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Donnerstag, 31. Januar 2019

Bistum erinnert an den 100. Geburtstag von Weihbischof Ernst Gutting

Weihbischof Otto Georgens predigt bei Pontifikalamt im Dom zu Speyer –Empfang im Friedrich-Spee-Haus

Mit einem Pontifikalamt im Dom zu Speyer hat das Bistum Speyer an den im September 2013 verstorbenen Weihbischof Ernst Gutting erinnert. 

Speyer. Mit einem Pontifikalamt im Dom zu Speyer hat gestern Abend das Bistum Speyer an den im September 2013 verstorbenen Weihbischof Ernst Gutting erinnert. Der Seelsorger wäre am 30. Januar 2019 100 Jahre alt geworden. 

Durch seine Spiritualität habe Ernst Gutting, der Seelsorger, Priester und Bischof, sehr viele Menschen geprägt, erklärte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zu Beginn des Gottesdienstes, an dem auch zahlreiche Weggefährten des verstorbenen Weihbischofs teilnahmen. Er erinnerte daran, dass „der kleine Bischof mit dem großen Herzen“ im Dom zu Speyer seine letzte Ruhestätte gefunden hat.

„Er hat den Ruf Gottes, der an ihn ergangen ist, gehört und darauf geantwortet. Mit offenen Augen, offenen Ohren ist er durch das Leben gegangen, Stellung nehmend im Reden und Tun“, beschrieb Weihbischof Otto Georgens in seiner Predigt seinen Vorgänger. Weihbischof Ernst Gutting habe viele Spuren hinterlassen, auch in seinem Leben. Georgens berichtete von Begegnungen bei Exerzitien, die er schon als Schüler und später als Student bei Gutting absolvierte.

Eine „unerschöpfliche Quelle der Inspiration“ sei für Gutting bis zu seinem Tod im September 2013 die Spiritualität der Heiligen Theresia von Lisieux gewesen. Deshalb habe er auch ihr Wort „Nur die Liebe zählt“ bei seiner Bischofsweihe 1971 zu seinem Wahlspruch gewählt.

Zu den für Gutting prägenden Ereignissen der jüngeren Kirchengeschichte hätten das Zweite Vatikanische Konzil und die Würzburger Synode gehört. Georgens wies darauf hin, dass sein Vorgänger bei dem Papier der Deutschen Bischofskonferenz „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ von 1981 federführend gewesen sei. Großen Einfluss auf sein Denken hätten die Enzyklika „Pacem in terris“ und das Apostolische Schreiben „Evangelii nuntiandi“ der Konzilspäpste Johannes XXIII. und Paul VI. gehabt.

Ein Herzensanliegen Guttings sei das Thema „Pfarrerneuerung“ gewesen. „Leider war ihm nicht vergönnt, das Apostolische Schreiben ‚Evangelii gaudium‘ von Papst Franziskus zu lesen, er hätte seine Freude daran gehabt“, sagte Georgens. Die darin enthaltenen Aussagen zur Pfarrei als Ort des Dialogs, der Verkündigung, des Wachstums des christlichen Lebens, der großherzigen Nächstenliebe, der Anbetung und der liturgischen Feier stünden im Einklang mit dem Denken des ehemaligen Speyerer Weihbischofs. Es lohne sich, den Spuren, die Gutting hinterlassen habe, nachzugehen weil „seine Spuren uns nicht auf die Vergangenheit festlegen, sondern uns für die Zukunft öffnen.“

Gutting habe oft den Satz von Johannes Paul II. zitiert „Die Kirche ist ihrem Wesen nach ein Geheimnis der Gemeinschaft – mit Gott selbst, mit Christus und in der Gemeinschaft mit anderen.“
Gemeinschaft sei ein Schlüsselwort für Gutting gewesen „um das seine Gedanken kreisten, ob es sich um die von ihm thematisierten ‚Zeichen der Zeit‘  - den ‚Aufstieg der Arbeiterschaft‘ und den ‚Aufstieg der Frau‘ – handelte oder um das ‚Projekt Pfarrerneuerung‘, das er in unserem Bistum in die Wege leitete. Gemeinschaft, so lautet für ihn die Vision Gottes von der Kirche, die zur Vision der Kirche werden muss“, erklärte Georgens. „Wir sind dankbar für das Lebens- und Glaubenszeugnis, für das pastorale Wirken von Weihbischof Gutting.“

Musikalisch wurde der Gottesdienst von den Domsingknaben, unterstützt von Sängern der Schola gregoriana, und einem solistischen Beitrag von Susanne Graf, Sopranistin aus Köln, gestaltet. Die Chorleitung lag in Händen von Domkantor Joachim Weller. Die Orgel spielte Markus Eichenlaub.

