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In dieser Übersicht finden Sie alle Dekanate im Bistum Speyer.

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Montag, 11. Februar 2019

"Strukturen verändern – Vertrauen zurückgewinnen"

Stellungnahme des Katholikenrats im Bistum Speyer zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche und den Folgen

Bei einer außerordentlichen Sitzung beschäftigte sich der Katholikenrat des Bistums mit den Herausforderungen durch die Missbrauchskrise. 

Speyer. Der Katholikenrat in der Diözese Speyer hat eine Stellungnahme zum Thema sexueller Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche und den Folgen veröffentlicht. Das Papier ist das Ergebnis der Beratungen der außerordentlichen Vollversammlung des Katholikenrats am 2. Februar 2019, bei der auch Generalvikar Andreas Sturm und der Mainzer Sozialethiker Prof. Dr. Gerhard Kruip zum Diskurs zur Verfügung standen.

Die Stellungnahme im Wortlaut

"Die katholische Kirche befindet sich in einer existenziellen Krise, deren Ausmaß durch die Erkenntnisse zum Umfang sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige noch einmal verstärkt worden ist. Jede und jeder von sexualisierter Gewalt Betroffene ist eine beziehungsweise einer zu viel. Das Vertrauen in die Institution Kirche wurde erschüttert, der Glaubwürdigkeitsverlust ist erheblich. Zu lange wurde dies von den kirchlichen Verantwortlichen nicht ernst genug genommen. Als Katholikinnen und Katholiken im Bistum Speyer leiden wir unter dieser Situation. Denn Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind unabdingbar, um die Freude am Glauben auch in Zukunft leben und verkünden zu können.

Das Problem hat auch strukturelle Ursachen. Kirchliche Strukturen, die den Missbrauch begünstigen, wie es die im September 2018 veröffentlichte Missbrauchsstudie nahelegt, sind nicht mehr länger tragbar. Grundlegende Veränderungen werden dann notwendig, auch in der kirchlichen Lehre und im Kirchenrecht. Zeitnah braucht es nachhaltige Reformen, die sich am eigentlichen Kern der christlichen Botschaft orientieren. 

Als Katholikenrat im Bistum Speyer sind wir bereit, die anstehenden Herausforderungen in den Gremien, in denen wir Mitverantwortung tragen, anzugehen und die notwendigen Veränderungen mitzutragen. Wir werden außerdem mit einem eigenen Veranstaltungsformat versuchen, mit einer möglichst breiten Basis über die anstehenden Fragen zu debattieren. Unseren Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann unterstützen wir bei der Umsetzung entsprechender Reformen in unserem Bistum und stärken ihm den Rücken in der Deutschen Bischofskonferenz für einen solchen Reformkurs einzustehen. Wir ermutigen alle Katholikinnen und Katholiken unseres Bistums, sich in die Debatte einzubringen, um (Macht-)Missbrauch zu verhindern und Kirche zukunftsfähig zu machen. 

Veränderungen fordern wir in folgenden Bereichen:

Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

Das Bistum Speyer ist bezüglich der konkreten Aufarbeitung der Missbrauchsfälle auf einem guten Weg. Wir begrüßen ausdrücklich die Überlegungen zur Einrichtung eines Betroffenenbeirats, um endlich den Betroffenen die notwendige Anerkennung zuteilwerden zu lassen und sie in die Aufarbeitung miteinzubeziehen. Gleichzeitig ist zu überdenken, wie das Kontaktangebot für Betroffene weiter verbessert werden kann, etwa im Sinne der Einrichtung und Finanzierung einer von der Kirche unabhängigen und interdisziplinär besetzten Anlaufstelle, die auf Wunsch auch anonym berät. Die juristische Aufarbeitung der Fälle muss weiter vorangetrieben werden. 

