Montag, 17. September 2018

Offizielle Gespräche mit Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

 

Delegationsleiter bei den vorbereitenden Gesprächen war katholischerseits Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann – Kirchenpräsident Christian Schad: Gegenseitige Wertschätzung und wechselseitiges Vertrauen

Basel. Der Dachverband der protestantischen Kirchen in Europa hat mit dem Vatikan die Aufnahme offizieller Dialog- und Ökumene-Gespräche vereinbart. Der Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen Europas (GEKE), Gottfried Locher, und Kardinal Kurt Koch, im Vatikan verantwortlich für den Dialog der christlichen Kirchen, unterzeichneten am Sonntag bei einem Festgottesdienst im Basler Münster ein entsprechendes Dokument. Ziel der Gespräche und Verhandlungen ist es, zu einer gegenseitigen Anerkennung und Verständigung der Kirchen und Kirchengemeinschaften zu gelangen.

"Bei den vorbereitenden Gesprächen haben wir gesehen, es gibt sehr viel Positives und Gemeinsames. Darauf wollen wir aufbauen", sagte Koch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Zunächst gehe es um die sich unterscheidenden Selbstverständnisse der Kirchen. Dann könne auch das langfristige Ziel der Abendmahlgemeinschaft in den Blick genommen werden. Einen Zeitplan für den Dialog nannte der Kardinal nicht. "In der Ökumene müssen Leidenschaft und Geduld zusammenkommen. Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit", so der Geistliche.

Locher sagte, wichtig seien möglichst konkrete Dialogfragen. "Dabei kann ehrlich alles auf den Tisch kommen. Auch die vielleicht unverhandelbar scheinenden Positionen. Und dann können wir uns vielleicht fünf Sachfragen heraussuchen und diese möglichst schnell bearbeiten", so der GEKE-Präsident. Er verwies auf Fragen nach der Stellung von ordinierten Geistlichen in den Kirchen, die Ablehnung der katholischen Kirche, Pfarrerinnen zu weihen oder die Frage nach liturgischen, gottesdienstlichen Gemeinsamkeiten. Locher sagte, er wolle sich dafür einsetzen, dass am Dialog nicht nur Kirchenleitungen und akademische Theologen beteiligt würden, sondern auch Frauen und Männer aus dem konkreten kirchlichen Leben. Ein erster Zwischenbericht solle etwa in zwei Jahren vorliegen.

Der Dialogvereinbarung vorausgegangen waren jahrelange Sondierungen. Ein Arbeitsgruppenbericht hielt fest, dass sich GEKE und römisch-katholische Kirche mit Blick auf das Kirchenverständnis "deutlich näher" seien als bislang gedacht. Daher sei ein Dialog für die weitere Annäherung "aussichtsreich". Mit der Vereinbarung offizieller Gespräche sei ein ökumenischer Durchbruch erzielt worden, erklärte Kirchenpräsident Christian Schad in Basel. Denn erstmals komme es zu einem offiziellen Dialog des Vatikans mit einer Kirchengemeinschaft, in der lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen vereint seien. Dieses ökumenische Gespräch mit dem Gesamtprotestantismus sei nicht hoch genug einzuschätzen. „Es bestehen im Blick auf das Kirchenverständnis größere Gemeinsamkeiten, als bisher wahrgenommen wurden“, erklärte Kirchenpräsident Schad, der evangelische Delegationsleiter der Arbeitsgruppe, die in einer Studie die Grundlagen für die offiziellen Gespräche gelegt hatte. Die katholische Delegation war von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann geleitet worden.

Als Beispiel für die Annäherung nannte der Kirchenpräsident in seiner Rede vor der Vollversammlung die Einsicht, dass keine geschichtliche Kirche für sich beanspruchen könne, „das Wesen der Kirche vollkommen darzustellen bzw mit der Kirche Jesu Christi unmittelbar identisch zu sein“. Wenn zwischen dem Grund der Kirche und ihrer jeweiligen geschichtlichen Gestalt unterschieden werde, dann sei Einheit der Kirche in gestalteter Vielfalt möglich. So verlören bisher strittige theologische Positionen ihre abgrenzende Bedeutung.

Weitere Themen der Studie und der nun beginnenden offiziellen Gespräche sind nach Angaben von Kirchenpräsident Schad „Kirche und Rechtfertigung, Amt und Kirchengemeinschaft“. Schad betonte, dass die Gespräche „von einem Geist der gegenseitigen Wertschätzung und von wechselseitigem Vertrauen getragen waren und getragen sein werden“.

Zur GEKE gehören rund 100 protestantische Mitgliedskirchen aus 30 europäischen und einigen lateinamerikanischen Staaten. Bereits 1973 hatten die in der GEKE vertretenen lutherischen, reformierten und die aus ihnen hervorgegangenen unierten Kirchen ihre Differenzen überwunden und eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft beschlossen.

Text: KNA, Evangelische Kirche der Pfalz / Foto: Evangelische Kirche der Pfalz