Donnerstag, 20. September 2018

Europa braucht die Hoffnung der Kirchen

Heinrich Pesch Haus 

Mitgliederversammlung der ACK in Ludwigshafen abgeschlossen

Ludwigshafen. „Europa braucht die orientierende Botschaft der Kirchen“, sagte der Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Heiki Huttunen (Brüssel), vor der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland. Diese fand vom 19.-20. September in Ludwigshafen statt. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde die Kirche des Nazareners als neues Gastmitglied aufgenommen. In einem Studientag diskutierten die Delegierten über den Zusammenhang von Lebensgeschichte und Gotteserfahrung.

„Europa steht vor großen Herausforderungen“, sagte Heiki Huttunen, Generalsekretär der KEK. Zunehmend würden Konflikte militärisch gelöst, Populismus und Nationalismus nähmen zu. „Die Migration nach Europa und innerhalb Europas wachsen.“ Daher brauche Europa das Zeugnis der Kirchen: „Wir können den Menschen Hoffnung geben und für eine menschenfreundliche und offene Atmosphäre in Europa eintreten“, sagte Huttunen. Der Einsatz für Europa habe in den Kirchen eine lange Tradition und könnte Vorbild für den europäischen Zusammenhalt sein. In den Fragen des Klimawandels und der Biotechnologie müssten die Kirchen deutlich ihre Positionen einbringen, forderte Huttunen. Er berichtete von der letzten Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen, die im Juni 2018 im serbischen Novi Sad stattgefunden hat. Huttunen bat die Kirchen, die Botschaft der Vollversammlung aufzugreifen und die europäische Perspektive in der kirchlichen Arbeit zu stärken. Dabei sollten sich die Kirchen auf ihre ureigene Botschaft konzentrieren: „Unsere Hoffnung aus den Wurzeln unseres Glaubens kann die Mitmenschlichkeit in Europa stärken“, sagte Huttunen.

Kirche des Nazareners als neues Gastmitglied aufgenommen

Die Kirchenleitungen der 17 Mitgliedskirchen haben dem Antrag der Kirche des Nazareners auf Gastmitgliedschaft in der ACK zugestimmt, berichtete der Vorstand auf der Mitgliederversammlung. Die Freikirche stammt aus der methodistischen Tradition und hat nach eigenen Angaben in Deutschland rund 1.100 Mitglieder in 20 Gemeinden. Nach der Zustimmung der Kirchen konnte die Kirche in einer Andacht feierlich in die ACK aufgenommen werden. Der Vorstand berichtete auch darüber, dass die Neuapostolische Kirche einen Antrag auf Gastmitgliedschaft in der ACK gestellt hat, das Abstimmungsverfahren der Mitgliedskirchen soll im Januar 2019 abgeschlossen sein.

Ökumenepreis der ACK für 2019 ausgelobt

Zum vierten Mal will die ACK in Deutschland im Jahr 2019 einen Ökumenepreis vergeben. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und zeichnet Projekte und Initiativen aus, die zur Einheit der Christen beitragen. Das Preisgeld wird durch die Bank für Kirche und Diakonie, die Bank für Kirche und Caritas, die Spar- und Kreditbank Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und die Spar- und Kreditbank Freier evangelischer Gemeinden zur Verfügung gestellt. Schirmherr ist Walter Kardinal Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Bewerbungen können bis zum 31. Mai 2019 eingereicht werden. Die Preisverleihung wird am 18. September 2019 in Augsburg stattfinden.

Lebensgeschichte und Gotteserfahrung stärker zusammendenken

Mit dem Zusammenhang von Lebensgeschichte und Gotteserfahrung haben sich die Delegierten auf einem Studientag beschäftigt. Professorin Dorothea Sattler, Leiterin des Ökumenischen Instituts an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wies darauf hin, dass sich die Frage nach Gott gegenwärtig stärker an Lebensgeschichten orientiere. „Die Menschen fragen nach dem Handeln Gottes angesichts der Schicksalsschläge“, sagte Sattler. Es liege eine große ökumenische Chance darin, gemeinsam über die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes angesichts des Leidens der Welt nachzudenken. Auch die ökumenische Bewegung sei im Kontext der Leidensgeschichte der beiden Weltkriege entstanden. „Die Kirchen haben sich gemeinsam der Leidensgeschichte gestellt, dies hat sie auch im Nachdenken über Gottesfrage näher zusammengebracht“, so Sattler.

In verschiedenen Arbeitsgruppen haben die Delegierten sich mit der Frage nach der Gotteserkenntnis und den Gottesbegegnungen beschäftigt. Dabei wurde deutlich, dass der biographisch orientierte Zugang zur Gottesfrage eine hohe Relevanz im Alltag der Menschen besitzt. Auch die Bibel beschreibe die Gottesfrage in Geschichten der Menschen. Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), Vorsitzender der ACK in Deutschland, ermutigte dazu, die verschiedenen Deutungen der Menschen wahrzunehmen und in die theologische Auseinandersetzung mit der Gottesfrage aufzunehmen. Durch einen zu sehr institutionell-kirchlichen Zugang werde vielen Menschen der Zugang zu Gott und Gotteserfahrung verwehrt, weil sie keinen Anknüpfungspunkt finden. Gott habe in Jesus Christus das Los der Menschen geteilt, daher sei die gemeinsame Betrachtung der Biographie Jesu und der eigenen Lebensgeschichte ein wesentlicher Ausgangspunkt für eine ökumenische Spiritualität. Der Studientag griff die Studie des Deutschen Ökumenischen Studienausschusses (DÖSTA) „Die Frage nach Gott heute“ auf, die bereits im Jahr 2017 veröffentlicht wurde.

Die Mitgliederversammlung ist das oberste, beschlussfassende Leitungsorgan der ACK. Sie besteht aus den 50 Delegierten der Mitglieder, Gastmitglieder sowie ständigen Beobachter, die von den Kirchen für die Dauer von fünf Jahren benannt werden. Die Mitgliederversammlung der ACK tagt in der Regel zweimal jährlich, im Frühjahr und im Herbst.

Weitere Informationen zum Ökumenepreis sowie alle Bewerbungsunterlagen können unter www.oekumenepreis-der-ack.de heruntergeladen werden. Weitere Informationen zur Kirche des Nazareners sind unter https://www.kirchedesnazareners.de/  zu finden.

Text: ACK