Präventionsarbeit

Um sexualisierte Gewalt zukünftig zu verhindern und es potentiellen Täterinnen und Tätern möglichst schwer zu machen, bedarf es einer Kultur des Hinsehens auf allen Ebenen kirchlichen Lebens. Dazu müssen alle haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden in den Pfarreien und Verbänden, Schulen, Kindertageseinrichtungen, caritativen Einrichtungen usw. für das Thema sexualisierte Gewalt sensibilisiert werden. Auch wir als Katholikenrat im Bistum Speyer werden in einem nächsten Schritt an einer Schulung zum Thema sexualisierte Gewalt teilnehmen. Bisher vorhandene Maßnahmen zur Prävention müssen weiter ausgebaut und flächendeckend etabliert werden. Die Entwicklung eines umfassenden Schutzkonzeptes für Kinder, Jugendliche und erwachsene Schutzbefohlene ist geboten. Ziel muss es sein, dass sich jede und jeder in Kirche sicher fühlen kann.

Sexualmoral der Kirche

Ehe- und Familienpastoral ist vielerorts bereits am Leitmotiv der Barmherzigkeit orientiert. Demgegenüber steht eine allzu rigide Sexualmoral, die zu viel mit Verboten operiert und zu wenig die Qualität und Dynamik von Beziehungen sowie die in ihnen gelebten Werte zum Gegenstand macht. Diese Lehre hat im Leben der Gläubigen kaum mehr Bedeutung, weil sie deren mit gutem Gewissen gelebten Praxis und moralischen Einsichten widerspricht. Eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre von Sexualität, Ehe und Familie ist daher notwendig. Die vielfältigen Lebensformen und Lebenswirklichkeiten, in denen Menschen heute leben, sind anzuerkennen. Auch Priestern sollte die Wahl ihrer Lebensform freistehen und der Pflichtzölibat abgeschafft werden. Homophobie und Diskriminierung aufgrund einer bestimmten Lebensform sind eine klare Absage zu erteilen! 

Klerikalismus und Macht

Sexueller Missbrauch ist immer auch Missbrauch von Macht. Innerkirchliche, klerikalistische Machtstrukturen sind konsequent abzubauen. Notwendig sind dafür die Trennung von Exekutive und Judikative im Kirchenrecht. Aber auch jenseits der juristischen Strukturen sind Machtentflechtungen notwendig. Es braucht eine gleichberechtigte Teilhabe von sogenannten Laien und Geweihten an der Leitung von Kirche und eine Gleichstellung von Frauen und Männern, auch was den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern betrifft. Für das Bistum Speyer fordern wir als ersten Schritt, auch nicht-geweihte Frauen und Männer als Leitungen der Hauptabteilungen zu benennen, die dann in der Konsequenz auch zu stimmberechtigten Mitgliedern des Allgemeinen Geistlichen Rats werden. Diesen Veränderungen liegt die Theologie eines gemeinsamen Priestertums zugrunde. Einer Überhöhung des Weiheamtes ist dadurch entgegenzuwirken. Und in diesem Sinne sollten auch einheitliche Standards für die Ausbildung zum priesterlichen Dienst auf der Ebene der Deutschen Bischofskonferenz entwickelt sowie die Ausbildung im Bistum Speyer überarbeitet werden. 

Dialog- und Konfliktkultur

Die Zeit von Denk- und Redeverboten innerhalb der katholischen Kirche muss vorbei sein. Es kann nicht darum gehen, der oder dem anderen aufgrund einer bestimmten Position das „Katholisch-Sein“ absprechen zu wollen. Es braucht eine Dialog- und Konfliktkultur auf allen Ebenen kirchlichen Lebens, in der auf Augenhöhe, wertschätzend, transparent und offen gemeinsam um die Zukunft der Kirche gerungen wird. Nur so kann verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden, das notwendig ist, um unserem Auftrag als Christinnen und Christen in der Welt von heute gerecht zu werden."

Unterzeichnet ist die Stellungnahme vom Vorstand des Katholikenrates im Bistum Speyer:
Luisa Fischer, Gabriele Kemper, Alfred Lenz, Hede Strubel-Metz, Heike Vogt

Foto: Katholikenrat

 

 

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