Samstag, 18. August 2018

Beistand in den schwersten Stunden des Lebens

Die ausgesandten Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger mit allen, die den Gottesdienst mitgestalteten. 

Bistum Speyer und Evangelische Kirche der Pfalz entsenden im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes 25 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger

Speyer. Notfallseelsorger stehen Menschen in den wohl schwersten Stunden ihres Lebens bei. 25 sind am Freitag in einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche des Speyerer Priesterseminars entsandt worden. 

Von den 25 entsandten Notfallseelsorgern haben 16 vor kurzem ihre Ausbildung „Erste Hilfe für die Seele“ absolviert, die übrigen bereits vor längerer Zeit. Der Kurs wurde gemeinsam von der Evangelischen Kirche der Pfalz und dem Bistum Speyer angeboten. Die Teilnehmer sind in verschiedenen Berufen tätig, einige arbeiten im sozialen Bereich und in der Pflege, andere bei der Polizei, sind Physiotherapeuten oder Hausfrau, Polizist oder kaufmännische Angestellte. Auch Pastoral- und Gemeindereferenten sowie evangelische Pfarrer besuchten den ökumenischen Kurs. 

Kursleiter waren Pfarrerin Anne Henning, Beauftragte für Polizei- und Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche der Pfalz, und Patrick Stöbener, Diözesanbeauftragter für die Notfallseelsorge im Bistum, die im Gottesdienst eine Dialogpredigt hielten. Als Grundlage hatten sie Jesu Gespräch mit einer Samariterin aus dem Johannes-Evangelium gewählt. Die Samariterin befinde sich in einem Ausnahmezustand – in solche Situation gerieten auch Notfallseelsorger, sagten beide. Menschen, die von einem Unglück betroffen sind, fühlten Leid, Trauer, seien fassungslos und geschockt, reagierten mit Unverständnis. Da sei es wichtig, Menschen an der Seite zu wissen. „Ihr seid für mich solche Menschen“, rief Stöbener den Notfallseelsorgern zu und Pfarrerin Henning fügte hinzu: „Auf dem Höhepunkt der Krise seid ihr da, ihr haltet mit den Betroffenen aus.“ So wie Jesus der Samariterin beistehe, würden es auch Notfallseelsorger tun – und nicht nur sie selbst. „Jesus ist durch euren Beistand da“, sagte Pfarrerin Henning. „Die Begegnung mit euch weist auf das große Ganze hin, auf die Begegnung mit Gott“, ergänzte Stöbener. Gott sei aber genauso für die Notfallseelsorger selbst da, sei gegenwärtig, spende Kraft. „Wir sind überzeugt: Keiner geht allein in einen Einsatz.“ 

Oberkirchenrätin Marianne Wagner und Domkapitular Franz Vogelgesang segneten die Notfallseelsorger. Die Urkunden überreichten sie gemeinsam mit Henning, Stöbener sowie Susanne Laun, die im Bischöflichen Ordinariat die Abteilung Besondere Seelsorgebereiche leitet. 

Beim anschließenden Empfang wies Vogelgesang ausdrücklich darauf hin, dass die Ausbildung zum ersten Mal ökumenisch aufgestellt war. Auch Oberkirchenrätin Wagner lobte die Zusammenarbeit und zeigte sich beeindruckt von der gelungenen Premiere. Beide versicherten den Entsandten die Unterstützungen ihrer Kirchen. 

Notfallseelsorger stehen Menschen in schwierigen Situationen bei
Befinden sich Menschen in Not, brauchen sie ein soziales Netz, das sie auffängt. Früher spendeten Großfamilie oder Nachbarn Trost. Heute leben Angehörige oft weit entfernt, zu Nachbarn besteht kein enger Kontakt. Hier sind Notfallseelsorger zur Stelle und betreuen Betroffene und Angehörige. Sie sind zum Beispiel bei schweren Unfällen im Einsatz, nach dem plötzlichen Tod eines Kindes, bei erfolgloser Reanimation, nach Gewalttaten und überbringen Todesnachrichten. Im Ausbildungskurs eigneten sich die Teilnehmer notwendiges Fachwissen und eine seelsorgliche Haltung an. Sie lernten unter anderem, wie Einsätze von Polizei- und Rettungskräften ablaufen und wie Menschen mit Stress und Trauer umgehen. Durch Rollenübungen bereiteten sie sich darauf vor, Unglücksnachrichten zu überbringen. Sie erfuhren, was Glauben und Religion in Notsituation bewirken und welche Rituale helfen. Darüber hinaus lag ein Augenmerk auf der Selbstfürsorge. Zuletzt begleiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein halbes Jahr lang Einsätze. 

Nobert Memmer wird im Landkreis Pirmasens im Einsatz sein. Als Polizist kennt er Notsituationen, ist bereits in der Polizeiseelsorge tätig. Memmer weiß um die Not der Menschen und hat sich deshalb für die zusätzliche ehrenamtliche Tätigkeit entschieden. Während Polizei und Rettungskräfte sich nur im Einsatz um die Menschen kümmern können, bleiben Notfallseelsorger länger. „Notfallseelsorge geht tiefer, sie wirkt nachhaltiger“, sagt der Südwestpfälzer. 

Susanne Schweizer aus Dirmstein wird für die Notfallseelsorge Frankenthal tätig sein. Die junge Frau weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig Beistand in schwierigen Zeiten ist. Als Notfallseelsorgerin will sie dieses Geschenk weitergeben. „Zum anderen bin ich in der Kirche verankert und habe eine Aufgabe gesucht.“ 

Neue Ausbildung „Erste Hilfe für die Seele“
Ein weiterer Kurs „Erste Hilfe für die Seele“ startet im November. Das erste Modul des achtteiligen Kurses findet vom 9. bis 10. November 2018 im Protestantischen Butenschoen-Haus in Landau statt. Die weiteren Module: 15./16. Februar 2019; 5./6. April 2019; 14./15. Juni 2019; 23./24. August 2019; 8./9. November 2019; 10./11. Januar 2020 und 6./7. März 2020. Veranstaltungsorte sind Landau und Speyer. Anmeldeschluss für das Curriculum Notfallseelsorge ist der 24. August 2018. Über die Teilnahme an der Ausbildung entscheidet ein individuelles Auswahlgespräch. Die Kursgebühr beträgt pro Einheit 120 Euro. Die Gebühren werden bei erfolgreichem Abschluss der Ausbildung und anschließender ehrenamtlicher Mitarbeit in einem der kirchlichen Notfallseelsorgesysteme zurückerstattet. 

Kontakt, Information und Anmeldung: Anne Henning, Pfarramt für Polizei- und Notfallseelsorge, Telefon 0173/2444620, E-Mail: anne.henning@evkirchepfalz.de und Patrick Stöbener, Diözesanbeauftragter für die Notfallseelsorge im Bistum Speyer, Telefon: 06232/102476, E-Mail: patrick.stoebener@bistum-speyer.de.

Mehr zum Thema:
www.evkirchepfalz.de, Thema Begleitung und Hilfe/Seelsorge;
www.bistum-speyer.de, Thema Seelsorge und Spiritualität/Notfallseelsorge.

Text und Foto: Yvette Wagner