Dienstag, 04. August 2026
Partnerschaftsbegegnung der KHG Speyer/Kaiserslautern mit der KHG Kigali
Speyer/Kaiserslautern. Acht Studierende aus Ruanda sind in Begleitung ihres Studierendenpfarrers Eugène Muhire Rwigilira im Rahmen der Partnerschaft der KHG Speyer/Kaiserslautern mit der KHG Kigali zu uns nach Deutschland gereist. Diese Partnerschaft besteht seit 2013.
Zwei wirklich spannende Wochen voller Programm standen an:
Nach einem langen Flug über Brüssel waren alle froh, am 15. Juli endlich in Kaiserslautern in der Campusgemeinde angekommen zu sein und dort im Rahmen des Gemeindeabends mit Abendessen und Gottesdienst begrüßt zu werden.
Vizepräsident Prof. Dr. Oliver Frör begrüßte am Folgetag mit einem Empfang an der RPTU in Kaiserslautern die Gruppe. Nach einem Gang über den Campus und einem gemeinsamen Mittagessen stand ein Besuch im Landtag Rheinland-Pfalz mit MdL Raymond Höptner in Mainz an. Herzlichen Dank für diesen Einblick in die demokratischen Strukturen unseres Landes. Anschließend ging es unter der Führung von Florens Eckart vom Ruanda-Referat der Staatskanzlei Mainz durch die Altstadt, bis alle vor einem Gewitter in ein Restaurant flohen.
Am zweiten Tag besuchte die Gruppe das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, das einzig vollständig erhaltene Eisenwerk aus der Industrialisierung. Die anschließende Wanderung zu den Schlossberghöhlen in Homburg mitten durch einen Wolkenbruch wurde zum besonderen Event, denn in Ruanda läuft offenbar niemand durch den strömenden Regen. Aber ansonsten hätten wir die Öffnungszeiten verpasst. Das Nasswerden hat sich gelohnt, die Höhle gefiel den Gästen sehr.
Alle Fußball Interessierten durften am dritten Tag das FCK-Museum auf dem Betzenberg besuchen und einen Blick in das Stadion werfen. Beim anschließenden Besuch im nahen Wildpark genossen alle den kühlen Wald und die heimische Tierwelt. Der Gottesdienst am Abend in der Campusgemeinde sorgte mit gemütlichem Grillen für ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Viele ehemalige ruandische Studierende kamen extra zu Besuch.
Am Sonntag feierte die Gruppe den Gemeindegottesdienst in St. Theresia in Kaiserslautern mit. Anschließend zeigte Bauingenieur Szymon das Forschungsprojekt seiner Promotion, den größten Röntgencomputertomographen zur Analyse von Betonbauten. Direkt nach dem Mittagessen fuhr die Gruppe weiter nach Speyer in die Jugendherberge, bevor am Abend Studierende der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften für alle grillten und gemeinsam das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft OpenAir geschaut wurde.
Endlich konnte auch dank eines neuen Balles, den eine Studentin aus Kaiserslautern mit Autogrammen von allen als Abschiedsgeschenk mitgegeben hatte, ein Basketball-Spiel stattfinden.
Der Montag gehörte dem Besuch von Speyer: Nach einer Begrüßung und Domführung mit Herrn Domkapitular Franz Vogelgesang wurden die Gäste aus Ruanda an der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften von Rektorin Frau Prof. Dr. Constanze Janda empfangen. Es folgte ein Besuch im Weltladen, wo alle mit Kaffee und Schokolade versorgt wurden, bevor es einen Empfang im Rathaus mit der Beigeordneten Irmgard Münch-Weinmann gab. Am Abend wurde in der Jugendförderung gemeinsam ruandisch-deutsch gekocht. Die ruandischen Gäste liebten die Maultaschen, die deutschen Gäste den großen Topf Pilau.
Mit zwei Kleinbussen besuchte die Gruppe am Tag sieben die Gedenkstätte Osthofen. Dort fand mit Alina Gießen von STUBE (Studienbegleitprogramm Rheinland-Pfalz/Saarland) eine Führung durch das frühe Konzentrationslager und ein Workshop zum Thema „Erinnerungskultur in Deutschland und Ruanda“ statt.
