Dienstag, 28. Juni 2016

Begeisterung fürs Federvieh kennt kein Alter

Die Hühner bringen den Kindern und den Senioren viel Freude 

Aktion für Senioren im Caritas-Altenzentrum St. Matthias in Schifferstadt

Schifferstadt. Dem Charme eines Huhnes kann sich kaum jemand entziehen. Alle zwei Wochen besuchen die Kinder des Waldkindergartens die Senioren im Caritas-Altenzentrum St. Matthias in Schifferstadt. Dieses Mal haben sie einen besonderen Anlass für ihren Besuch: Im Garten des Altenzentrums sind für zwei Wochen fünf Hühner eingezogen und da zeigt sich, dass selbst 80 Jahre Altersunterschied die Begeisterung fürs Federvieh nicht mindern können. Die Aktion „Rent a Huhn“, des Hühnerhof-Besitzers Michael Lüft aus Seligenstadt macht es möglich.

Lüft vermietet seit drei Jahren Hühner mit allem, was man dafür braucht, auf Zeit. Im vergangenen Jahr hat das Federvieh schon einmal im Garten des Seniorenzentrums gescharrt und Eier gelegt. Damals war gleich klar, dass es eine Wiederholung geben soll. Nun ist es also wieder so weit.

Die Senioren haben im Schatten Platz genommen. Die Kinder können es kaum noch erwarten, endlich ins Gehege zu dürfen. Die Hühner offensichtlich auch nicht, denn sie ahnen schon, dass Arletta Groß, die Leiterin der Sozialbetreuung von St. Matthias, einen Leckerbissen für sie in der Tüte hat. Eine vorwitzige Henne springt sogar schon in die Luft. Vorsichtig gehen die Kinder zu den Hühnern, die sich sogar von ihnen streicheln lassen. Doch die Salatblätter aus der Tüte sind erst mal wichtiger als Kuscheln, dafür ist später noch Zeit, finden die Hühner und auch die Kinder. Die haben große Freude daran, die Tiere zu Füttern.

Den Bewohnern, die zuschauen, macht das Treiben auch sichtlich Spaß. Während die Hühner mit den Salatblättern beschäftigt sind, dürfen die Kinder das Dach des Hühnerstalls aufklappen und sehen, ob vielleicht eine Henne schon ein Ei gelegt hat. Tatsächlich, da liegt eins. Die kleine Helena darf es vorsichtig herausholen, es ist noch ganz warm. Die Kinder staunen, als ihnen Arletta Groß dann zum Vergleich ein winziges Wachtelei zeigt. Das Hühnerei kommt in einen Korb mit den anderen Eiern, die die Hennen in den letzten Tagen gelegt haben. „Vergangenes Jahr waren es mehr, da war das Wetter besser“, erklärt Arletta Groß den Kindern. Sie dürfen es mit in den Kindergarten nehmen, denn aus hygienischen Gründen dürfen frische Eier in einem Seniorenheim nicht verwendet werden. Danach liest die Erzieherin Verginiya Ottendörfer noch die Geschichte von einem Huhn, das gerne Urlaub machen möchte, vor.

Die Bewohner sitzen inzwischen bei einem Gläschen Eierlikör und auch für die Kinder gibt es eine Stärkung, bevor sie weiter ziehen. Da bugsiert Alltagsbegleiterin Ewa Nordt ein Huhn in einen Korb, legt eine Decke drüber und macht sich auf in die Wohnbereiche. Sie besucht Bewohner, die ans Bett gefesselt sind oder zu schwach sind, um in den Garten zu kommen und zeigt ihnen das Huhn, erzählt ihnen, was draußen los war, lässt sie das Huhn streicheln. Später kommt sie zurück und berichtet, dass sich die Bewohner sehr gefreut hätten über „das Hinkel“. „Sie haben richtig gestrahlt. Eine Bewohnerin hat mich gleich in die Küche geschickt, damit das Hinkel was zu trinken bekommt“, sagt sie und strahlt dabei selbst nicht weniger. Arletta Groß freut sich: „Es ist ein Segen für mich, mit so einem Team zu arbeiten“. Sie und ihr Team haben sich auch allerhand einfallen lassen für die Zeit, in der die Hühner zu Gast sind. So trafen sich die Senioren zum Hühnercafé im Garten bei einem Stück „Spiegeleikuchen“, es gab ein Hühnerquiz und Eierwerfen war auch schon angesagt. Allerdings mit Styroporeiern, die die Senioren in einen Korb werfen sollten.

Man merkt, dass die Senioren sich über die Hühner freuen, und jede Gelegenheit für einen Spaziergang in den Garten nutzen. Arletta Groß erzählt von einem Bewohner, der sich sonst außerhalb seiner unmittelbaren Umgebung nicht mehr orientieren kann, jetzt aber plötzlich zum Aufzug wollte, weil es da ja zu den Hühnern geht. Das Federvieh bringt frischen Wind ins Seniorenheim. Die Besuche der Kinder auch. Es waren auch schon Gruppen aus anderen Kindergärten zum Hühner-Gucken da. Alt und Jung gehören zusammen, das sollte eigentlich ganz selbstverständlich sein, findet Arletta Groß. Deswegen kommen neben den Kindergartenkindern auch immer wieder mal andere junge Menschen zu Besuch. „Wir hatten kürzlich Rollstuhltraining für eine Handballmannschaft und demnächst kommt eine Gruppe Firmlinge vorbei“, erzählt sie. Auch wenn die Hühner dann schon wieder weggezogen sind.

Text / Foto: Christine Kraus