Montag, 25. Februar 2019

Für eine Ökumene der verschiedenen Intensitäten und Geschwindigkeiten

Konfessionsverbindende Paare aus unterschiedlichen Generationen im Gespräch: Helmut und Hildegund Lewark, Sabine und Michael Lehmann, Marius Wingerter (Moderation), Esther und Guido Timm (von links nach rechts). 

Studientag zur gemeinsamen Teilnahme konfessionsverbindender Paare an der Eucharistie

Kaiserslautern. Für eine „Ökumene der verschiedenen Intensitäten und Geschwindigkeiten“ warb die Theologieprofessorin Julia Knop bei einem Studientag zur Frage der Teilnahme evangelischer Christinnen und Christen, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben, an der Eucharistie. Sie, so Knop, leben partiell eine Einheit, die zwischen den Großkirchen noch aussteht. Einer solchen bereits bestehenden Kirchengemeinschaft entspreche aber auch eine „partielle Eucharistiegemeinschaft“. Zum Studientag eingeladen hatten die Referate für Ehe und Familie, für pfarrliche und überpfarrliche Räte und für Ökumene im Bischöflichen Ordinariat.

Eine Grundoption für die Gewissensentscheidung des Einzelnen

Als „total konventionell und alles andere als revolutionär“ bezeichnete Knop, Dogmatikerin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt, eine von den deutschen Bischöfen mit großer Mehrheit verabschiedete und im Sommer 2018 veröffentlichte Orientierungshilfe. In ihr wird ein persönlich verantworteter und kirchlich anerkannter Weg aufgezeigt, wie ökumenische Paare gemeinsam die Eucharistie empfangen können. Der Text, den Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann und inzwischen mehr als die Hälfte aller Diözesanbischöfe in Deutschland für ihre Bistümer als „verbindliche Orientierung“ in Kraft gesetzt haben, folge den Aussagen des II. Vatikanischen Konzils und des geltenden kirchlichen Rechts. Das „einzig Neue und Kontroverse“ des Textes bestehe in einer „Grundoption für die Gewissensentscheidung des Einzelnen“. Damit werde ein „Stil gesetzt, wie Kirche im 21. Jahrhundert aussehen soll: als eine Größe, die Menschen zur Entscheidungsfindung hilft“. 

Konfessionsverbindende Paare als kirchliche Größe

In ökumenischer Hinsicht, so Knop, „hätte man noch weitergehen können“. Vor allem „fehlen Ausführungen zur möglichen Teilnahme von katholischen Christen, die mit einem evangelischen Christen verheiratet sind, am protestantischen Abendmahl“. Dennoch sei zu begrüßen, dass in der Orientierungshilfe konfessionsverbindende Ehen nicht nur „als bloßer Fall oder als Notsituation, sondern als eine eigenständige kirchliche Größe“ gesehen werden. Der im Text gebrauchte Begriff der „partiellen Kirchengemeinschaft“ beziehe sich nicht nur auf eine teilweise Übereinstimmungen in der Lehre, sondern auch auf Personen und Gruppen: „Eine konfessionsverbindende Ehe kann deshalb weiter sein in der Ökumene als die Kirchen als Ganze“. Wenn sich ein evangelischer Partner nach der Eucharistie sehne, dürfe man, so die Referentin, von ihm „kein theologisches Examen“ verlangen. Vielmehr gelte: „Wer den katholischen Gottesdienst mitvollziehen und innerlich bejahen kann, der kann auch zur Kommunion hinzutreten“. 

Zeugnisse ökumenischer Paare

Beeindruckt zeigten sich die über 40 Teilnehmenden von den offenen Zeugnissen dreier ökumenischer Paare. Hildegund und Helmut Lewark aus Kaiserslautern berichteten davon, wie schwer es war, sich vor 47 Jahren über das Nein beider Eltern zu ihrer Beziehung hinwegzusetzen. Als evangelische Christin, so Frau Lewark, könne sie bis heute nicht verstehen, wieso die katholische Taufe ihrer Kinder für die katholische Kirche „kein hinreichender Vertrauensvorschuss ist, um zur Eucharistie eingeladen zu sein“. Vor 22 Jahren heirateten Esther und Guido Timm aus Bad Dürkheim. Sie erzählten, sie seien in „in einer Zeit groß geworden, in der sich die Kirchen noch klarer voneinander unterschieden haben“. Gefragt nach ihrer Eucharistie- und Abendmahlspraxis, gaben sie an: „Im Gespräch mit den Pfarrern beider Gemeinden haben wir schon vor langem eine gemeinsame und bewusste Entscheidung getroffen.“ „Völlig unproblematisch“ erlebten Sabine und Michael Lehmann aus Mehlingen ihre Trauung vor 15 Jahren. Für ihre Kinder sei es „normal, in beide Kirchen zu gehen“. Dennoch, so Sabine Lehmann, empfinde sie als evangelische Christin „immer noch eine Hemmschwelle“ beim Kommuniongang: „Ich würde mir wünschen, dass ein katholischer Pfarrer sagt:  Alle sind eingeladen, die christlichen Glaubens sind.“

Sensibilität und Geduld in der Ökumene

Bei einer abschließenden Podiumsdiskussion betonte Professorin Knop, dass das Gespräch mit einem Seelsorger, zu dem die Orientierungshilfe einlädt, ein „Angebot“ sei und nur dazu diene, dass ökumenische Paare selbst zu einer verantworteten Entscheidung gelangen. Domkapitular Franz Vogelgesang, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Ordinariat, warb für Verständnis für die Seelsorger vor Ort, „die mit einer Fülle von Themen beschäftigt sind“. Zugleich sicherte er zu, dass die Fragen des Studientags in die Aus- und Fortbildung hauptamtlicher Mitarbeiter einfließen werden. Für „Sensibilität und Geduld in der Ökumene“ warb Volker Janke, Dekan des protestantischen Kirchenbezirks Landau, auch mit Blick auf manche evangelische Geistliche, denen es in der Abendmahlsfrage nicht schnell genug vorangehe. Sein katholischer Kollege Axel Brecht, ebenfalls Dekan in Landau, verwies auf die großen Veränderungen im seelsorglichen Umgang mit gemischtkonfessionellen Paaren: „Anders als früher muss der katholische Partner heute nur noch versprechen, sich nach Kräften darum zu bemühen, seine Kinder katholisch taufen zu lassen, und auch nur, sofern das in seiner Ehe möglich ist.“ In ihrem Schlusswort drückten Esther und Guido Timm ihre Hoffnung auf weitere Schritte in der Ökumene aus und betonten die Rolle ökumenischer Paare auf diesem Weg: „Wenn viele kleine Boote vorausfahren, dann können die großen Tanker irgendwann nicht mehr anders, als ihnen zu folgen“.

Text und Bilder: Bistum Speyer