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Donnerstag, 19. April 2018

Mit Parcours Verständnis für Demenz entwickeln

Das Caritas-Altenzentrum St. Martha lädt ein zum Demenz-Parcours

Eine Mahlzeit zuzubereiten, kann Menschen mit Demenz überfordern: Dies erlebten Schüler bei einer Station des Demenz-Parcours, bei der es galt, Fotos von der Zubereitung des Frühstücks in der richtigen Reihenfolge zu sortieren. 

Speyer. Im Caritas-Altenzentrum St. Martha kann man noch bis Freitag, 20. April, täglich erleben, wie es sich anfühlt, dement zu sein oder dement zu werden. Auch wie es ist, mit beginnender Demenz tägliche Anforderungen zu erfüllen, wie sich anziehen, sich ein Frühstück zubereiten, etwas einzukaufen oder Behördendinge zu erledigen, kann man dabei erfahren. 

Wie fühlt es sich an, wenn die einfachen Verrichtungen des Alltages eine große Hürde darstellen, wenn das, was man sein Leben lang ohne nachzudenken gemacht hat, einfach nicht mehr klappt, obwohl man sich doch so anstrengt? Wenn man plötzlich nicht mehr weiß, wie Kaffeekochen geht oder wenn man beim Einkaufen nicht zurecht kommt? Die Erlebnisstationen sind von Symptomen abgeleitet, die im Rahmen einer Demenz auftreten können. Wer sie durchläuft, erhält eine Vorstellung vom Leben mit Demenz. Dabei entstehen persönliche Eindrücke, die der Gefühlswelt von Menschen mit Demenz sehr nahekommen. Die Ausstellung eröffnet damit eine andere Sichtweise auf die Erkrankung und fördert ein neues Verständnis für betroffene Menschen.

Der Demenzparcours richtet sich an alle, die sich vertieft mit dem Thema Demenz auseinandersetzen möchten – so zum Beispiel Angehörige von Menschen mit Demenz, Fachkräfte und Ehrenamtliche, die sich in der Arbeit mit Menschen mit Demenz engagieren oder Auszubildende in der Pflege.

Gleich zu Beginn der Aktion waren acht Schüler der Nikolaus- von-Weis-Realschule Plus zu Gast. Sie befassen sich mit ihrer Lehrerin Magdalena Piechatzek und Caritas-Mitarbeiterin Marie Blechschmidt von youngcaritas im Fach „Soziales Lernen“ unter anderem mit dem Thema Demenz und sind nicht zum ersten Mal im Caritas- Altenzentrum St. Martha zu Besuch. 

Vier Aufgaben warteten auf die Schüler: Pascal und Gregor (jeweils 14) wurden zunächst zum Einkaufen auf den Markt geschickt. Sie sollten eine Liste mit Lebensmitteln und Preisen zwei Minuten lang ansehen. Die Schwierigkeit dabei: Die Liste lag in einer Box. Die Jungs konnten sie nicht direkt lesen, sondern nur durch einen Spiegel von oben. Im Hintergrund reden die anderen durcheinander. Pascal versuchte sich zu konzentrieren. Später sollte er die Lebensmittel und die Preise, an die er sich noch erinnert, aufschreiben und die Preise im Kopf addieren. . Die Spiegelschrift habe ihm keine Probleme bereitet und er hat sich an die meisten Lebensmittel erinnern können, berichtete der Schüler, doch alles in allem meinte er:  „Das war nicht einfach.“

Diese Aufgabe sollte zeigen, dass Menschen, die an Demenz erkrankt sind, Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung, der Lese- und Rechenfähigkeit sowie der Merkfähigkeit haben.  An der nächsten Station kamen Joya und Evelyn an ihre Grenzen. Sie sollten sich Namen und Geburtstage merken und dann eine Karte an denjenigen schicken, der als nächstes Geburtstag hat. Wie die Karte aussieht, war vorgegeben. Sie sollten den Namen darauf schreiben, Blumen und ein Muster zeichnen Aber auch hier konnten sie nur über einen Spiegel sehen, was sie malen und schreiben. „Oh Gott, wo male ich eigentlich“, rief Evelyn frustriet. „Man fühlt etwas anderes als man sieht und das verwirrt im Kopf“, erklärte Joya. Ziemlich schief ist ihre Karte geworden. Der Hintergrund der Übung: Büroarbeit ist eine fast unlösbare Aufgabe für Menschen mit Demenz, soll diese Station verdeutlichen.

Inzwischen waren Pascal und Gregor bei der nächsten Aufgabe. Sie sollten sich mit schweren Arbeitshandschuhen eine Schürze anziehen und die Knöpfe schließen. „Gar nicht so schwer“, fand Gregor und erklärte, dass er zu Hause auf dem Hof der Eltern häufig mit Handschuhen arbeitet und daher ganz gut damit umgehen kann. Dieser Versuch soll simulieren, wie schwer sich alte Menschen, deren Feinmotorik nachlässt, sich beim Anziehen tun. 

Joya und Evelyn machten derweil Frühstück. Sie hatten einen Stapel mit Fotos und sollen sie in die richtige Reihenfolge bringen, so dass sie zeigen, wie der Tisch gedeckt, Kaffee mit Milch und Zucker zubereitet und ein Käsebrötchen geschmiert werden sollte. Den Mädchen wurde klar, wie viele Handgriffe das sind, tatsächlich über 40 Schritte. Sie erkannten: Ganz schön viel zu bedenken - für Menschen mit Demenz oft ein unlösbares Problem.

Die Schüler fanden es interessant, praktische Erfahrungen bei diesem Parcours zu sammeln und sich dadurch bessern in das Thema Demenz und der damit verbundenen Problematik einfühlen zu können. Während die Schüler im jugendlichen Alter noch unvoreingenommen an die Aufgaben herangingen, kämen bei Erwachsenen bei der Bewältigung der Hürden ganz andere Gefühle  auf, betonte Einrichtungsleiterin Gudrun Wolter, die selbst den Parcours ausprobiert hat.  „Es war total frustrierend, sich mit Handschuhen Knöpfe an der Schürze zu schließen. Es war ein beklemmendes Gefühlt, ich bin richtig wütend geworden. Man denkt, das ist so einfach, das müsste man doch hinbekommen“, schilderte sie ihre Erfahrungen. „Es macht schon auch ein bisschen Angst“, bestätigte auch Jana Herbert, die Leiterin der sozialen Betreuung, wie der Parcours auf die Teilnehmer wirkt. Dennoch ermutigte sie, sich den Aufgaben zu stellen:  „Es schafft aber auch viel mehr Verständnis für die Betroffenen, so etwas selbst zu erleben“. 

Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht an Menschen mit Demenz selbst, sondern an alle Interessierten. Den Parcours hat die Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Mainz entwickelt. Der Parcours kann von Montag bis Freitag täglich ab 13 Uhr ausprobiert werden. 

Info und Anmeldung:
Caritas-Altenzentrum St. Martha
Schützenstraße 18
67346 Speyer
Telefon 06232 / 135-0

Text/Foto: Caritasverband Diözese Speyer

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