Montag, 01. April 2019

Erstes BarCamp politische Jugendbildung in Ludwigshafen

 

Offene Kooperationsveranstaltung dreier Akteure in der politischen Jugendbildung findet große Resonanz

Ludwigshafen. Es war eine Premiere: Am vergangenen Freitag, 29.3.19, fand das erste „BarCamp politische Jugendbildung“ als Kooperationsveranstaltung von drei jugendpolitischen Akteuren in der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Speyer, das Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen und das Haus am Maiberg in Heppenheim hatten gemeinsam nach Ludwigshafen eingeladen. Mehr als 20 Teilnehmer waren zum BarCamp gekommen. Die Interessierten waren Schüler und Studenten, leisten aktuell einen Freiwilligendienst oder waren bereits als freie Mitarbeiter in der politischen Jugendbildung aktiv. Eine Gruppe der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) Haßloch brachte den jugendverbandlichen Kontext in die Debatten ein. Ein BarCamp ist eine offene Arbeitsform, die das Wissen und die Interessen der Teilnehmer in den Mittelpunkt stellt. So begann der gemeinsame Abend mit der Formulierung der Diskussionsangebote durch die Teilnehmer. Eine der Fragen, die zur Diskussion standen lautete:  Kann man „die Jugend“ als „politikverdrossen“ bezeichnen angesichts starker Interessensvertretung beispielsweise im Rahmen von „Fridays for future“, des wöchentlichen Schulstreiks für den Klimaschutz. Daraus ergab sich die Frage, ob und in wie weit jugendpolitische Akteure die Schüler in ihren Anliegen unterstützen können und sollen. Diskutiert wurden begleitenden Bildungsangebote oder die Moderation eines Austauschs zwischen Schülern und Politikern. Den Ideen standen aber auch skeptische Stimmen entgegen: „Ich glaube, dass die Schüler das gut so machen, wie sie es machen. Sie zeigen starke Präsenz, vernetzen sich gut miteinander und lehnen Unterstützung der Erwachsenen ab. Das ist in Ordnung so, auch wenn nicht immer alles professionell organisiert ist“, erklärte ein Teilnehmer seinen Standpunkt.

Große Resonanz fand auch die Frage, ob Ernährung ein rein persönliches oder ein politisches Thema sei und wie man sich in der politischen Jugendbildung für eine bewusste Ernährung einsetzen könne. Lisa-Marie, Teilnehmerin aus den Kreis Bergstraße, erklärte: „Ich lebe jetzt in der Fastenzeit vegetarisch. Das mache ich in erster Linie nicht wegen des Tierwohls, sondern wegen des Menschenwohls“. Ihr Diskussionspartner Fredrik ergänzte im Hinblick auf die Motivation für eine alternative Ernährung: „Ob jemand vegetarisch oder vegan lebt, das wird oft auf der Gefühlsebene argumentiert, aber eben nicht politisch.“ Dabei sei absehbar, dass die Ernährung gerade zum globalen Politikum werde. Die Teilnehmer machten sich in der Diskussionsrunde „Ernährung“ insgesamt stark für politische Antworten, die die individuelle Kaufentscheidung ersetzen müssten, aber auch für eine große gesellschaftliche Toleranz im Hinblick auf verschiedene Ernährungsformen.

Auch in der Gruppe „Empowerment von Frauen“ fanden lebhafte Diskussionen statt. Die Frauenquote wurde sehr kontrovers diskutiert: Während die Argumente für eine solche Quote sich auf Studien stützten, die erst in einer höheren Prozentzahl von Frauen in Führungsposititonen eine Veränderung in Gesamtsystemen, beispielsweise von Politik oder Kirche sehen, stützten sich die Contra-Argumente auf die gesetzlich garantierte Gleichstellung von Männern und Frauen durch das Grundgesetz. Die Diskussionsrunde wurde von jungen Männern und Frauen gleichermaßen geführt. Neben der Frage der Frauenquote standen auch selbstbestimmte Sexualität und gesellschaftliche Prägungen auf der Agenda der Diskussionsteilnehmer.

In weiteren Diskursrunden wurde zum Schulsystem, zu methodischen Fragen der politischen Jugendbildung und praktisch zu Veranstaltungsformaten wie sogenannten „Escape Rooms“ diskutiert und erste Ideen zur Umsetzung gesponnen. Das BarCamp diente auch der Vernetzung der jugendpolitisch interessierten Teilnehmern.

Der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Speyer ist Dachverband von sieben Kinder- und Jugendverbänden im Bistum Speyer. Er vertritt die Anliegen von rund 6.500 Mitgliedern in Kirche, Politik und Gesellschaft. Mehr: www.bdkj-speyer.de

Text/Foto: bdkj