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In dieser Übersicht finden Sie alle Dekanate im Bistum Speyer.

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Donnerstag, 29. November 2018

Öffnung gegenüber Wiederverheirateten und Homosexuellen findet überwiegend positive Resonanz

Pastoralrat informiert sich über Missbrauchs-Studie und aktuelle pastorale Initiativen im Bistum

 

Speyer. In seiner Herbstversammlung am 22. November befasste sich der Pastoralrat eingehend mit den Ergebnissen der MHG-Studie zum Thema „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörigen“ und ihren Folgen für das Bistum Speyer.

Die Studie gibt Auskunft über den Missbrauch von Klerikern über den Zeitraum von 1946 bis 2014. Dazu wurden 1452 Personalakten durchgesehen. Erfasst wurden alle Hinweise auf sexuellen Missbrauch, aber auch Grenzverletzungen wie zum Beispiel harmlose Berührungen sowie Hinweise und Andeutungen, die sich auf einen Verdacht oder eine Mutmaßung beziehen. Dabei wurden 89 Priester als Beschuldigte erfasst, ungeachtet dessen, ob es sich um verifizierte Taten, Beschuldigungen, Verdächtigungen, vage Hinweise oder mögliche oder erwiesene Falschbeschuldigungen handelte. Generalvikar Andreas Sturm bestätigte, dass das Bistum konsequent mit den öffentlichen Stellen, insbesondere den Staatsanwaltschaften zusammenarbeite. Eine auch mit externen Experten besetzte Arbeitsgruppe zu Missbrauch und Prävention sei unter seiner Leitung eingerichtet. Als konkrete Maßnahme, mit denen solche Verbrechen für die Zukunft verhindert werden sollen, nannte er den Ausbau der Prävention. Dazu gehöre um eines zuverlässigen Standards und somit um der Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit willen auch die Evaluation der Präventionsordnung und Präventionsarbeit von außen, so Generalvikar Sturm.

Dr. Thomas Kiefer, der Leiter der Abteilung Seelsorge in Pfarrei und Lebensräumen, unterstrich die Dringlichkeit, die Präventionsmaßnahmen konsequent auch auf die vielen Ehrenamtlichen in der Diözese auszuweiten. Insgesamt sei eine gemeinsame Strategie der Bistümer verbunden mit verbindlichen Maßnahmen notwendig, angefangen von Standards zur Personalaktenführung über Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung von Priestern bis hin zur Überprüfung kirchen- und strafrechtlicher Verfahren und Sanktionen.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und Generalvikar Sturm bekräftigten ihre Absicht, alles in ihrer Macht Stehende zu veranlassen, damit Kinder und Jugendliche in der Diözese sicher und geborgen sind. Ein besonderes Anliegen sei es, mit den Betroffenen direkt ins Gespräch zu kommen. „Das ist nicht leicht, denn nicht jeder der Betroffenen will mit der ‚Täterorganisation‘ reden“ so Generalvikar Sturm. Einig war sich der Pastoralrat darüber, dass die Maßnahmen des Bistums im Hinblick auf die damit verbundenen konkreten Erfahrungen und Ergebnisse immer wieder zum Thema in den Gremien des Bistums gemacht werden müssen. Dazu gehört aus Sicht des Pastoralrats auch die kritische Auseinandersetzung mit den für die katholische Kirche spezifischen Herausforderungen wie die Fragen nach der zölibatären Lebensform der Priester, nach verschiedenen Aspekten der kirchlichen Sexualmoral sowie nach dem Umgang mit der Macht in der Kirche. Die Diskussion über diese Themen ist auch aus Sicht von Bischof Wiesemann notwendig, denn „im Jahr 2010 haben wir eher vom Einzelfall her gedacht, jetzt verweist uns die Studie auf systemische Faktoren.“

Pastoralrat gibt Rückmeldung zu pastoralen Initiativen

Nach einem Bericht und Video zu dem ökumenischen Eventgottesdienst  "United Praise" mit weit mehr als tausend Gottesdienstbesuchern von Domkapitular Franz Vogelgesang war der Pastoralrat eingeladen, eine Rückmeldung zu drei pastoralen Initiativen zu geben, die in diesem Jahr angestoßen wurden. Gemeint sind das Gesprächsangebot für konfessionsverbindende Paare im Hinblick auf einen möglichen gemeinsamen Kommunionempfang, das seelsorgerliche Zugehen auf Geschiedene, die erneut standesamtlich geheiratet haben, und das Gesprächs- und Seelsorgeangebot für homosexuelle Menschen.