Vizepräsidentin Prof. Dr. Nina Knape begrüßte am Abend an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft die Gruppe in Ludwigshafen. Der Musikabend lockerte das nicht ganz einfach Thema des Tages etwas auf: Es wurde ruandisch-kamerunisch-deutsch gesungen, getrommelt und getanzt.
Am kommenden Tag gab es nach einem gemeinsamen Morgenimpuls mit Frühstück an der Universität in Speyer eine Führung mit Joshua Leifheit durch das Universitätsklinikum Mannheim. Ein Krankenwagen und das Krankenhaus selbst wurden neugierig erkundet. Joshua hatte als Medizinstudent eine Famulatur im Partnerschafts-Krankenhaus unseres Bistums in Mibilizi gemacht und kannte daher die Verhältnisse in Ruanda ein wenig. Nach dem Mittagessen ging die Reise weiter nach Heidelberg.
Dort erklommen alle den Schlossberg, den Philosophenweg und erkundeten die Altstadt, bevor es für die Gäste ihren ersten Döner im Katholischen Universitätszentrum in Heidelberg gab.
Am 23.07.2026 fuhr die ruandisch-deutsche Gruppe schließlich gemeinsam weiter nach Berlin.
Als Zwischenstopp auf der Strecke gab es einen Halt beim Herkules in Kassel und einen Besuch mit Führung in der Gedenkstätte „Deutsche Teilung in Marienborn“ an der Bundesautobahn 2.
Das Thema deutsch-deutsche Teilung fanden auch die deutschen Reiseteilnehmenden spannend, schließlich waren sie alle nach der Wiedervereinigung geboren worden. Nach einem Stau und dem Bezug der Unterkunft des CVJM-Hauses machten sich alle über das „all-you-can-eat“ Buffet des Abendessens her.
Der erste Tag in Berlin startete mit einem Besuch im Deutschen Bundestag, bevor wir im Bundesjustizministerium zum Mittagessen empfangen wurden. Die anschließende Hausführung und
Gesprächsrunde waren sehr intensiv. Danke für diese seltene Möglichkeit des Einblicks. Der Tag endete mit leckeren Käsespäzle von Pater Felix Meckl in der KSG Berlin, bei dem auch gemeinsam gespielt und mit einem Vortrag Einblicke in das Land Ruanda gegeben wurden.
Am Samstag stand eine englischsprachige Führung im Humboldt-Forum zum Thema "Koloniale Gegenwart“ auf dem Programm. Im Anschluss daran führte uns Pater Felix zum Holocaust-Memorial und seinen Lieblingsorten in der Hauptstadt: einem Currywurst-Stand und zur East-Side-Gallery. Um uns herum fand der CSD (Christopher-Street-Day) statt: Ein buntes und fröhliches Treiben. Nachdem Pfarrer Eugène der Gemeinschaft SANT'EGIDIO angehört, feierten wir zusammen am Abend gemeinsam mit deren Mitgliedern Eucharistie, bevor es ein gemeinsames Abendessen im Kirchengarten gab.
Um die zwei zurückliegenden Wochen zu reflektieren, verbrachten alle den Abschlussabend gemeinsam auf der Dachterrasse der Unterkunft. Währenddessen fand das schreckliche Attentat in unserer direkten Nähe statt. So viele Sirenen, Blaulicht und Hubschrauber hatte noch niemand von uns erlebt. Unsere Gedanken waren wir bei den Opfern.
Am letzten Tag besuchte die Gruppe zusammen das jüdische Museum. Danach gab es auf vielfachen Wunsch noch einmal einen Döner, bevor es hieß: Wir müssen uns leider von unseren Gästen verabschieden, um wieder in die Pfalz zu fahren. Unsere Gäste fuhren noch einmal in die KSG, um dort gemeinsam zu kochen und den Sonntag am Abend stattfindenden KSG-Gottesdienst zu feiern.
Am Montag ganz früh um 3.30 Uhr kamen die Taxis und die ruandische Gruppe flog von Berlin über Brüssel wieder nach Kigali.
Was für eine spannende Zeit liegt hinter uns: Wir sagen danke für so viele Begegnungen, so viele neue Erfahrungen und unsere Partnerschaft, die so viel Neues ermöglicht hat.
Text: Luise Gruender





