Freitag, 31. Juli 2026

Zurück in ein aktives Leben

Nala im Bademantel: Sie stiehlt allen die Show. Nach dem Baden bei einem ihrer regel-mäßigen Spaziergänge freut sich Nala auf ihren Bademantel. Als Portugiesischer Wasser-hund (Cão de Água Português) schwimmt und taucht Nala hervorragend. © privat 

Seniorin findet durch den Malteser Hundebesuchsdienst neue Lebensfreude, Freundschaften und Anschluss an ein starkes soziales Netzwerk

Hatzenbühl. „Mittwoch“ ist für Gisela Meisel ein besonderer Tag. Dann kommen Andrea Bruders (63) und ihre Hündin Nala zu Besuch. Was als Angebot der Malteser begann, ist über die vergangenen zweieinhalb Jahre zu einer echten Freundschaft geworden. Die Besu-che bringen Abwechslung, Gemeinschaft und viele schöne Momente in den Alltag der 84-Jährigen. Im Interview erzählen die beiden, was sie miteinander verbindet.

Frau Meisel, wie ging es Ihnen, bevor Sie zu den Maltesern kamen? Gisela Meisel: Nach dem Tod meines Mannes bin ich in ein tiefes Loch gefallen und habe mich einsam und verloren gefühlt. Wir waren 44 Jahre verheiratet, dann hat ihn der Krebs eingeholt. Zwei Tage vor seinem Tod hat er mich gefragt: „Was machst du, wenn ich nicht mehr da bin?“

Am Anfang waren die Kinder da. Aber abends war ich allein und dann „geht das Rädel“. Im Haus ist Ruhe, der Stuhl am Tisch ist leer und niemand spricht mit einem ...

Wie sieht Ihr Alltag heute aus? Gisela: Am Mittwoch kommen Andrea und Nala (ein Portugiesischer Wasserhund), Freitag ist mein Malteser-Tag – da fahre ich zu den Maltesern nach Hatzenbühl in die Geschäftsstelle. Ich werde jedes Mal von daheim abgeholt und auch wieder heimgebracht. Zwei Ehrenamtliche Malteserinnen, Regina und Brigitte, die bei der Organisation der verschiedenen Veranstaltungen helfen, holen mich ab. Brigitte ist ein echter Sonnenschein, sie kümmert sich ganz besonders herzlich um mich und sorgt jedes Mal ganz rührend dafür, dass ich auch ganz sicher zu den Veranstaltungen kommen kann und auch wieder heimgebracht werde. Ich muss mich um nichts kümmern.

Welche Angebote besuchen Sie besonders gerne? Gisela: Ich mache Yoga auf dem Stuhl, gehe jeden zweiten Freitag zur Plaudergruppe und besuche das gemeinsame Kaffeetrinken mit Spieleangebot. Zwei- bis dreimal war ich auch
schon mit meinen Bekannten aus den Malteser-Treffen zum Essen beim Italiener und es hat sich eine private Wandergruppe gefunden. Wenn das Wetter mitspielt, nutzen wir das und gehen gemeinsam in den Wald. Ich genieße das alles in vollen Zügen.

Ein besonderer Termin ist der Mittwoch. Warum? Gisela: Weil Andrea und Nala kommen. Das ist inzwischen mein Lieblingstag.

Wie sind Sie zum Hundebesuchsdienst gekommen? Andrea: Nachdem ich mit 58 Jahren krankheitsbedingt in den Ruhestand gegangen bin gehen musste, war ich erst einmal länger in Reha. Da ich schon immer einen Hund wollte, habe ich bei einer Züchterin nach einem Portugiesischen Wasserhund gesucht und Nala gefunden. Ich habe sie als Welpe bekommen. Dabei fiel mir schon sehr früh auf, dass Nala ein un-glaublich ausgeglichenes und freundliches Wesen hat. Sie ist rassetypisch außerordentlich rücksichtsvoll mit einer sehr hohen Reizschwelle. Da sie alle Vorgaben erfüllt, die für diese Aufgabe Voraussetzung war, habe ich mit ihr, als sie ein Jahr alt war, eine Ausbildung zum Besuchs- und Begleithund bei der Hundeschule „Freche Hummel“ gemacht.

Ursprünglich wollte ich mit Nala die Geschwister von krebskranken Kindern besuchen, die häufig weniger Beachtung erfahren als ihre erkrankten Geschwister. Dann erzählte mir Marion (Referentin soziales Ehrenamt) von einer älteren Dame aus Lingenfeld, die Gesellschaft gebrauchen könnte – und so kam der Kontakt zu Gisela zustande.

Frau Meisel, waren Sie sofort begeistert von der Idee? Gisela: Ehrlich gesagt nicht. Ich wollte eigentlich keinen Hundebesuch. Aber dann haben wir es einfach ausprobiert. Heute kann ich mir Nala aus meinem Leben nicht mehr wegdenken.

Ihr Lieblingsspielzeug - ein Dino, den sie von mir zu Weihnachten bekommen hat und Nala’s High Light „Möhrenstückchen“ warten jetzt immer auf sie, wenn sie zu Besuch kommt. Inzwischen habe ich viele Fotos von ihr an den Wänden hängen, die mich durch den Alltag begleiten: Nala beim Ausflug im Wald, mit Weihnachtsmütze und einen Kalender mit Fotos fürs ganze Jahr.

Was machen Sie gemeinsam? Andrea: Wir gehen spazieren, trinken Kaffee und reden über alles Mögliche. Vor allem wird viel gelacht.

Aus den Besuchen ist offenbar mehr geworden? Andrea: Ja, auf jeden Fall. Wir sind Freundinnen geworden.

Gisela: Das stimmt. Die Chemie hat von Anfang an gepasst.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Andrea: Unsere Lebenswege haben einige Gemeinsamkeiten. Wir kommen beide aus Ostdeutschland. Gisela ist damals in den 60igern mit einem Koffer geflüchtet, ich bin lange nach dem Mauerfall, wegen einer neuen Liebe, in den Westen gekommen.

Gisela: Und wir sind beide glücklich geschieden. (lacht) Man muss ein zweites Mal heiraten, um die Erfahrungen aus der ersten Ehe richtig leben zu können.

Welchen Rat haben Sie für Menschen, die sich einsam fühlen? Gisela: Man muss offenbleiben und Hilfe annehmen. Oft braucht es nur einen ersten Schritt.