Montag, 26. März 2018

Studientag: „Wenn eine/r von uns geht…“

Über 60 Interessierte nahmen an dem Studientag "Wenn eine/r von uns geht" teil. 

Über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Studientag zum Thema Sterben, Tod und Trauer bei Menschen mit Behinderung

Speyer. „Ich hätte gerne eine Fortsetzung“, resümierten viele Teilnehmer des Studientags „Wenn eine/r von uns geht… Sterben, Tod und Trauer bei Menschen mit Behinderung“, der Anfang März im Priesterseminar Speyer stattfand. Veranstalter der Fortbildung waren die Seelsorge für Menschen mit Behinderung und die Hospiz- und Trauerseelsorge im Bistum Speyer.

Wenn eine/r von uns geht, was mache ich dann? Wie handle ich richtig? Diese Frage stellen sich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Behindertenhilfe, aber auch Angehörige von Menschen mit Behinderungen. Wie gehe ich selbst mit dem Thema um und wie kann ich anderen Menschen helfen, damit umzugehen? Wie trauern Menschen mit Behinderung überhaupt? 

Der Studientag gab Impulse, mit dem Tabu des Themas zu brechen und sich selbst und seinen Umgang mit Trauernden und Sterbenden zu hinterfragen. Doch wieso ist dieses Thema überhaupt so schwierig für viele Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung?

„Wir sind oft überfordert mit den Emotionen trauernder Menschen und müssen erst lernen, damit umzugehen“, so Kerstin Fleischer, Referentin der Hospiz- und Trauerseelsorge im Bistum Speyer. Tod und Trauer lösen oft unterschiedlichste Ängste in den Menschen aus, die durch das Tabuisieren noch gefördert werden. Das Sterben gehört zum Leben dazu. Daher ist es wichtig zu lernen, damit umzugehen und darüber zu sprechen, damit wir selbstverständlich auf die Dinge reagieren können.

Nach der Begrüßung der Teilnehmenden durch Susanne Laun, Leiterin der Abteilung Besondere Seelsorgebereiche, stellte Johannes Blaurock, Verbundleiter in der Stiftung Haus Lindenhof in Schwäbisch Gmünd das Konzept und den Leitfaden „Leben in Fülle“ vor und berichtete von konkreten Erfahrungen im Umgang mit den Themen Sterben, Tod und Trauer bei Bewohnern und Mitarbeitenden.

Danach gab es eine erste Workshop-Runde: Sabine Boßle und Simone Schönewald, Religionslehrerinnen  zeigten in ihrem Workshop Möglichkeiten auf, wie man mit Kindern in der Förderschule sich dem Thema nähern kann. Genofeva Frysch aus Freiburg stellte in ihrem Workshop verschiedene Rituale vor, die zum Umgang mit Tod, Trauer und Abschied in Schule und Einrichtung hilfreich sind. Zusammen mit Gebärdendolmetscherin Edeltraud Ruffing konnten sich die Teilnehmenden über die Lebensbegleitung von Menschen mit Hörbehinderung austauschen. Christoph Sommer und Katharina Kintz, Referenten für „Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Speyer“ stellten die Patientenverfügung und Planung des Lebensendes in Leichter Sprache vor.

Die beiden Palliativ-Fachkräfte Nadine Kraus und Edith Krause aus Haus Lindenhof berichteten in ihrem Workshop über die Erfahrungen in der Begleitung von sterbenden Bewohnern und der Unterstützung der trauernden Mitbewohner und Mitarbeitenden in der Einrichtung. Im Workshop von Kerstin Fleischer ging es allgemein um die Trauer und was dabei in mir und anderen geschieht.

Nach Mittagessen und Pause stellte Genofeva Frysch in einem zweiten Impulsreferat das Konzept zum Umgang mit Trauer und Abschied an der Esther-Weberschule, einer Förderschule für körperlich und geistig behinderte Schüler, vor.

Anschließend gab es eine zweite Runde der Workshops. Zusätzlich zu den am Vormittag angebotenen ein Workshop von Thomas Rollersbroich, Religionslehrer an der Altenpflegeschule der Caritas in Ludwigshafen, zum Film „Ich bin Thomas und ich werde sterben“, der von Menschen mit einer geistigen Behinderung gespielt wird.

In der Schlussrunde, zu der alle Teilnehmenden und Workshopleiterinnen und -leiter noch einmal zusammen kamen, gab es vielfach positive Rückmeldungen, die noch einmal den Dank zum Ausdruck brachten, das das oft noch sehr verunsichernde Tabuthema Tod für Mitarbeitende in Einrichtungen und Angehörige durch diesen Studientag aufgegriffen wurde.

Ein positives Resümee zogen Kerstin Fleischer und Christoph Sommer, die gemeinsam den Studientag organisiert hatten. „Wir haben die Veranstaltung das erste Mal so angeboten und freuen uns über die hohe Teilnehmerzahl. Die Rückmeldungen zeigen uns, wie wichtig solche Angebote für Mitarbeiter und Angehörige sind“, so Kerstin Fleischer.

Text/Foto: Abteilung Besondere Seelsorgebereiche