Samstag, 15. August 2015

Pontifikalamt an Mariä Himmelfahrt

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann 

„Gebrochen aber nicht zerbrochen“ – Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann nimmt Flüchtlinge in den Blick

Speyer (15.08.2015). Der Speyerer Dom ist ein Mariendom. 1061 wurde er der Mutter Gottes geweiht. Zum Patronatsfest Mariä Himmelfahrt feierte am Vormittag des 15. August Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann ein festliches Pontifikalamt. Es folgten weitere Gottesdienste bis mit der Festtag mit einer feierlichen Lichterpozession endete.

In seiner Predigt griff Bischof Wiesemann seine Polen-Reise zur Vorbereitung des Welt-Jugendtages auf, bei der er Krakau aber auch Auschwitz besichtigte. Besonderen Eindruck auf ihn habe der Besuch einer Ausstellung von Gemälden eines KZ-Überlebenden in einem Minoriten-Kloster in der Nähe von Auschwitz gemacht. Die eintätowierte Nummer sei Symbol der Anonymisierung des Individuums zur Masse. Mariä Himmelfahrt steht dagegen für die Auferstehung einer tatsächlich gestorbenen, individuellen Person, die Aufnahme mit Leib und Seele sei ein eindeutiges Zeichen für die Bejahung des Lebens.

Besonders wichtig sei die Bedeutung des einzigartigen Lebens jedes Menschen angesichts der Flüchtlingsströme, die uns heute wie anonyme Massen scheinen könnten. „Ihre Leben sind durch die Katastrophe der Vertreibung und Flucht gebrochen, aber nicht zerbrochen, ebenso wie Maria eine gebrochene aber nicht zerbrochene Frau ist“, so Bischof Wiesemann in seiner Predigt.

Viele Dombesucher hatten Sträuße mit Kräutern und Blumen mitgebracht, die von Bischof Wiesemann im Gottesdienst gesegnet wurden. Einer alten Tradition entsprechend sollen sie deutlich machen, dass die ganze Schöpfung unter dem Segen Gottes und der Verheißung der österlichen Vollendung steht. 

Für die musikalische Gestaltung des Hochfestes sorgten der Ferienchor der Dommusik und die Dombläser unter der Leitung von Domkapellmeister Markus Melchiori. Die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub.

Weihbischof Otto Georgens feierte das Hochfest Mariä Himmelfahrt in der Kathedrale von Straßburg als Konzelebrant zusammen mit Kardinal Paul Poupard und Erzbischof Jean-Pierre Grallet. Wie der Speyerer Dom so ist auch das Strßburger Münster der Mutter Gottes geweiht. 

Festliche Lichterprozession am Abend

Die erste Messe des Tages wurde um 7:30 Uhr gefeiert. Die Pontifikalvesper, musikalisch gestaltet von der Schola Cantorum Saliensis, begann um 16.30 Uhr. Um 18 Uhr wurde wieder eine Messe im Dom gefeiert. Ein Rosenkranz-Gebet um 20 Uhr bereitete auf die anschließende Marienfeier mit Lichterprozession vor. Regens Markus Magin predigte bei der Marienferier um 20 Uhr. Ausgehend von dem Fresko der Marienkrönung im Kaisersaal beschäftigte er sich mit dem Titel Marias als Himmelskönigin. Der Festtag schloss mit einer stimmungsvollen Lichterprozession durch den Domgarten. Die musikalische Gestaltung der abendlichen Liturgie übernahm Markus Eichenlaub an der Orgel sowie der Dompfarrchor und die Dombläser.

Die Kräuterweihe, die auf die von Gott gegebene Schönheit und Heilkraft der Schöpfung hinweist, fand in allen Gottesdiensten statt.

Hauptfest unter den Marientagen

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel wird von der katholischen und der orthodoxen Kirche als Hauptfest unter den Marientagen gefeiert. Erstmals ist es in der armenischen Kirche für die Mitte des fünften Jahrhunderts bezeugt. Auch im Bistum Speyer hat die Verehrung der in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter eine alte Tradition. Im Jahr 670 wird in einer Schenkungsurkunde des Merowingerkönigs Hilderich II. zum ersten Mal Maria als Patronin der Diözese genannt. Ebenso hatte schon die Vorgängerkirche des jetzigen salischen Domes das Marienpatrozinium. Seit dem Mittelalter machte das Gnadenbild der „Patrona Spirensis“ den Dom zu einem Mittelpunkt der Marienverehrung für das ganze Bistum Speyer.

Text und Foto: Bastian Hoffmann