Sonntag, 31. Mai 2026

Bischof Wiesemann: „Freiheit wird nicht kleiner, wenn wir sie teilen. Sie wird größer.“

Bischof Wiesemann mit einem Impulsvortrag auf der Gartenbühne. 

Demokratiefest in Neustadt: Bistum Speyer setzt Zeichen für Freiheit, Dialog und Zusammenhalt

Mit Begegnungen, Gesprächen und einem Impulsvortrag von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann hat sich das Bistum Speyer am Wochenende am Demokratiefest „1832. Das Fest der Demokratie“ in Neustadt an der Weinstraße beteiligt. Unter dem Motto „Freiheit pflanzen“ erinnerte das Fest an die demokratischen Ideale des Hambacher Festes und lud dazu ein, über die Bedeutung von Freiheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt heute ins Gespräch zu kommen.

Bischof Wiesemann sprach auf der Gartenbühne im Kirchgarten der Pfarrkirche St. Marien unter dem Titel „Zwischen Dom und Demokratie: Wege zu geteilter Freiheit“ über das Verhältnis von christlichem Glauben, Demokratie und gesellschaftlicher Verantwortung.

Freiheit bedeutet auch Verantwortung für das Allgemeinwohl

In seinem Vortrag warb der Bischof für ein Verständnis von Freiheit, das über reine Selbstbestimmung hinausgeht. „Dem christlichen Freiheitsbegriff zufolge meint Freiheit in erster Linie nicht eine ,Freiheit von …‘, sondern eine ,Freiheit zu …‘: eine Freiheit, die meine Autonomie übersteigt und mich zur Beziehung mit anderen und zu mehr Verantwortung führt“, erklärte Wiesemann. Freiheit sei deshalb niemals nur eine Privatangelegenheit, sondern habe immer auch mit dem Gemeinwohl zu tun.

Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen warnte der Bischof vor einer Verengung des Freiheitsbegriffs und vor Gefährdungen der demokratischen Kultur. Demokratie lebe nicht allein von Institutionen und Verfahren, sondern von einer Haltung des Respekts, der Offenheit und der Fähigkeit, unterschiedliche Positionen auszuhalten. „Wo diese Haltung verdunstet, geraten auch demokratische Institutionen ins Wanken“, sagte Wiesemann.

Zugleich ordnete er die Rolle der Kirche selbstkritisch historisch ein. Die katholische Kirche habe sich den Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts lange Zeit verschlossen. Umso wichtiger sei heute das klare Eintreten für Religionsfreiheit, Menschenwürde und demokratische Grundwerte. Die Kirche verstehe sich als Mitträgerin einer Kultur der Freiheit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Zum Abschluss seines Vortrags griff Wiesemann die Botschaft des Demokratiefestes auf und verband sie mit einem Appell für die Zukunft: „Freiheit wird nicht kleiner, wenn wir sie teilen. Sie wird größer.“ Freiheit wachse dort, „wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen; wo Solidarität stärker ist als Angst; wo die Würde jedes Menschen geschützt wird“. Der entschiedene Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibe deshalb eine Aufgabe jeder Generation.

Begegnung, Austausch und Dialog am Stand des Bistums

Auch am Stand des Bistums Speyer nutzten zahlreiche Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit zum Austausch. Viele Interessierte informierten sich über die Arbeit des Bistums und kamen mit Mitarbeitenden über Fragen des Glaubens, gesellschaftliche Herausforderungen und das Engagement der Kirche für Demokratie und Menschenwürde ins Gespräch.

Die Resonanz auf die Angebote des Bistums fiel durchweg positiv aus. Die zahlreichen Begegnungen zeigten, dass das Interesse an offenen Gesprächen über gesellschaftliche Verantwortung, Zusammenhalt und die Rolle von Religion in einer demokratischen Gesellschaft groß ist.