Montag, 27. August 2018

„Ich möchte gerne König sein“

 

Fotoausstellung im Haus des Sehens zeigt Porträts von Menschen mit geistiger Behinderung

Landau. Am 31. August um 19 Uhr wird im Landauer „Haus des Sehens“ am Obertorplatz die Ausstellung „Wunschgedanken“ eröffnet. Der Landauer Fotograf Jacksenn hat für die Ausstellung 16 Porträts von Menschen mit Behinderung fotografiert. Die Vernissage ist die erste Aktion der Inklusiven Kunstwoche, die das Caritas-Förderzentrum St. Laurentius und Paulus im September veranstaltet.

Die Kunstwoche widmet sich dem Thema „Was ich mir wünsche“. Entsprechend hat der Fotograf mit dem Künstlernamen Jacksenn mit seinen Modells das Gespräch darüber gesucht, was diese sich wünschen, um deren Wünsche in die Shootings zu integrieren. „Für mich war das total spannend“, erzählt Jacksenn. „Ich habe noch nie vorher ein Shooting mit Menschen mit geistiger Behinderung gemacht und war auch entsprechend gespannt und aufgeregt.“ Der Kontakt zwischen dem Fotografen und dem Caritas-Förderzentrum kam über Jaqueline Konrad zustande. Sie ist Bereichsleiterin für Wohnen und Tagesbetreuung für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung im Förderzentrum und interessiert sich auch privat stark   für Fotografie. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob das eine Idee für die inklusive Kunstwoche sein kann und dann Jacksenn gefragt, den ich auch persönlich gut kenne.“ Jacksenn hat vor zwölf Jahren das Hobby Fotografie zum Beruf gemacht und lebt hauptsächlich von Werbefotografie. „Das ist etwas ganz anderes. Da geht es darum, Menschen möglichst perfekt in Szene zu setzen und etwas zu inszenieren, was es eigentlich gar nicht gibt, die Makellosigkeit“, beschreibt er sein tägliches Geschäft. „Aber bei diesem Shooting kamen die Menschen so, wie sie sind. Die Brille staubig, die Haare verstrubbelt. Andere Kunden gehen vor einem Fototermin zum Friseur und wollen sich inszenieren. Das war hier ganz anders.“

Jaqueline Konrad hatte die Bewohner gefragt, wer Lust hatte, an einem solchen Shooting teilzunehmen. „Für zwei Shootings haben sich 16 Menschen gemeldet, und es lief total überraschend.“ „Für ein gutes Porträt brauche ich manchmal acht Stunden oder länger“, erzählt Jacksenn. „Bei einem Porträt will ich nicht, dass das Bild im üblichen Sinne  schön ist, sondern ich will, dass etwas passiert im Bild.“ Und das sei bei diesem Termin beeindruckend gewesen. „Die Menschen haben sich auf den Stuhl gesetzt und ich habe sie gefragt, was sie sich wünschen. Wir haben miteinander geredet und dabei habe ich fotografiert.“ Bei seinen Modells habe ihn deren Offenheit völlig fasziniert. „Tür und Tor standen offen, sie kamen einfach so, wie sie sind, völlig authentisch, sie haben nicht versucht, etwas darzustellen.“ Er habe auch nicht an ihnen herumgezupft oder sie irgendwie positioniert.

Was für ihn ebenfalls überraschend war: „Die Frage nach ihren Wünschen hat sie völlig überrascht. Sie waren darauf nicht vorbereitet. Mein Gedanke war dann, dass das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung, das von Anfang an geprägt ist durch Förderung und Betreuung, so fremdbestimmt ist, dass sie keinen Zugang zu ihren Wünschen haben.“ Im Gespräch habe er dann die Frage abgewandelt und danach gefragt „Was macht Du gerne, woran hast Du Freude“. Das habe dann zu erstaunlichen Antworten geführt. „Einer wollte gerne in seiner Theatergruppe den König spielen, einer hätte gerne einen eigenen Fernseher gehabt, eine Frau  wollte Eis essen gehen, einer hat sich ein Tor für den FCK gewünscht. Aber eine Frau hat sich auch Mama und Papa gewünscht, eine andere wollte gerne ihre Familie sehen.“ Das Shooting und die Gespräche haben ihn sehr berührt. „Ich würde das sofort nochmal machen. Solche charakterstarken, echten Fotos sind sonst schwer zu bekommen.“

Bei der Vernissage im „Haus des Sehens“ werden die 16 Modells Ehrengäste sein. „Für die Ausstellung habe ich die Fotos auf Alu-Dibond-Platte ziehen lassen, damit sie auch wirklich wertig und edel sind. Darüber hinaus gibt es von jedem Porträt 50 Kunstdrucke, die wir auch verkaufen“, erklärt Jacksenn. Der Erlös gehe an das Caritas-Förderzentrum, die Modells und an ihn.

Text: Caritasverband für die Diözese Speyer/Foto: Jacksenn