Empfang im Friedrich-Spee-Haus

Rund 150 Gottesdienstbesucher folgten der Einladung von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann zum anschließenden Empfang im Friedrich-Spee-Haus. Thomas Sartingen begrüßte im Namen des Bistums, der Kirchenzeitung „Der Pilger“ und der katholischen Erwachsenenbildung und zitierte aus einer Mitteilung von Bernhard Roth, des Neffen von Weihbischof Ernst Gutting: „Es begeistert mich, dass mein Onkel auch an seinem 100. Geburtstag nicht vergessen ist und er durch die Veranstaltung ein „Denkmal“ in dem Sinne gesetzt bekommt, dass Menschen „mal denken“ über das, was er vor vielen Jahren mitgedacht hat.“

Auf das Leben und Werk von Weihbischof Ernst Gutting ging Klaus Haarlammert ein, früherer Chefredakteur der Kirchenzeitung „Der Pilger“ und mit Weihbischof Gutting durch viele Bücher eng verbunden. Guttings bischöflicher Wahlspruch „Nur die Liebe zählt“, Summe und Vermächtnis der Heiligen Therese von Lisieux, sage im Grunde alles über ihn, so Klaus Haarlammert. „Frauenseelsorge und Frauenbildung, Familienseelsorge und Familienbildung, Arbeiter- und Betriebsseelsorge sowie Arbeiterbildung erhielten unter seiner Ägide neue Gewichtungen.“ Guttings Aufsehen erregendes Buch „Offensive gegen den Patriarchalismus“ kennzeichnete Haarlammert als „ein tief begründetes, leidenschaftliches Plädoyer für ein partnerschaftliches Miteinander von Männern und Frauen“. Gutting sei es dabei um die „Befreiung von Männern und Frauen zu ihrem vollen Menschsein“ gegangen. Patriarchalismus sei für ihn in keiner Weise aus der Schöpfungsordnung und schon überhaupt nicht aus dem Heilswillen Gottes irgendwie herzuleiten gewesen. „Wer Ernst Gutting kannte, weiß, dass er sich freuen würde über alles, was sich bis heute entwickelt hat, dass er aber viel mehr noch ungeduldig erstaunt darüber wäre, wie schwerfällig und halbherzig es dabei zugeht, wie stockend all das aufgenommen wurde und wird, was so dringlich und überlebensnotwendig ist“, so Klaus Haarlammert.

Im Gespräch schilderte Pfarrer i.R. Klaus Armbrust Weihbischof Gutting als „Lichtblick“ für die Diözese: „Er hatte eine große Menschlichkeit. Jedes Gespräch und jede Begegnung mit ihm hatte Tiefgang“. Als einen „zugänglichen, freundlichen, offenen und interessierten Menschen“ hat die langjährige kfd-Leiterin Gabriele Heinz Weihbischof Gutting kennengelernt. Er sei ein „Weihbischof zum Anpacken“ gewesen, haben viel Humor besessen und habe den Frauen im Bistum einen großen Rückhalt gegeben. Eine große Menschennähe bescheinigt ihm auch Friedrich Gaab, der für Weihbischof Gutting 18 Jahre lang Chauffeurdienste geleistet hat. „Er war ein lieber Mensch und für mich wie ein Vater. Man konnte mit ihm über alles reden, er hat sowohl am Tagesgeschehen wie auch am Befinden der Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung immer großen Anteil genommen.“

Terminhinweis: Festakademie am 16. Februar

Eine Festakademie am Samstag, 16. Februar, um 15 Uhr im Historischen Ratssaal in Speyer widmet sich dem Lebenswerk Ernst Guttings, der sich besonders für die Arbeitnehmer, die Frauen und eine Erneuerung der Pfarreien einsetzte. Professor Dr. Franz Xaver Bischof (München) würdigt Guttings Wirken aus kirchengeschichtlicher Perspektive, Professor Dr. Paul Michael Zulehner (Wien) aus Sicht der Pastoraltheologie. Die Sicht der Frauen wird durch Michaela Pilters, ehemalige Leiterin der Kirchenredaktion beim ZDF, in die Festakademie eingebracht. Organisiert werden die Gedenkveranstaltungen von der Katholischen Erwachsenenbildung, der Bistumszeitung „der pilger“ und dem Bistumsarchiv, in dessen Schriftenreihe auch ein Dokumentationsband zum 100. Geburtstag von Weihbischof Ernst Gutting erscheint.

Foto: Klaus Landry u. Pressestelle

 

 

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