Montag, 02. September 2019

"Der erste Platz der Kirche ist der bei den Armen, Schwachen und Wehrlosen"

Der Mainzer Weihbischof Udo Bentz zelebrierte in diesem Jahr die Messe bei der Wasserprozession in Bobenheim-Roxheim. 

Weihbischof Udo Bentz (Mainz) predigt bei der 12.Pfälzische Wasserprozession auf dem Bobenheim-Roxheimer Altrhein - 2.000 Teilnehmer

Bobenheim-Roxheim. Trotz hochsommerlicher Gluthitze und Temperaturen von 35 Grad im Schatten, kamen auch diesmal wieder rund 2.000 Teilnehmer, zur mittlerweile " 12.Pfälzischen Wasserprozession" auf dem Bobenheim-Roxheimer Altrhein. Hauptzelebrant und Prediger war diesmal der Mainzer Weihbischof Udo Bentz. Damit wurde auf der schwimmenden Altarinsel, erneut ein Pontifikalamt gefeiert. Musikalisch umrahmt wurde das landesweit einmalige, religiös-kulturelle Event - vom Kirchenchor St.Cäcilia Roxheim, dem  Orchester des Katholischen Kirchenmusikvereins Pfeddersheim und dem "Projektchor Wasserprozession"  mit Sängerinnen und Sängern aus Bobenheim-Roxheim, Maxdorf und Wachenheim. Mit dabei waren auch wieder zahlreiche Abordnungen von Vereinen, Verbänden und Kolpingsfamilien, die mit ihren Trachten und Fahnen für ein buntes Bild sorgten. Für seine Predigt erntete der aus Rülzheim im Kreis Germersheim stammende Mainzer Weihbischof, viel Beifall.

Ein außergewöhnlicher Gottesdienst
Die "Pfälzische Wasserprozession" zählt zweifelsohne zu den außergewöhnlichsten Gottesdiensten im Bistum Speyer weit darüber hinaus. Die zahlreichen Teilnehmer und Besucher kommen aus allen Himmelsrichtungen in die 10.000 Einwohner zählende Altrheingemeinde im nördlichen Rhein-Pfalz-Kreis. Hier sorgt alljährlich ein fleißiger und hochmotivierter Arbeitskreis, unter Leitung von Diakon Helmut Weick, für die Zeit- und Arbeitsintensive Organisation und Logistik. Eine Herkulesaufgabe und seit 12 Jahren geradezu eine große Bürgerinitiative. Vor und hinter den Kulissen sind rund 150 ehrenamtliche Helferinnen- und Helfer im Einsatz. Mittlerweile ein eingespieltes aber auch älter gewordenes Team … Dessen größte Sorge ist in jedem Jahr natürlich das Wetter. "Kippt" die Witterung und beschert sie Regenschauer wird`s "brenzlig"  Eine kurzfristige Absage würde die vorauseilende, monatelange Vorbereitungsarbeit zunichte machen … und auch Löcher in die Kasse reißen. Denn: Die Wasserprozession finanziert sich seit Jahr und Tag, ausschließlich über die Kollekte, Spenden und dem Erlös des anschließenden Begegnungsfestes im Roxheimer Pfarrhof, bei dem sich vorallem die Mitglieder der örtlichen Wallfahrergruppe einbringen.

Diesmal gab es "Sonne pur" - und damit das genaue Gegenteil von " Nass-Kalt " Ein aufgeheizter Spätsommertag, der vorallem vielen älteren Teilnehmern zu schaffen machte. Pfarrer Michael Baldauf: "Der liebe Gott meint es heute etwas zu gut mit uns … "

Musikalisches Vorprogramm
Auch in diesem Jahr wurde das Ereignis mit einem musikalischen Vorprogramm eröffnet. Hier trat der 70-köpfige " Konzertchor Ü 60 - Worms-Wonnegau " in Aktion. Unter Leitung von Musikdirektor Hermann Jehl, entfaltete der Ausnahmechor aus Rheinhessen seine eindrucksvolle musikalische Qualität und Vielfalt. Eine enorme Bereicherung für die Veranstaltung am Roxheimer Gondelfestplatz. Die Zuhörer dankten es mit viel Applaus.

