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Montag, 18. Juni 2018

Leben und Lehre im Dialog miteinander

Rund 60 Betroffene, Seelsorger und Interessierte tauschten Erfahrungen zum Thema „Geschieden und wiederverheiratet“ aus – Bischof Wiesemann: „Weg des Hörens und Helfens eröffnen“

Was bedeutet eine zweite Ehe für die Seelsorge? Axel Ochsenreither (links) im Gespräch mit Pfarrer Daniel Zamilski (Mitte) und Pastoralreferent Dr. Andreas Braun (rechts). 

Kaiserslautern. Was bedeutet es, wenn eine Ehe zerbricht? Wie geht das Leben danach weiter? Welche Auswirkungen hat eine zweite Ehe für das Leben in der Gemeinde und für die Seelsorge? Ein Gesprächsforum am 13. Juni im Edith-Stein-Haus in Kaiserslautern bot Gelegenheit zum Austausch über diese Fragen. Rund 60 Personen, darunter Betroffene, Seelsorger, Mitarbeiter, Vertreter von Räten und Verbänden, erlebten einen Abend, bei dem das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln angegangen wurde.

„Mir war es ein Anliegen, einen Weg des Hörens und des Helfens zu eröffnen, der den Anspruch des Evangeliums nicht verleugnet und sich zugleich mit den Menschen auf den Weg macht“, erklärte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann seine Motivation für die Veröffentlichung einer Handreichung zu dem Thema. Das Bistum wolle offen und einladend auf Wiederverheiratete zugehen und ihnen signalisieren, dass ihre Kirche sie nicht fallen lässt. Den Dreischritt des Begleitens, Unterscheidens und Eingliederns bezeichnete er als Ausdruck einer Seelsorge, die „das Leben nicht nur als Anwendung der Lehre begreift, sondern die das Leben und die Lehre im Dialog sieht und sich in die Fragen der Menschen hineinbegibt.“

Zwei Frauen, deren erste Ehe geschieden wurde und die heute in einer zweiten Partnerschaft oder Ehe leben, berichteten von ihren Erfahrungen. Beide haben in der Zeit nach der Trennung ihren Glauben und auch ihre Gemeinden als Hilfe erlebt. Das Mitfeiern der Eucharistie habe ihnen Kraft gegeben in einer Zeit, „in der alle Pläne und Sicherheiten in sich zusammengebrochen waren“. Zu dem Text der Handreichung merkten sie kritisch an, dass darin von einer „irregulären Lebenssituation“ gesprochen werde. „Das empfinde ich als verletzend und entspricht in keiner Weise meinem Lebensgefühl“, so eine Einschätzung. Die Initiative des Bistums, offen auf Wiederverheiratete zuzugehen, bewerteten sie positiv: „Nur indem wir von unseren Erfahrungen berichten und gegenseitig darauf hören, wird ein Aufbruch in der Kirche stattfinden.“

Die Perspektive der Seelsorgerinnen und Seelsorger wurde durch Pfarrer Daniel Zamilski und Pastoralreferent Dr. Andreas Braun eingebracht. „Wir brauchen jetzt nicht mehr versteckt, sondern können öffentlich und offiziell mit dem Thema umgehen“, hob Daniel Zamilski hervor. Er warb dafür, persönlich und verurteilungsfrei auf Betroffene zuzugehen und auch die Kommunion nicht mit Misstrauen, sondern in einer Grundhaltung des Vertrauens auszuteilen. „Viele haben ihren Weg gefunden. Oft galt es dabei die Angst zu überwinden, dass mit dem Finger auf einen gezeigt wird“, berichtete Andreas Braun. Auch für die ehrenamtlich Engagierten ist die Handreichung aus seiner Sicht eine wichtige Ermutigung, in der Gemeinde nicht „abzutauchen“, sondern Dienste und Verantwortung zu übernehmen.

Sabine May, Eheberaterin aus Mannheim, berichtete davon, dass Probleme mit der Kirche in der Beratung eher selten zur Sprache gebracht werden. Ein religiöser Hintergrund der Beratenen könne beides sein, belastend oder befreiend. „Auch eine Trennung und die Erlaubnis des Denkens in diese Richtung können heilsam sein“, so ihre Erfahrung. Sie bewertete positiv, dass das Hören in der Handreichung viel Raum bekomme. Gleichzeitig warnte sie, die Ziele nicht zu hoch zu stecken: „Die Versöhnung mit der eigenen Lebensgeschichte lässt sich nicht in ein oder zwei Gesprächen erreichen, sondern ist mitunter ein Prozess über Jahre.“

Die Veranstaltung bot auch Raum für kritische Äußerungen, wie zum Beispiel: „Die Initiative kommt 30 Jahre zu spät“ oder „Die Unterscheidung hilft nicht weiter. Man sollte Wiederverheiratete generell zur Kommunion einladen“. Aus Berichten von Teilnehmern wurde deutlich, dass gerade das Gefühl, zur Kommunion nicht eingeladen zu sein, für viele Betroffene einen tiefen Schmerz bedeutet. „Wir stehen mit dem Thema erst am Anfang“, ging Domkapitular Franz Vogelgesang, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, auf diese Wortmeldungen ein. Zur Sprache kam auch, was eine Wiederheirat für Mitarbeiter im kirchlichen Dienst an Konsequenzen bedeutet. „Wir stehen in einem Lernprozess, der mit der Handreichung und dem heutigen Abend nicht zu Ende ist“, bekräftigte auch Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seinem Schlusswort.

Kontakt:

Bischöfliches Ordinariat
Hauptabteilung Seelsorge
Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen
Webergasse 11, 67346 Speyer
E-Mail: pfarrei-lebensraeume@bistum-speyer.de
Telefon: 06232 / 102-314

Weitere Informationen:

https://www.bistum-speyer.de/seelsorge-und-spiritualitaet/beziehung-leben/geschieden-wiederverheiratet/

Auf dieser Internetseite können Sie auch das Faltblatt und die Handreichung des Bistums Speyer zur Seelsorge für Wiederverheiratete herunterladen.

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