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Mittwoch, 11. Juli 2018

Mit Tieren Menschen helfen

Auf dem Wilensteiner Hof sind neue Tiere eingezogen - Ausbau der tiergestützten Therapie zum gruppenüber-greifenden Stützpunkt geplant

Die Mitarbeiter vom Wilensteiner Hof und die Spenderin Judith Kern (vierte von rechts) mit den Ziegen und ihrem Nachwuchs 

Trippstadt. Auf dem Wilensteiner Hof bei Trippstadt, ein Wohn- und Arbeitsprojekt des Caritas-Förderzentrums St. Christophorus Kaiserslautern, tut sich einiges.  Mehrere neue Bewohner lassen das Ziel einer umfassenden tiergestützten Therapie in greifbare Nähe rücken.

Das Begrüßungskommando kommt vierbeinig daher. Zwei Schafe nähern sich im Zockeltrab, beschnuppern neugierig jeden, der ihren Weg kreuzt. Vor drei Wochen sind sie auf den Hof gekommen und gerade mal zwei Monate alt. Es sind Flaschenlämmer, die noch per Hand aufgezogen werden. „Sie sind sehr menschenbezogen und wesentlich pflegeleichter als unsere beiden Alpakas - wenn die jemanden nicht mögen, hatte derjenige keine Chance“,  sagt Landwirt Michael Kessler. 

Auch er ist noch nicht lange auf dem Wilensteiner Hof. Seit Mai verstärkt der Landwirt hier das Team. Als Landwirtschaftsmeister ist er ein Mann vom Fach und mit viel praktischer Erfahrung: „Ich hatte 2003 den Milchviehbetrieb meiner Eltern übernommen und  mich dann mit einem Kollegen zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen. Wir haben 150 Kühe gemolken und 200 Hektar Futterfläche bestellt. Doch nach dem Verfall des Milchpreises hat es sich nicht mehr gelohnt.“ Daraufhin nahm Kessler eine Festanstellung bei einer Biogaslanlage an, aber die Landwirtschaft fehlte ihm. „Ich wollte gern in dem Bereich wieder arbeiten und am liebsten mein Wissen an junge Menschen weitergeben. Da kam die Stellenausschreibung für den Wilensteiner Hof gerade recht. Es ist die ideale Kombination von Landwirtschaft mit einer sozialen Komponente.“ 

Sieben Jugendliche wohnen derzeit hier. Sie kommen aus Afghanistan, Somalia, dem Irak und Sudan. Auf dem Hof haben die jungen Menschen eine neue Heimat gefunden und „legen eine positive Karriere hin“, weiß Peter Lehmann, Leiter des Caritas-Zentrums St. Christophorus, zu berichten.  „Die einen besuchen die Berufsbildende Schule, zwei machen bereits eine Ausbildung, einer fängt gerade damit an, und ein weiterer geht ab dem kommenden Schuljahr aufs Gymnasium. Sie sind alle sehr motiviert, zu lernen, weil sie gern auf eigenen Beinen stehen möchten, aber auch für die Unterstützung, die sie bekommen, etwas zurückgeben wollen.“ Nebenbei beteiligen sie sich an der Arbeit auf dem Hof. Zu tun gibt es genug mit den Alpakas, den Lämmern, Hühnern und Kaninchen, die den Hof bevölkern, dem großen Nutzgarten und einer weiteren Fläche mit drei Hektar, auf denen gerade das Heu eingefahren wurde. 

Dazu kommen auch noch die Neuzugänge, die an diesem Tag mit Spannung erwartet werden: Zwei Appenzeller Mutterziegen samt Nachwuchs, der aus zwei Böcklein und einem Zicklein besteht. Die Tiere sind eine Spende von Judith Kern, die auf dem Bremerhof in Kaiserslautern einen kleinen Pferdepensionsstall betreibt und Ziegen für die Weidepflege hält: „Mittlerweile hatte ich zwölf Ziegen, das ist für mich zu viel, deshalb übergebe ich gern fünf davon dem Wilensteiner Hof.“ 

Die Spende freut Einrichtungsleiter Peter Lehmann, der für das großzügige Geschenk äußerst dankbar ist. Denn die Ziegen sollen nicht nur für die Weidepflege eingesetzt werden, sondern auch als Therapietiere dienen. „Die meisten Menschen in unseren Einrichtungen befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation. Viele sind verschlossen, haben das Vertrauen in andere verloren. Im Umgang mit Tieren lernen sie wieder Zutrauen zu fassen. Tiere sprechen die Emotionen an und sind deshalb die idealen Vermittler, über sie kommen wir mit den Menschen leichter in Kontakt“, erklärt Leh-mann. 

Diese Erfahrung hat auch die 16jährige Juliana gemacht. Sie lebt derzeit im Förder-zentrum St. Christophorus, ist aber regelmäßiger Gast auf dem Wilensteiner Hof.  „Ich bin gern an der frischen Luft und mit den Tieren zusammen. Sie werten nicht, sondern nehmen einen so, wie man ist. Und sie geben einem viel zurück.“ Mit ihrer Hilfe habe sie gelernt, wieder Vertrauen aufzubauen, auch zu anderen Menschen.  Ruhiger und gelassener sei sie geworden, erzählt Juliana während sie gemeinsam mit Lilly, der sie-benjährigen Tochter von Landwirt Michael Kessler, den beiden Lämmern die Flasche gibt - ein Vitamintrunk, damit sie groß und stark werden. Im nächsten Jahr soll die tieri-sche Hofgesellschaft weiteren Zuwachs bekommen, in Form von Schwarzbienen, die ebenso vom Aussterben bedroht sind wie die Appenzeller Ziegen.

Mit der tiergestützten Therapie hat Einrichtungsleiter Lehmann noch einiges vor: „Wir möchten den Bereich zu einem gruppenübergreifenden Stützpunkt ausbauen, der auch Menschen offen steht, die nicht direkt auf dem Hof wohnen“, informiert Lehmann. Alle Hofmitarbeiter helfen mit, den Plan umzusetzen. So wie die Erzieherin Kristina Fast, die eigens eine Ausbildung in tiergestützter Pädagogik absolviert.

Text und Fotos: Friederike Jung für den Caritasverband für die Diözese Speyer

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