Einhellig waren die Mitglieder des Pastoralrats der Meinung, dass alle drei Angebote zu begrüßen sind, weil sie Menschen eine Tür öffnen und gleichzeitig eine Unterstützung und Bestätigung für die Seelsorgerinnen und Seelsorger darstellen. "Ich bin stolz, dass unser Bischof eine solch einladende Seelsorge im Bistum möglich macht", so ein Kommentar aus dem Pastoralrat.

Bischof Wiesemann stellte fest, dass die drei pastorale Angebote bis heute nicht unumstritten sind. Es gehe aber nicht darum, die Lehre der Kirche etwa im Hinblick auf die Bedeutung der Eucharistie oder der Unauflösbarkeit des Ehebundes in Frage zu stellen. Vielmehr sei es wichtig im Sinne von Papst Franziskus, die verschiedenen Lebensumstände und Biographien von Menschen unterscheiden zu können, sie in allen Lebenslagen seelsorgerlich zu begleiten und ihnen soweit wie irgend möglich zu helfen, dass sie ihren Platz in der Kirche finden können.

Insbesondere nahm der Bischof Wiesemann zu der Initiative „Verschiedenheit wertschätzen“, dem Gesprächsangebot der Diözese an homosexuelle Menschen und ihre Angehörigen, Stellung. Er verdeutlichte deren Grundlage und legte dar, warum das seelsorgerliche Zugehen auf homosexuelle Menschen nicht im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehe, sondern dem Auftrag entspreche, das Evangelium an alle Menschen zu verkünden und jeder Diskriminierung von Menschen entgegen zu treten.

Abschließend informierte Marius Wingerter, Referent für Rätearbeit im Bistum, über die anstehenden Pfarrgremienwahlen, die im November 2019 stattfinden werden. „Zusammen wachsen – weiter denken“ so lautet das Motto der Kampagne. Starten wird sie im Januar mit einer kleinen Arbeitshilfe zur Überprüfung der territorialen Gemeindestruktur in den Pfarreien. Darin werden die Pfarreiräte aufgefordert, zu überprüfen, ob sich die von den Pfarrgremien 2015 getroffene Entscheidung, sich als Gemeinde zu definieren, bewährt hat. Notwendig sei dabei ein realistischer Blick auf die pastorale Situation vor Ort sowie auf die personellen Ressourcen an Ehrenamtlichen. Abschließend verwies Marius Wingerter auf den „Kreativtag zur Kampagne der Pfarrgremienwahl 2019“, der am 19. Januar im Kloster Neustadt angeboten wird. Eingeladen sind dazu alle Gremienmitglieder, die Lust haben im Austausch miteinander Ideen für eine erfolgreiche Kampagne zur Pfarrgremienwahl zu entwickeln.

Stellungnahme von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zur diözesanen Initiative „Verschiedenheit wertschätzen“ im Wortlaut:

Es gab in der Diözese und auch darüber hinaus einiges an Irritationen und kritischen Nachfragen zu unserer Initiative „Verschiedenheit wertschätzen“, dem neuen, expliziten, pastoralen Angebot an homosexuelle Menschen und ihre Angehörigen. Neben der Kritik gab es sowohl aus dem Kreis der Betroffenen, von Seelsorger/-innen, aus den katholischen Verbänden wie auch von Kirchenmitgliedern Zustimmung und Unterstützung.

Ich möchte noch einmal das Grundanliegen der Initiative: „Verschiedenheit wertschätzen“ und der Benennung von entsprechenden Beauftragten für diesen Seelsorgebereich klarstellen.

Als Kirche Jesu Christi ist für uns sein Wort und Vorbild leitend. Unser Herr und Heiland ist auf alle Menschen zugegangen und hat das Evangelium vom Reich Gottes an alle gerichtet. Die pastorale Initiative „Verschiedenheit wertschätzen“, mit der wir ein seelsorgerliches Angebot für homosexuelle Menschen unterbreiten, nimmt die Aufforderung des Katechismus der Katholischen Kirche ernst, keinen Menschen, mit welcher sexueller Ausrichtung auch immer, zu diskriminieren und homosexuellen Menschen auf Augenhöhe „mit Achtung, Mitgefühl und Takt“ (KKK 2358) zu begegnen. Ich sehe mich dem Auftrag des Katechismus verpflichtet, in dem es heißt: „Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen.“ (KKK 2358) Es wäre in der Tat ungerecht, ihnen eine ihnen angemessene Seelsorge nicht zu ermöglichen und anzubieten. Damit es aber zu einer echten Begegnung der Lebenswelten auf Augenhöhe kommt, braucht es beides: die Grundlage unseres Glaubens, wie er in der Heiligen Schrift bezeugt und in der Tradition und Lehre der Kirche dargelegt ist, und das Hören aufeinander, den wohlwollenden Dialog, um gemeinsam den Willen Gottes heute finden und erfüllen zu können.

