Montag, 01. Oktober 2018

„Anders Sein am Anders Ort“

Justizminister Herbert Mertin im Gespräch mit Bundesvositzendem Heinz-Bernd Wolters, dessen Stellvertreter Stefan Ehrlich und Domkapitular Franz Vogelgesang (von rechts nach links). 

Gefängnisseelseelsorger aus Deutschland, Lichtenstein und den Niederlanden tagen in Ludwigshafen

Ludwigshafen. Unter dem Titel “Anders Sein am Anders Ort” fand in Heinrich-Pesch-Haus die einwöchi-ge Studientagung der Katholischen Gefängnisseelsorgerinnen – und -seelsorger in Deutschland e.V. statt. Dabei beschäftigten sich die Teilnehmenden mit ihrem Profil als Seelsorger im Justizvollzug.

Der Justizminister des Landes Rheinland-Pfalz, Herbert Mertin (FDP), betonte in seinem Grußwort zur Eröffnung der Tagung die Wichtigkeit der Arbeit von Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Justizvollzug. Es sei “eine Notwendigkeit”, dass Seelsorger vor Ort präsent sind und ihren Blickwinkel einbringen. An-gesichts der veränderten Anforderungen an die Berufsgruppe der kirchlichen Mitarbeiter und “ihren Freiheiten” im Vollzug haben sie einen klaren Auftrag.

Anhand von Vorträgen und Workshops setzten sich die aus allen Ländern Deutschlands, aus Lichtenstein sowie den Niederlanden stammenden Gefängnisseelsorger mit dem Thema “Anders Sein am Anders Ort”  auseinander und suchten eine Standortbestimmung. „In einer immer weiter voranschreitenden Säkularisierung unserer Gesellschaft ist Gefängnisseelsorge keine Selbstverständlichkeit mehr und wird immer wieder kritisch angefragt. Darum ist es wichtig, Auskunft darüber zu geben, warum Kirche Seel-sorge betreibt und was darunter zu verstehen ist“, so der Vorsitzende des Berufsverbandes Heinz-Bernd Wolters. Die Kirchen haben in den vergangenen Jahrzehnten für die Seelsorge Standards erarbeitet und die Qualifikation immer weiter entwickelt. Diese gelte es nach außen hin zu benennen. In den Work-shops, wurden rechtliche, soziale, spirituelle und biblische Aspekte der Tätigkeit beleuchtet. Neben den Arbeitseinheiten war der kollegiale Austausch unter den 65 Teilnehmern ein wichtiger Aspekt der Studi-entagung.

Das Bistum Speyer als Gastgeber präsentierte sich mit einer Weinprobe und Pfälzer Buffet am Montag-abend und einem Ausflug nach Speyer am Donnerstagnachmittag. Domkapitular Franz Vogelgesang überbrachte bei der Eröffnung am Montag ein Grußwort des Bistums und feierte am Mittwochabend die Messe mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die musikalische Untermalung des Gottesdienstes übernahm die Band „Die Grusicals“, die jährlich einen Gottesdienst in der JVA Frankenthal musikalisch gestaltet. Am Donnerstagabend feierte Generalvikar Andreas Sturm die Vesper mit der Gruppe in St. Bernhard. In seiner Predigt zollte er den Seelsorgern Respekt für ihren Dienst in den Gefängnissen und an den Tätern: „Vieles, was sie hören und über Taten erfahren, ist fast unerträglich und Ihnen gelingt es, dennoch im Gefangenen dem geliebten Kind Gottes zu begegnen.“

Die Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V. ist ein bundesweiter und überdiözesaner Zu-sammenschluss. Er organisiert sich als gemeinnütziger und kirchlicher Verein von hauptberuflichen Seel-sorgerinnen und Seelsorgern. Die Mitarbeiter arbeiten im Gestellungsvertrag des Landes mit dem Bis-tum im Angestelltenverhältnis oder mit Verbeamtung des Landes in den staatlichen Einrichtungen. Hin-ter Mauern arbeiten sie mit ökumenischer, interreligiöser und interkultureller Offenheit. Die Grundlage für die Seelsorge in den Justizvollzugsanstalten ist der Artikel 4 des Grundgesetzes, der die uneinge-schränkte Religionsausübung gewährleistet.

Text: Michael King/Manfred Heitz; Fotos: Michael King