Donnerstag, 13. August 2015

Biblischer Weinwanderweg in Kirrweiler

Weihbischof Otto Georgens segnet den biblischen Weinwanderweg 

Weihbischof Otto Georgens segnet neuen Stationenweg

Kirrweiler (13.08.2015). Wie kann man einen biblischen Weinwanderweg am besten einweihen? Natürlich mit einer Weinwanderung, abgeschmeckt mit zahlreichen Bibelzitaten und natürlich Wein. Rund 200 Menschen folgten am frühen Mittwochabend in Kirrweiler dem Ideengeber, Pfarrer i.R Gerd Babelotzky, sowie Ortsbürgermeister Rolf Metzger und schritten die ersten Stationen ab. Weihbischof Otto Georgens war der Einladung aus Kirrweiler gefolgt. An der ersten Stele segnete er den biblischen Weinwanderweg.

Start- und Endpunkt des 2,5 Kilometer langen Wegs durch die Weinberge ist die Marienkapelle am Friedhof. Der Weinwanderweg besteht aus insgesamt zwölf Stationen, die durch Steinstelen markiert sind. Auf ihnen sind Kupfertafeln angebracht, die Zitate aus der Bibel rund um den Rebensaft wiedergeben und erläutern. Den Anstoß zum Biblischen Weinwanderweg brachte Gerd Babelotzky. Seit mehr als 25 Jahren tischt er biblische Weinproben auf und bringt dabei Namen von Pfälzer Weinlagen wie Paradies über Hölle und Liebesbrunnen bis hin zu Himmelreich mit der Heiligen Schrift in Verbindung. Dieser Idee folgt auch der Weinwanderweg. Die Stationen greifen verschiedene Bedeutungen des Weins in der Bibel auf – als Symbol für Liebe und Frieden oder Lebenswasser. Der Weinwanderweg verschweigt aber auch nicht die Gefahren durch übermäßigen Weingenuss.

Als Babelotzky vor gut einem Jahr seine Idee Ortsbürgermeister Rolf Metzger vorstellte, war dieser sofort begeistert. "Der Weinwanderweg passt gut zu unserer Geschichte", sagte der Ortschef am Mittwoch. Auf seine Historie ist der Winzerort besonders stolz, war er doch früher Oberamt und Sommerresidenz der Fürstbischöfe des alten Bistums Speyer. Vor vier Jahren ließen die Kirrweiler die alte Tradition des Weinzehnts wiederaufleben und liefern den Bischöfen ein Zehntel (Zehnt) des Ertrags des bischöflichen Weinbergs. Denn noch immer gehört dem bischöflichen Stuhl ein Wingert in der Gemarkung Kirrweiler. Der Weinzehnt-Wein wurde übrigens auch bei der Einweihung des Weinpfads verkostet: Jeder erhielt einen kleinen Probierschluck.

Der Biblische Weinwanderweg soll zum Anhalten und zur Besinnung anregen, so Metzger weiter. Babelotzky ist überzeugt, dass von nun an "Wingerte zu Ihnen sprechen", sagte er verschmitzt zu den Umstehenden. An Station zwei, die sich um den Baum des Lebens dreht, hob er das zentrale Bibelwort Jesu "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben" hervor. Religion heiße Rückbindung, unterstrich der frühere Pfarrer, Familienseelsorger und Dekan. Wer sich binde, an etwas festhalte, könne wie der Weinstock gen Himmel wachsen.

Weihbischof Otto Georgens scherzte und freute sich, nicht nur "Weih-, sondern auch Woibischof" zu sein. Für das Ereignis hatte er sich einen blauen Winzerkittel übergezogen und verwies stolz auf seine Herkunft: Er stammt aus einem Winzerhaus in Weisenheim am Berg. Georgens nannte den biblischen Weinwanderweg eine "geniale Idee" und zitierte den Pfälzer Mundartdichter Paul Tremmel: "Und wer der Wein verboten, weil dies in Gottes Sinn, stünd' in den zehn Geboten das wohl ganz sicher drin. Doch weil da nicht geschrieben, dass man nichts trinken sollt', hat Gott dies – meine Lieben – doch wohl auch nicht gewollt." Der Weihbischof verwies auf Abendmahl und Eucharistie und hob hervor, dass sich durch den Wein Glauben und Leben verbinden.

Die Kosten in Höhe von rund 35.000 Euro hat die Ortsgemeinde Kirrweiler vorfinanziert, sagte Metzger. Die Summe soll durch Spenden refinanziert werden. Babelotzky verkündete stolz, dass bereits zahlreiche Stelen gespendet wurden.

Keine Einweihung ohne Musik. Für sie sorgte der Katholische Kirchenchor Kirrweiler mit 22 Sängerinnen und Sängern. Passend zum Anlass gab er "Auf allen Wegen", "Nimm dir Zeit zum Leben" und "Ich bin der Weinstock" zum Besten.

Text / Foto: wagner