.500 Euro an der Anschaffung der neuen Thorarolle beteiligt. Damit, so Stubenrauch, „weisen wir auf die bleibende Verbundenheit zwischen uns Christen und den Juden als unseren älteren Geschwistern im Glauben hin“.

Text: is/Foto: Fotolia

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