Freitag, 27. Mai 2016

"Barmherzigkeit verändert die Welt"

 

Fronleichnamsprozession: Bischof Wiesemann ruft zu Solidarität auf / Rund 1000 Gläubige begleiten den Weg

Speyer. Von der Zentralkirche St. Joseph der Großpfarrei "Pax Christi" aus zogen gestern Morgen rund 1000 Gläubige nach einem Pontifikalamt über die Gilgenstraße und die Maximilianstraße in Richtung Dom, um dort gemeinsam den feierlichen Abschluss der Prozession zu Fronleichnam zu begehen. Das Leitwort des Jahres, "Barmherzigkeit verändert die Welt", wurde den Christen von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann ans Herz gelegt. Er rief dazu auf, den "Rigorismus in der Lehre und den Laxismus im Leben" auszugleichen durch das Begehen des göttlichen Herzensraumes.

Schon beim Pontifikalamt in St. Joseph hatte Wiesemann, konzelebriert von Weihbischof Otto Georgens und den Pfarrern der Speyerer Gemeinden, die Gläubigen dazu angehalten, Unbarmherziges im Leben versöhnlich zu machen. In der Abschlussfeier im Dom weitete er den Aufruf aus und sprach von einer zweiten Chance, die jeder Mensch verdient habe, wenn er Unrecht bereut.  Dazu gehöre, den mittleren Weg zu finden zwischen Strenge und Nachsicht.

"Dieser Weg dazwischen ist der anspruchsvollere, schwierigere, es ist der Weg der Seelsorge", sagte Wiesemann und wies auf die Liebe Gottes hin, die sich aber selbst für das Leiden nicht zu schade ist. "Das Mitgehen mit dem Schicksal der einzelnen, die Solidarität des Mitleidens bei einer Schuld - das ist die mütterliche Kirche", betonte der Bischof mit Verweis auf die Gottesmutter und das schützende Dach des Speyerer Mariendomes.

Angelehnt an das Leitwort der Fronleichnamsprozession machte Wiesemann deutlich, wie wichtig und wegweisend das gemeinsame Suchen und Finden ist. "Das eucharistische Geheimnis der Kirche ist der Herzenswunsch", stellte er heraus und lenkte den Blick auf die versöhnende Aufgabe der Gläubigen in Kirche und Gesellschaft, gerade in Zeiten der Zerrissenheit. "Das ist ein Weg", so Wiesemann, "bei dem ich nicht nur Worte machen kann, sondern eingebunden bin."

Schon die Prozession, die in vier Abschnitte - zuhören, hinsehen, hingehen und handeln - unterteilt war, wurde getragen vom Anstoß der Christen, es dem Herrn gleich zu tun und für die Menschen in der konkreten Situation der Zeit da zu sein. Prozession als Gegenwart, Bewegung und Ausrichtung auf ein Ziel wurde den Menschen ins Bewusstsein gerufen. Die Texte, Gebete, Bibelverse und Lieder waren vom Liturgieausschuss der Pfarrei Pax Christi entsprechend des Leitwortes zusammengestellt worden. Sichtbares Zeichen des Glaubens war die Monstranz mit der Hostie, die unter dem Himmel durch die Straßen und von Wiesemann schließlich in den Dom getragen wurde.

Der Blumenteppich auf dem dortigen Vorplatz griff die Barmherzigkeit in vielen Symbolen auf, in einem Herz, einer Taube oder dem guten Hirten. Mit dem sakramentalen Segen wurden die Gläubigen durch Wiesemann verabschiedet, nicht ohne die Verlautbarung im Herzen, ein Zeichen zu setzen und das Gottesbild eines barmherzigen Vaters weiter zum Leuchten zu bringen.

Die musikalische Gestaltung des Fronleichnamsfestes hatten der Mädchenchor am Dom, die Speyerer Domsingknaben, die Frauen des Domchores und die Dombläser übernommen. Die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub. Domkapellmeister Markus Melchiori und Domkantor Joachim Weller hatten die Gesamtleitung.

Der gemeinsame Abschluss fand bei einer Reunion in der Gemeinde St. Joseph statt.

 

Text und Fotos: Susanne Kühner