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Dienstag, 02. Januar 2018

"Wir bemühen uns um Integration, ohne unsere Wurzeln zu verlieren"

Koptisch-orthodoxe Christen mit mehreren Gemeinden in Rheinland-Pfalz präsent – Vielfältige Unterstützung auch durch die katholische Kirche

Diakon Dr. Bishoy Solimann (5. von links) im Gespräch mit den Vertretern der Flüchtlingshilfe des Bistums und des Caritasverbandes Speyer. Der Caritas-Vorsitzende Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer (4. von rechts) ermutigte die koptisch-orthodoxen Christen, die Hilfe der Caritas-Zentren in Anspruch zu nehmen. 

Einen Einblick in die Lebenssituation koptisch-orthodoxer Flüchtlinge gab Diakon Dr. Bishoy Soliman aus Kaiserslautern bei einer Begegnung mit den Verantwortlichen für die Flüchtlingshilfe des Bistums und des Caritasverbandes Speyer. Der ägyptische Arzt schilderte, wie sich das politische Klima in seinem Heimatland seit mehreren Jahrzehnten verändert hat und das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Christen immer stärker unter Druck geraten ist.

„Seit den 70er-Jahren radikalisiert sich die ägyptische Gesellschaft, die Vorherrschaft des Islam wird immer offensiver proklamiert und eingefordert. Die koptisch-orthodoxen Christen im Land sind Opfer dieser Radikalisierung. Sie werden immer stärker benachteiligt und zurückgedrängt, von Schikanen und Anfeindungen im Alltag bis hin zu den schrecklichen Anschlägen der vergangenen Monate“, berichtet Soliman. Rund 20.000 koptisch-orthodoxe Christen sind seit den 70er-Jahren nach Deutschland geflohen, davon rund ein Viertel in den vergangenen fünf Jahren, als sich mit der Herrschaft der Muslimbrüder die politische Situation in Ägypten noch einmal stark verschlechtert hat. Die ersten koptisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland wurden in den 70er-Jahren gegründet. Ihr geistliches Zentrum für Süddeutschland ist das St. Antonius-Kloster im hessischen Kröffelbach, benannt nach dem ägyptischen Mönchsvater Antonius.

In Rheinland-Pfalz gibt es koptisch-orthodoxe Gemeinden in Bitburg, Mainz, Bad Kreuznach, Mainz und Kaiserslautern. „Die Kirche ist für koptisch-orthodoxe Christen wie eine Mutter“, erklärt Soliman. Der Priester sei traditionell auch Ansprechpartner zum Beispiel bei Nachbarschaftsproblemen oder bei Schwierigkeiten mit Ärzten und Behörden. „Wir bemühen uns in unseren Gemeinden um Integration, gleichzeitig wollen wir unsere Wurzeln nicht vergessen.“ Die Gottesdienste spielen für das Gemeindeleben eine zentrale Rolle und dauern mehrere Stunden, an kirchlichen Hochfesten sogar bis zu sechs Stunden. Sie richten sich an koptisch-orthodoxe Christen, aber sind auch offen für Angehörige anderer orientalisch orthodoxer Kirchen. An mehreren Orten nutzen die Gemeinden Räume der katholischen Kirche, so zum Beispiel in Kaiserslautern die Kirche St. Martin, das Bistumshaus und im Gymnasium St. Franziskus. „Für diese Form der Unterstützung sind wir sehr dankbar“, so Soliman.

Die Mehrheit der koptisch-orthodoxen Flüchtlinge kommt aus Dörfern im Süden Ägyptens. Sie sind geflohen vor Diskriminierung, Verfolgung oder Benachteiligungen aufgrund ihres Glaubens. „Durch Sprachkurse der Caritas wurden die ersten Schritte bei der Integration sehr erleichtert“, sagt Soliman und weist daraufhin, dass rund 90 Prozent der koptischen Christen ihren Lebensunterhalt durch eigene Arbeit und ohne Hilfe des Staates verdienen. Probleme ergeben sich, wenn die Anerkennung als Flüchtling verweigert wird und eine Abschiebung droht. „Es ist eine Illusion zu meinen, Ägypten sei für Christen ein sicheres Herkunftsland“, betont Soliman. Besonders hart sei, wenn Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland die Schule besucht oder eine Ausbildung absolviert haben.

Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, der Vorsitzende des Caritasverbandes, ermutigte die Angehörigen der koptisch-orthodoxen Gemeinden, die Hilfen der Caritas-Zentren in den Dekanaten in Anspruch zu nehmen. „Wir haben in jedem Caritas-Zentrum ausgewiesene Fachleute für Migration und Integration, die zum Beispiel auch bei einer rechtlichen Prüfung des Asylverfahrens behilflich sein können.“ Das Bistum Speyer und sein Caritasverband haben vor rund zwei Jahren die Aktion „Teile und helfe“ gestartet mit dem Ziel, einen Überblick über die Hilfen für Flüchtlinge im Bistum Speyer zu geben, die Vernetzung der Aktiven zu fördern und weitere Hilfen für Flüchtlinge anzuregen. Die Hilfsaktion gibt fachliche Impulse, wie man Flüchtlingen helfen kann. Sie wirbt für eine Haltung der Offenheit und Solidarität gegenüber den Menschen, die als Flüchtlinge in unser Land kommen.

Begleitet wurde Diakon Soliman beim Gespräch in der Zentrale des Caritasverbandes vom Ökumene-Referenten des Bistums Speyer Dr. Thomas Stubenrauch. Er wies darauf hin, dass die Erfahrungen der koptisch-orthodoxen Christen auch von Angehörigen weiterer orientalisch-orthodoxer Kirchen geteilt werden. Dazu zählen zum Beispiel die Angehörigen der syrisch-orthodoxen Kirche, der eritreisch-orthodoxen Kirche oder der armenischen Kirche. Seit dem Jahr 2015 seien rund 150.000 bis 200.000 christliche Flüchtlinge aus östlichen Kirchen nach Deutschland gekommen. „Das Bistum Speyer steht mit den Vertretern der anderen christlichen Kirchen im Austausch“, berichtete Stubenrauch. Die koptisch-orthodoxe Kirche wurde vor wenigen Monaten in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Region Südwest aufgenommen.

Kontakt:

Diakon Dr. Bishoy Soliman
Konrad-Adenauerstraße 45
67663 Kaiserslautern
Telefon: 0176 / 93182262
E-Mail: bishoys81@yahoo.com

Weitere Informationen zu koptisch-orthodoxen Gemeinden in Deutschland:

http://kopten.de/

Weitere Informationen zur Hilfsaktion „Teile und helfe“:

www.teile-und-helfe.de

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