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Freitag, 14. Dezember 2018

Im Spannungsfeld von Fremdheit, Zugehörigkeit und Integration

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann besucht Katholische Hochschule Mainz (KH Mainz) - Austausch zum Thema Zuwanderung

Bischof Wiesemann besuchte die Studierenden der kath. Hochschule in Mainz und diskutierte mit ihnen über das Thema Zuwanderung. 

Mainz. „Heute kommen Sie erneut von Speyer zu uns nach Mainz und ich darf sagen, dass dies für unsere Hochschule keine Selbstverständlichkeit ist. Vielmehr ist es ein Zeichen der Wertschätzung und des Interesses für unsere - für Ihre Hochschule - über das wir uns sehr freuen“, betonte Rektor Prof. Dr. Martin Klose in seiner Begrüßung. 

„Diesen Gottesdienst zu feiern und in ihre Mitte zu kommen, um den Vormittag miteinander an der Hochschule zu verbringen, ist für mich stets etwas Besonderes“, sagte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zu Beginn des gemeinsamen Semestergottesdienstes in St. Albertus (KHG). Wiesemann verband mit seinem Besuch auch den Dank für die geleistete Arbeit und die vielseitigen Aktivitäten im alltäglichen Hochschulleben, die zum Zeugnis einer christlichen Gemeinschaft anregten. 

Im Anschluss an den Gottesdienst waren Studierende und Mitarbeitende zu einem Stehkaffee und einer moderierten Gesprächsrunde unter dem thematischen Fokus „Zuwanderung – im Spannungsfeld von Fremdheit, Zugehörigkeit und  Integration“ eingeladen. 

„Seit 2018 haben wir an der KH Mainz Jahresthemen etabliert, die die Bandbreite der Fachbereiche widerspiegeln und in verschiedenen Veranstaltungen des Jahres aufgegriffen werden. Damit widmet sich die Hochschule jährlich einem Thema, das wissenschaftlich interessant, gesellschaftlich relevant und christlich motiviert ist. In diesem Jahr lautet das Jahresthema Zuwanderung“, erläuterte Klose. Den Mitgliedern der Hochschule sei es ein Anliegen, Facetten des Themas an der KH Mainz im Rahmen des Semesterbesuchs exemplarisch zu präsentieren und mit dem Bischof zu diskutieren. 

Fremd sein, Zugehörigkeit suchen, sich integrieren – in Interviewrunden, moderiert von der Geistlichen Mentorin Annette Klose, berichteten Studierende über ihre Erfahrungen in einem fremden Land und einer unbekannten Hochschullandschaft. 

Veronika Meilinger stammt aus Ecuador, lebt seit 2011 in Deutschland und studiert an der KH Mainz Soziale Arbeit. Pegah Aghamohammadi kam aus dem Iran nach Deutschland. Ihren Bachelorabschluss hat sie bereits absolviert und studiert nun im Master Soziale Arbeit. Auf die Frage, welche Unterstützung sie erfahren habe, um das Studium zu beginnen, antwortet Pegah Aghamohammadi: „Ich hatte gute Gespräche mit dem Dekan und anderen Professoren, die wussten, dass ich noch nicht so gut Deutsch kann und mich stets ermutigt und unterstützt haben. Auf Sprachprobleme wurde zum Beispiel auch bei Prüfungen Rücksicht genommen. Außerdem wollte ich auf jeden Fall ankommen, diese Sprache und diese Kultur richtig kennen lernen. Für mich eine ganz wichtige Motivation.“ 

Auch Veronika Meilinger nutzt jede Gelegenheit durch ihr Studium ihre Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. „Kontakt zu anderen Studierenden zu haben, ist für mich eine große Chance.“ Gerade deshalb würden sich beide Frauen manchmal noch etwas mehr Offenheit von ihren Kommilitonen wünschen. Zum Beispiel wenn es um die Vorbereitung gemeinsamer Referate geht – auch wenn sich dies aufgrund sprachlicher Hürden eventuell etwas schwieriger gestaltet. Und was können sie anderen Menschen aufgrund ihrer Erfahrungen geben? „Bewegung und südamerikanische Leichtigkeit, spontane Aktivitäten – das macht das Leben schön“, lacht Veronika Meilinger. „Ich möchte gerne weitergeben, dass man etwas tun muss, sich anpassen und dranbleiben muss“, ergänzt Pegah Aghamohammadi.  

Abdulmonem Jassem Alowis kam vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland und studiert im ersten Semester Sozialwissenschaften: Migration und Integration an der KH Mainz. Sein Schlüssel, um in der Fremde in Kontakt zu kommen: Lachen. Darüber hinaus hat er sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert und selbst Angebote für geflüchtete Menschen wahrgenommen. Nach einem Wunsch an seine Mitmenschen gefragt, schmunzelt Abdulmonem Jassem Alowis. „Angelacht und angesprochen werden – dann fühlt man sich nicht so fremd. So lange ich Flüchtling genannt werde und als Flüchtling gesehen werde, so lange bin ich fremd.“ Student in Deutschland klingt da doch gleich ganz anders. 

Ein Semester im Ausland studieren – auch das ist eine Erfahrung von Fremdheit, wie Alina Menzel, Absolventin der Praktischen Theologie, berichtet. Von ihren irischen Kommilitonen habe sie eine gewisse Lockerheit gelernt. „Außerdem kann ich nun sehr gut nachvollziehen, wie es ist, wenn man versucht etwas zu erklären und der andere einen aufgrund sprachlicher Hürden einfach nicht genau versteht. Geduld und Verständnis sind da wichtig.“

Die große Familienfeier der neuen Freundin, auf einer Vernissage allein unter Künstlern oder der erste Tag an der neuen Hochschule – dies sind Beispiele für Momente der Fremdheit, die von Studierenden und Mitarbeitenden spontan genannt wurden. 

Für Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zählt die Erfahrung auf der römischen Einwanderungsbehörde zu Beginn seiner dortigen Studienzeit zu einem solchen Moment der Fremdheit. „Gerade im Zuge der Flüchtlingskrise bin ich hieran oft erinnert worden. Zugleich ist das nur eine Facette der Begegnung in der Fremde. Die Internationalität, eine unglaubliche Lebendigkeit und die Konfrontation mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, die ich während meiner Zeit in Rom erlebt habe, waren zugleich eine große Bereicherung.“

Die Interviewrunden mit den Studierenden seien ein ermutigendes und wichtiges Signal, betonte Wiesemann. „Sie wollen sich in die Kultur hineinbegeben und möchten diese Haltung auch an andere weitergeben, damit Integration gelingt“. Zugleich sei es eine zentrale Aufgabe der Kirche zu einer Offenheit in der Gesellschaft beizutragen, die dies ermögliche. „Unsere Aufgabe als Christen ist es, den Geist offen zu halten und nicht von anderen Strömungen überlagern zu lassen. Dies ist eine wichtige Botschaft und permanente Aufgabe, denn die Kirche ist ein Zeichen für die Einheit der ganzen Menschheit.“

Text/Foto: Christina Maurer, Kath. Hochschule Mainz

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