Es folgte die Fußprozesssion von der Roxheimer Pfarrkirche St.Maria Magdalena, zum Altrheinufer. Am Ufer des Seehotels-Bader wurden die bunt geschmückten Boote und Pontons bestiegen. Es folgte ein farbenfroher Korso über das Wasser - begleitet von den Salutsalven des Bobenheim-Roxheimer Schützenvereins.
Erfahrene Bootsführer des Roxheimer Wassersportvereins hatten alles gut im Griff. Diesmal jedoch eine echte Herausforderung. Der Wasserstand des Altrheins befindet sich derzeit auf einem Rekordtief. Immer wieder mussten die Bootsführer auch darauf achten, dass man nicht in die "Krautschichten" gerät - und sich die Außenbordmotore nicht in den Wasserpflanzen "verheddern"  Keine ganz leichte Aufgabe - wie sich zeigte.

Weihbischof Udo Bentz predigt

Die beliebte " Seemesse " wurde auch diesmal wieder auf einer schwimmenden Altarinsel gefeiert. In seiner Predigt orientierte sich Weihbischof Udo Bentz am Tages-Evangelium vom "Festmahl und den besten Plätzen". Bentz reflektierte dabei kritisch. Und konstatierte, dass die Kirche ständig darum bemüht sei, einen guten Platz in der öffentlichen Wahrnehmung zu haben und stellte die Frage: " Sollten wir uns den PLatz selbst suchen oder von Jesus zuweisen lassen ? " Die Kirche habe an Glaubwürdigkeeit verloren, weil sie sich zu sehr um sich selbst gedreht habe. Um in der öffentlichen Wahrnehmung Vertrauen zurückzugewinnen und neue Glaubwürdigkeit zu erlangen, bedürfe es nicht der komfortablen Plätze. Udo Bentz: " Der erste Platz ist der bei den Armen, Schwachen und Wehrlosen " sagte der Mainzer Weihbischof.  Klare Kante müsse die Kirche auch bei der Bewahrung der Schöpfung zweigen. Die zunehmende Bedrohung der Lebensgrundlagen und der Raubbau an den natürlichen Ressourcen müsse die Kirche als echte Herausforderung sehen und sich dagegen zur Wehr setzen.

Der Mainzer Weihbischof: " Die Kirche ist weder eine Sonderwelt noch ein Folkloremuseum "  Sie müsse sich fragen, ob nicht einige Stühle anders zu positionieren seien. Bentz: " Wenn wir Vertrautes hinter uns lassen, können wir Neues gewinnen "  Auch wenn die Volkskirchen zahlenmäßig kleiner werden - werde die Kirche heute mehr gebraucht, denn je. Die Kirche habe eine Botschaft, die die Gesellschaft nicht vermitteln könne.

Feierlichen Abschluss-Segen in der Pfarrkirche St.Maria Magdalena
Die 12.Pfälzische Wasserprozession endete mit dem Te Deum und dem feierlichen Abschluss-Segen in der Roxheimer Pfarrkirche St.Maria Magdalena. Wie Diakon Helmut Weick zum Schluss der Seemesse mitteilte, arbeitet der Arbeitskreis Wasserprozession für 2020  an einem neuen Konzept. Es muss viel Geld in die Fahrzeuge und das Material investiert werden. Diese gehe nur über die Spenden der Gläubigen. Auch müssten ältere Helfer von Jüngeren abgelöst werden. Aufgaben und Zielvorgaben, die in den nächsten Monaten verwirklicht werden müssen. Der Arbeitskreis will die Wasserprozession auf jeden Fall erhalten. Sie ist längst ein "großes Zeichen des Glaubens "und der kirchlichen Präsenz für die ganze Region geworden. Ein Beleg dafür, war auch diesmal wieder das große Interesse der Medien. Zahlreiche Pressevertreter, Radio- und Fernsehteams waren an den Roxheimer Altrhein gekommen, um über das Ereignis zu berichten.  

Text:  Pfarrei Heiliger Petrus Bobenheim-Roxheim/Foto: Dieter Geib