In der Initiative geht es also nicht darum, die Lehre der Kirche zu verschweigen, sondern sie in einen ehrlichen Dialog mit Menschen zu bringen, die ihre Homosexualität in und mit der Kirche leben wollen und die vielfach darunter leiden, dass sie sich nicht angenommen und akzeptiert fühlen. Wir möchten mit unserem Gesprächs- und Seelsorgeangebot Brücken bauen, so dass die Sicht der Wirklichkeit, die Anliegen, Biografien und Erfahrungen homosexueller Menschen und ihres Umfeldes wahrgenommen und ihre Weise, Glauben und Leben zusammenzubringen, wertgeschätzt werden kann. Als Kirche sind wir nicht nur Lehrende, sondern in besonderer Weise auch Hörende und Lernende. Wir haben den Auftrag, unsere eigene Lehre in der Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit immer tiefer zu verstehen.

Dabei stehen wir auf dem Fundament der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche. Es ist nicht richtig zu behaupten, in der Heiligen Schrift gäbe es keine Aussagen über Homosexualität. Vor allem im ersten Kapitel des Römerbriefes verurteilt der heilige Paulus klar bestimmte sexuelle Praktiken in der antiken Lebenswelt. Dennoch darf und muss die Frage gestellt werden, inwieweit das dort Verurteilte die Lebenswelt heutiger homosexueller Menschen betrifft, die aus ihrem Glauben heraus in der Kirche versuchen, Verantwortung und Treue in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zu leben. Nur wenn wir uns diesen Fragen stellen, können wir einen ehrlichen, der Suche nach Wahrheit verpflichteten Dialog führen, bei dem wir keine ungerechtfertigten Urteile fällen.

Für uns ist die menschliche Sexualität vom Schöpfungsauftrag her grundsätzlich auf sexuelle Komplementarität ausgerichtet und – bei allem eigenen Wert, den die geschlechtliche Liebe für die Lebensgemeinschaft der Partner entfaltet – nicht von der möglichen Weitergabe des Lebens abzutrennen. Das bezeugt im Sinne der ununterbrochenen Tradition der Kirche der hl. Papst Johannes Paul II genauso wie Papst Franziskus in seiner Verkündigung, insbesondere in seinem Schreiben „Amoris laetitia“. Deshalb geht es in unserer Initiative auch nicht um eine Gleichsetzung der sakramentalen Ehe von Mann und Frau mit gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften und auch nicht um entsprechende Segensfeiern, die mit einer Eheschließung verwechselt werden könnten.

Dennoch ist es mir wichtig, dass wir in unserer Kirche „Verschiedenheit wertschätzen“ und daher zusammen mit homosexuellen Menschen nach Wegen suchen, wie sie gemeinsam ihren Glauben in unserer Kirche leben und wir als Kirche besser den in ihren Partnerschaften gelebten Werten wie Treue und Verantwortung wertschätzend begegnen können.

Ein homosexueller Mensch, der nach Glaube und Kirche fragt, mit uns ins Gespräch kommen will und einen Weg sucht, seine eigene Sexualität, seine Lebensart personal verantwortlich zu leben, muss, so meine Überzeugung, Ansprechpartner und Begleitung in unserer Diözese finden. Dasselbe gilt für Angehörige, die mit homosexuellen Menschen auf ihrem Lebensweg tief verbunden sind. Und genau deshalb brauchen wir die pastorale Initiative „Verschiedenheit wertschätzen“ in unserem Bistum. Dafür habe ich Beauftragte ernannt, die ihren Auftrag in dem dargelegten Sinn erfüllen werden und denen ich für ihre Bereitschaft und ihr Engagement danke.

Foto: Lisa Runnels-Pixabay-Pfarrbriefservice

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